Kröv

Kröv liegt mitten im Moselland – das ist nicht nur ein Werbespruch der Wein- und Tourismusgemeinde Kröv, sondern entspricht den Tatsachen, wie ein Blick auf die Karte lehrt. Kröv liegt etwa auf halber Strecke zwischen Bernkastel-Kues und Zell oder etwas weiträumiger definiert: In der Mitte von Trier und Koblenz.

Bekannt ist Kröv bundesweit vor allem durch den Wein der Großlage Kröver Nacktarsch. Vermutlich ist Nacktarsch eine Verballhornung von Nectarius aus dem Lateinischen, was für felsige Höhe steht. Kröver Nacktarsch steht für spritzigen Riesling mit einer leichten Säure und ist weltweit bekannt.

Die Geschichte, die mit ihm verbunden wird, erzählt, dass ein Kröver Winzer zwei Lausbuben beim Weinnaschen erwischt hat und ihnen den blanken Popo versohlt hat – was dann zum Namen Kröver Nacktarsch geführt haben soll. Dies ist aber wohl eher cleverem Marketing als den Tatsachen geschuldet. Rund 250 Winzer erzeugen jährlich gut drei Millionen Liter Kröver Nacktarsch. Der recht neue Veranstaltungsort, die Weinbrunnenhalle, ist auch nach dem Kröver Nacktarsch benannt – was zu einigem Aufruhr und einem bundesweiten Medienecho führte.

Aufgrund der guten Lage und des guten Weins hatten sich die Frankenkönige bereits im frühen Mittelalter ein gutes Gebiet im Kondelwald als Königsgut für den direkten Zugriff gesichert, das sogenannte Kröver Reich, das bis in späte 18. Jahrhundert relativ unabhängig agierte.

Ein Sgraffitto des Kröver Bildhauers August Lebenstedt am Rathaus zeigt die früheren Grenzen des Kröver Reichs. Das Rathaus liegt in der Robert-Schumann-Straße und von dort aus kann man gut einen Rundgang durch Kröv unternehmen, bei dem man gleich zu Beginn am 1786-87 erbauten Karolingerhof vorbeikommt.

Auch der Europabrunnen liegt in der Nähe des Rathauses. Der Europabrunnen wurde wir das Sgraffitto am Rathaus von August Lebenstedt gestaltet und zeigt Europa mit einem Stier. Dies mag auch als Symbol gelten für das internationale Trachtentreffen, das Kröv seit 1953 jeweils am ersten Juliwochenende veranstaltet.

Wendet man sich in Richtung Moselufer, gelangt man zur Moselweinstraße. An der Ecke zur Karolingerstraße, wo der Rathausbach in die Mosel mündet, steht das Schmuckstück Dreigiebelhaus. Es ist eines der schönsten Beispiele moselländischer Fachwerkbaukunst mit bemerkenswerten Schnitzereien. Es war um seine Entstehungszeit 1658 wohl das Rathaus. Hinter dem Dreigiebelhaus liegt ein Fliehturm, der dem Schutz der Bevölkerung diente.

Auf dem weiteren Rundgang, zwischen dem Dreigiebelhaus und der Weinbrunnenhalle, liegt die Burg der Ritter von Kröv in der Reißstraße. Einst war die jetzige Residenz eine Wasserburg mit umliegendem Graben. Der massive Bau hat einen Treppenturm und ein Hoftorbogen, der auf das Jahr 1627 verweist.

Höfisch geht es weiter in der Moselweinstraße mit dem Echternacher Hof (nicht zu verwechseln mit dem Echternacher Hof in Kinheim). Der Kröver Zehnthof der Abtei ist eine dreiflügelige Anlage und wurde in seiner heutigen Form 1764 erbaut. Von der Geistlichkeit zur Kaiserlichkeit führt der Weg zu des Kaisers Hof in der Robert-Schumann-Straße 12. Sehenswert ist auch die Kesselstattkapelle, an deren Stelle sich die alte Remigiuskirche befand. Die Grablege der Ritter von Cröv wurde 1726-29 errichtet.

In der Robert-Schumann-Straße 16 steht der Hof der Grauen Schwestern von Trier. Die Schwestern des Klosters St. Nikolaus waren Eigentümer des prachtvollen Weinhofs mit moseltypischem Fachwerk, in diesem Fall, auf einem massiven Untergeschoss. Die Entstehung geht bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Der Stadtrundgang führt zur katholischen Pfarrkirche St. Remigius, die 1725 neu gebaut wurde, nachdem die alte Kirche zu klein geworden war. Die Abtei Echternach ließ sie im barocken Stil als einschiffigen Saalbau errichten, wobei der Turm der Vorgängerkirche aus dem 16. Jahrhundert erhalten und später erhöht wurde. Gegenüber ist der Pfarrhof. Die unregelmäßige dreiflügelige Anlage geht auch auf die Abtei zurück, die das Anwesen 1504 von Privatleuten kaufte. Mauerreste und Ziegelfunde im Keller lassen auf eine römische Hofstelle schließen. In dem Haus ist heute auch die öffentliche Bücherei untergebracht.

Weitere ältere Höfe und ausgeschmückte Bauten in der Straße sind der Springiersbacher Hof und der Steinfelder Hof, mit dem reich geschnitzten Erker – und jetzt, nach einem Gang durch die Geschichte, lässt es sich historisch korrekt einkehren in die Reichsschenke zum Ritter Götz, erbaut wohl um 1685 mit einem Erscheinungsbild aus dem frühen 18. Jahrhundert. Der frühere Wirt Jungle Dick soll tatkräftig daran mitgewirkt haben, dass die Weinlage Kröver Nacktarsch bekannt wurde.