Ottweiler

Ottweiler im Bliestal ist bekannt für seine wundervolle Altstadt mit dem Wehrturm Zibbelkapp aus dem 15. Jahrhundert. Um die 120 Einträge umfasst die Denkmalliste. Im Norden der Altstadt sind Reste der Stadtmauer erhalten. Die meisten Wohnhäuser der Altstadt stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, einige nahe dem Rathaus gehen auch auf das 16. Jahrhundert zurück.

Die einstige Residenzstadt der Grafen von Nassau-Saarbrücken ist heute Verwaltungssitz des Landkreises Neunkirchen und neben Saarbrücken, Zweibrücken und Blieskastel eine der vier Städte an der Barockstraße Saar-Pfalz. Eine Klostergründung im Jahr 871 im Ottweiler Stadtteil Neumünster 871 war der Ursprung der Stadt, die mit den Grafen ihren Höhepunkt erlebte und 1550 vom Kaiser Karl V. die Stadtrechte erhielt.

Den niedlichen Namen Zibbelkapp erhielt der Alte Turm, der das Wahrzeichen von Ottweiler ist und gleichsam für den gesamten historischen Stadtkern von Ottweiler steht. Der Alte Turm ist 47m hoch, 21m entfallen dabei auf die Turmhaube – daher der Beiname Zibbelkapp. Dass die Zipfelmütze mit Wichhäuschen einst ein Wehrturm war, darauf deuten die 3m Mauerstärke, die Schießscharten und der Eingang, der etwa 11m hoch gelegen ist, hin. Gebaut wurde er wahrscheinlich im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts.

Geht man bei einer Führung mit dem Türmer in den Alten Turm, findet sich hinter dem Eingang das sogenannte Angstloch. Durch das kommt man in das Sockelgeschoss. Zeitweilen freiwillig, und zu einer anderen Zeit auch als Gefangener, der an einem Seil hinuntergelassen wurde. Rund 135 Stufen führen in die Spitze des sanierten Turms mit dem gotischen Dachstuhl und da hängen dann 30 Glocken auf einer Ebene.

Die Glocken läuten für die evangelische Kirche in der Kirchstraße. Einst war sie eine 1477 durch das Kloster Neumünster errichtete Kapelle. 1684 übernahmen dann die Protestanten das Haus und nutzten es als ihre Pfarrkirche. Es folgten Erweiterungen. Jene aus der Mitte des 18. Jahrhunderts gehen auf Friedrich Joachim Stengel zurück. Das Hauptportal entstand im Stil des Barock und hat eine doppelläufige Freitreppe, man findet aber durchaus auch noch gotische Elemente am Sakralbau. Im vergangenen Jahrhundert wurden Glasfenster von Georg Meistermann eingesetzt.

Auf den Barock-Baumeister Stengel gehen zwei weitere sehenswerte Bauten in Ottweiler zurück. In der Wilhelm-Heinrich-Straße steht das ein schönes Stadtpalais, das 1757 als Witwensitz für des Fürsten Gattin Sophie Erdmuthe aus rotem Sandstein gebaut wurde. In dem Witwenpalais ist heute der Sitz des Landratsamts.

In der Bliesstraße und gleich benachbart zum dahinlaufenden Fluss ist der von Stengel 1758 geplante Pavillon entstanden. Der heute sogenannte Stengel-Pavillon war ein Ersatz des wegen Baufälligkeit abgetragenen Renaissance-Schlosses und wurde als eine Art Jagd- und Lustschlösschen gebaut. Es zeigt sich mit Brunnen davor, zweigeschossig und mit einem rocaillegezierten Portal unter einem Mansarddach. Einst umgab den Pavillon ein Wassergraben und man schritt über eine Brücke auf die „Lustinsel“.

Im Jahr 2000, anlässlich des Jubiläums von 450 Jahren Stadtrechte übergab der Landkreis Neunkirchen Ottweiler den wunderschön um den Pavillon angelegten Rosengarten Ottweiler. Der Landkreis ist nämlich der einzige, der sich seit 1985 auch Rosenkreis nennt, da er 20.000 Rosenstöcken in sechs Gärten eine Erde bietet. Der Rosengarten am Pavillon ist frei zugänglich.

Das älteste Haus in Ottweiler stammt aus dem Jahr 1444 und steht in der Goethestraße 8. Es geht auf das Kloster Neumünster zurück und war das Nonnenhaus. Das Kloster Neumünster war bis 1576 Benediktinerinnenkloster. Dann wurde es aufgegeben und die Nonnen zogen in das zuvor schon angekaufte Haus in der heutigen Goethestraße.

Auch alt und erwähnenswert ist das Hesse Haus aus dem Jahr 1590. Es steht in der Schlossstraße und man erkennt es an dem Allianzwappen von Nassau-Saarbrücken. Vor dem Hess Haus steht der Quakbrunnen. Der Quakbrunnen im historisierenden Stil stammt aus dem Jahr 1934 und wurde auf einem Heimattag eingeweiht, der eine Propagandaveranstaltung war – für die Rückkehr des Saarlandes.

Vom Platz am Zibbelkapp führt ein Durchgang zum Rathausplatz. Hier stehen auch einige sehenswerte Gebäude mit ihrem Giebel zur Platzmitte, teils mit Fachwerk, teils verputzt. Das Alte Rathaus ist das mit dem Glockentürmchen auf dem hohen Walmdach. Das dreigeschossige Rathaus wurde 1717 erbaut, unten verputzt und oben mit Fachwerk.

In Ottweiler gibt es mehrere Museen. Das bekannteste dürfte das Saarländische Schulmuseum Ottweiler sein. Tausend Jahre Schulgeschichte sind hier unter einem Satteldach aus de, 18. Jahrhundert. Da kann man nicht nur was zur Rechenmaschine erfahren, sondern auch zur Lesemaschine.

Verlässt man Ottweiler nach Westen über die B 420, kommt man in den Stadtteil Steinbach. Zwischen Steinbach und Ottweiler erhebt sich der Betzelhübel (401m) und auf dem steht seit 2013 der Panoramaturm Betzelhübel. Von 24m hohen Panoramaturm Betzelhübel hat man einen guten Rundumblick in weite Teile des Saarlands, zu den Höhenzügen des Hunsrücks und natürlich auf Ottweiler.

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