Oberneisen

In der Gemarkung von Oberneisen im Hintertaunus – etwa acht Kilometer südlich von Limburg – münden gleich drei Bäche in die Aar: Der Kaltenbach, von Kaltenholzhausen kommend, der Welsbach aus Richtung Lohrheim und der Herbach vom hessischen Mensfelden her.

Die Burgruine Oberneisen wird 1288 erstmals als Sitz der Ritter von Nesen erwähnt. Von der Burg ist eine vier Stockwerke hohe, 20m lange und 1m dicke Mauer erhalten geblieben. Die Maße der Ruine lassen auf eine mächtige Burganlage schließen. Das Junkerhaus stand noch höher als die Burg selbst. Hier saßen die Wächter und beobachteten die Region. Noch heute hat man von diesem Punkt aus eine weite Sicht in das Aartal sowie über die Höhen des Einrich im Hintertaunus und des Westerwalds jenseits der Lahn.

Die Rundkirche Oberneisen wird liebevoll auch der Dom des Aartals genannt. Sie ist eine der wenigen Rundkirchen nördlich der Alpen und gar die einzige, deren Altar mittig im Raum aufgestellt ist. Der 1817-19 errichtete Bau gilt als Meisterwerk des Klassizismus und ist wahrscheinlich der bedeutendste klassizistische Sakralbau im Taunus.

Der Baukörper der Rundkirche Oberneisen besteht aus einem regelmäßigen Zehneck, der außen an den Ecken durch Pilaster verstärkt wurde. Die Kirche hat durchgehende Bogenfenster und an der Westseite eine offene Vorhalle, hinter der der geschickt in den Bau integrierte romanische Glockenturm aus dem 12. Jahrhundert aufragt. Über dem Mittelteil des Innenraumes ragt eine Holzkuppel. Steinsäulen trennen den Umgang ab und stützen die darüber liegenden Emporen.

Auf dem Weg ins hessische Mensfelden steht die Herbächer Mill, die Mühle am Herbach. Um den Bau dieser Mühle gab es einigen Zwist: Die Gemeinde Oberneisen befürchtete Schäden in ihren Weingärten durch zu nahe weidende Tiere und wollte daher den Platz in der Herbach als Viehweide behalten. Die entsprechende Bittschrift an den Grafen Johann von Nassau gegen den Bau der Mühle wurde allerdings abgewiesen, worauf dem Stefan Mohren 1572 das Bauen einer Mühle am Herbach gestattet wurde. Bereits 1592 gab es diese Mühle nicht mehr, ab 1696 entstand jedoch eine neue. Auf dem Anwesen der inzwischen stillgelegten Mühle begrüßen heute Esel, Hühner, Gänse und Tauben die Wanderer.