Oeventrop (Arnsberg)

Nur eine kurze Strecke ruhraufwärts von der Arnsberger Kernstadt liegt der Ortsteil Oeventrop in einer Schleife der Ruhr. Fast zusammengewachsen ist der Ort inzwischen mit den Nachbarn Dinschede und Glösingen, die auch verwaltungstechnisch zu Oeventrop zählen. Steil steigen nach Norden hin die Hänge der Berge zum Kamm hin an, auf dem der Plackweg verläuft, dem das Wandergebiet Plackwald seinen Namen verdankt. Damberg (415m) und Haskers Brücher (405m) sind zwei der Gipfel dort oben. Im Osten trennt der Scheidekopf (322m) Oeventrop von Wildshausen, und im Süden, jenseits der Autobahn A 46 erhebt sich die Hünenburg (320m).

Tatsächlich gibt es in dieser Ecke eine echte alte Wallburg, wenn auch nicht direkt auf dem Gipfel mit dem Namen Hünenburg, sondern auf dessen nordwestlichem Ausläufer, der sich über das Ruhrtal erhebt. Wer diese Hünenburg wann und zu welchem Zweck erbaut hat, muss unklar bleiben. Es gilt aber als sicher, dass es sich nicht um eine frühgeschichtliche Anlage handelt, sondern eher um eine aus dem 9. oder 10. Jahrhundert. Der Grundriss der Wallburg ist rund 75 lang und 32m breit, in der Form eines geteilten Dreiecks. Südlich gab es eine Vorburg, abgetrennt durch eine Quermauer, die gesamte Burg wurde nach Südosten hin durch einen Graben geschützt.

Auf eine bewegte Geschichte schaut das alte Kloster Oeventrop zurück, ein roter Klinkerbau, der um die Jahrhundertwende entstand und 1902 eingeweiht wurde. Die Missionare vom Heiligen Herzen Jesu bauten es, um dort in einem fünfjährigen Philosophie- und Theologiestudium angehende Priester auszubilden. Bis 1969 ging von hier auch die weltweite Mission der Herz-Jesu-Bruderschaft aus. Während des Zweiten Weltkriegs diente es teilweise als Lazarett sowie als Heil- und Pflegestätte für Soldaten. Daher kommt es, dass es in Oeventrop einen recht großen Soldatenfriedhof gibt, denn rund 1.300 der hier behandelten Patienten konnten nicht gerettet werden. Nach der Schließung des Ordensseminars 1969 wurde aus dem ehemaligen Kloster ein Kinderheim, später eine Suchtklinik. Seit diese 2009 nach Hürth verlegt wurde, ist die weitere Nutzung des beeindruckenden Baus unklar.

Ein Hügel, etwa 3-4m hoch, bewachsen mit Gras und Gebüsch, ist alles, was heute noch von Burg Wildshausen zu sehen ist. Sie liegt in einer Schleife der Ruhr, östlich von Oeventrop, gegenüber der Stelle, wo der Schwalbenhohlsiepen in die Ruhr mündet. Wann genau die Burg entstanden war, ist unklar, ebenso wie die Frage, ob sie zur Absicherung von Wegen oder Territorium diente oder nur als Jagdsitz. Sicher ist, dass sie 1368 zusammen mit der gesamten Grafschaft Arnsberg an die Kurkölner Erzbischöfe fiel. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Anlage bereits verfallen.

Interessant ist der Typus von Burg Wildshausen, sie war nämlich in Form einer Motte gebaut worden. Wer dabei an ein nächtliches Insekt denkt, irrt sich: Motte bedeutet im Französischen so viel wie Erdklumpen. Als Basis dient einer solchen Burg ein künstlich aufgeschütteter Erdhügel, das Gebäude obenauf hat meist Turmform. Der Mottenhügel von Burg Wildshausen war ca. 30x35m groß und von einem 10m breiten Wassergraben umgeben. Ein zweiter Graben umschloss das Gelände ringförmig, Außer an der Westseite führt dieser bis heute noch Wasser. Eine Informationstafel erzählt dem Besucher alles Wissenswerte über die Burg.

Zur Versorgung der Burg gab es ein Gut ein wenig abseits. 1501 war es in den Status eines Ritterguts erhoben worden und nennt sich seither Rittergut Wildshausen. Als Lehen war es an wechselnde Adelige und Vasallen der Erzbischöfe gegeben worden, bis es 1888 Joseph Cosack kaufte. Seither befindet es sich im Besitz der Familie Cosack. Die großzügige Anlage beherbergt heute unter anderem eine Sattlerei.

Wer sich die Haken schlagende Ruhr bei Oeventrop aus der Luft ansehen möchte, der kann das Segelfluggelände an den Ruhrwiesen aufsuchen. Segelflieger starten und landen hier ebenso wie Motorflugzeuge, Ballone und Ultraleichtflugzeuge. Allerdings ist der Flugbetrieb nur möglich, wenn nicht gerade ein Hochwasser der Ruhr die Pisten unter Wasser setzt. 1956 wurde die Segelfluganlage eröffnet. Im Laufe der Jahre wurde sie immer wieder ausgebaut und erweitert. Seit 1959 gibt es jährlich ein großes Flugplatzfest.

In Oeventrop befindet sich auch der Bahnhof Arnsberg, der 1869 im Stil der Neorenaissance für die obere Ruhrtalbahn errichtet wurde. Seit 2011 befindet sich hier das Arnsberger Feuerwehrmuseum. Rund 200 Ausstellungsstücke aus der Feuerwehrgeschichte des Sauerlands sind im Feuerwehrmuseum Arnsberg zusammengetragen, das zunächst Räume an der Ruine von Schloss Arnsberg nutzte, dann aber in den alten Bahnhof Arnsberg umzog. Uniformen und Helme, Pumpen und anderes Gerät kann man sich darin ansehen. Die älteste Pumpe tat schon im Jahr 1764 ihren Dienst.

Regionaler Bezug:

Arnsberg Hochsauerlandkreis Nordrhein-Westfalen Plackwald Arnsberger Wald Sauerland