Reiste

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Das weite Wiesental der Reismecke markiert auf etwa 5km Länge ein Stück der östlichen Grenze des Naturparks Homert. Bei Bremke mündet das kurze Flüsschen in die Wenne, nachdem es einen der wichtigsten Ortsteile Eslohes passiert hat, den Ort Reiste. Schon im Jahr 1231 wird Reiste erstmals erwähnt, wobei bis heute unklar ist, woher der Name stammt, für den es keine Entsprechungen im Sauerland gibt. Vielleicht waren es Kaufleute und Reisende, die hier Rast machten. Vielleicht lässt sich der Name aber auch auf das mittelhochdeutsche rise zurückführen, das soviel wie Rinne an einem Berg bedeutet. Woher auch immer der Name stammen mag, eines ist sicher: Reiste bietet dem Besucher so einiges.

Vielleicht ist es ja der paradiesischen Lage zu verdanken, dass es hier ein Naturdenkmal mit dem Namen Adam und Eva gibt. Der örtliche Wanderweg Re1 führt vom Ortskern hierher, etwa einen Kilometer westlich des Ortes. Die biblischen Namen tragen zwei Buchen. Zwar ist fraglich, ob sie seit Anbeginn der Zeiten hier stehen, wie die Namen nahelegen. Doch sehr alt sind sie in jedem Fall, überschauen von ihrem erhöhten Standort das Reismecketal und beobachten die Wanderer auf dem nahen Sauerland-Höhenflug, der hier mit dem lokalen Weg parallel verläuft.

Ein wenig unterhalb von Adam und Eva findet sich die Bienenstockkapelle am Lohof. Sie wurde 1840 erbaut und trägt ihren Namen nicht von ungefähr: Ursprünglich produzierten hier Bienen das Wachs für die Verwendung in kirchlichem Rahmen. Geweiht ist die Kapelle der in Marburg verstorbenen heiligen Elisabeth von Thüringen. Eine Imkerei wird heute nicht mehr betrieben.

Wer sich für Sakralbauten interessiert, sollte auch die katholische Pfarrkirche St. Pankratius besuchen. Sie entstand 1852 und wurde Ende des 20. Jahrhunderts gründlich renoviert. Spannend ist vor allem im Inneren die Orgel, die sich in einem modernen Orgelprospekt befindet, der ihre bewegte Vergangenheit kaum erahnen lässt. Teile der Orgel sind nämlich über 350 Jahre alt.

Ursprünglich war das Pfeifenwerk der Reister Kirchenorgel 1633 für das Kloster Grafschaft bei Schmallenberg gefertigt worden. Als die Abteikirche neu ausgestattet wurde, landete es zunächst im Abstellraum. 1750 kam das Pfeifenwerk nach Reiste und wurde in der Folge um weitere Register und Pfeifengruppen ergänzt. Ein weiteres interessantes Detail ist das Holzrelief der Heiligen Sippe. Vermutlich stammt es aus der Werkstatt des Petrus von Kolshusen, vor allem die Ausarbeitung der Köpfe und Gewandfalten deuten darauf hin.

Überregional bekannt ist Reiste für seinen Markt. Jährlich am vierten Wochenende im August zieht der Reister Markt zahllose Besucher aus nah und fern an: Tierschau und Tiermarkt, Krammarkt und Kirmes sind geboten, und zum Abschluss gibt es ein prachtvolles Höhenfeuerwerk. Die Geschichte des Marktes ist lang. Schon im 11. Jahrhundert fand der Reister Markt statt, damals Bartholomäusmarkt genannt. Nur während der Weltkriege fiel der Markt aus.

Hätte es 1875 in Reiste nicht gebrannt, dann befände sich dort heute vielleicht eine bekannte Brauerei. Da das Feuer aber die Malzdarre vernichtete, endete die Reister Brauereigeschichte 16 Jahre nachdem sie begonnen hatte. Bis heute sichtbar ist allerdings noch ein Überbleibsel der alten Brauerei, der Reister Felsenkeller. In diesem eigens gegrabenen Stollen wurde im Winter Eis aus der Reismecke eingelagert, um auch im Sommer noch eine kühle Lagermöglichkeit für das Bier zu haben. Nachdem der Stollen im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker gedient hatte, ist er heute nur noch eine Erinnerung an eine interessante Anekdote der Reister Geschichte.