Kloster Wedinghausen

Der Name Klosterstraße deutet gleich darauf hin, was es hinter dem Arnsberger Neumarkt noch zu finden gibt: das ehemalige Kloster Wedinghausen. Als Sühne für den Mord an seinem Bruder Friedrich hatte Graf Heinrich I. von Arnsberg das Kloster Wedinghausen gestiftet. Man schrieb damals das Jahr 1170, und über 600 Jahre lang sollte das Prämonstratenserkloster Bestand haben. Es war lange Zeit in kultureller und religiöser Hinsicht das Zentrum der Grafschaft Arnsberg. Ebenso wie für das Herzogtum Westfalen, an das die Grafschaft im 14. Jahrhundert fiel. Wenn die Kölner Erzbischöfe in Arnsberg waren, wurde die Klosterkirche vorübergehend zur Kathedralkirche, ein Status der üblicherweise solchen Kirchen zuteil wird, die sich an Bischofssitzen befinden.

Zeitweilig beherbergte das Kloster Wedinghausen große Kostbarkeiten: den Kölner Domschatz. Als 1794 französische Truppen das linke Rheinufer bei Köln besetzten, suchte das Kölner Domkapitel in Wedinghausen Zuflucht und brachte unter anderem den weltberühmten Dreikönigsschrein mit, die größte mittelalterliche Goldschmiedearbeit Europas.

1803 wurde das Kloster säkularisiert, in der Folge riss man einige der alten Gebäude ab. Erhalten sind die Kirche, die Schule und einige weitere Gebäude. 1885 war der Südflügel abgebrochen worden, so dass der Klosterhof nun offen war. An seiner Stelle steht heute das moderne Lichthaus. Durch seine transparente Fassade begrenzt es den Klosterhof und begrenzt ihn doch auch wieder nicht. Eine ausgeklügelte Beleuchtung macht das Lichthaus bei Tag und Nacht zu einer spannenden Lichtskulptur. Seit 2002 dauert die Umgestaltung des Klosters und die Nutzung als Ausstellungsraum an.

Wie bereits erwähnt gehört die katholische Propsteikirche St. Laurentius als ehemalige Klosterkirche zu den wenigen erhaltenen Gebäuden des alten Klosters. Ihr romanischer Westturm stammt noch aus dem 12. Jahrhundert, um 1390 wurde er um ein Geschoss aufgestockt. Der frühgotische Chor datiert auf das Jahr 1253, ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert stammen noch die wunderschönen Glaskunstfenster - es gibt nicht mehr viele erhaltene Glasfenster aus dieser Epoche. Ein Tipp: Besonders schön leuchten die farbigen Fenster an einem klaren Morgen im Frühsommer. Mehrere Anbauten kamen im Laufe der Jahrhunderte hinzu, so dass die Kirche heute eine vielgliedrige Fassade und Dachlandschaft zeigt.

Die Innenarchitektur der Kirche erzählt dem Fachmann vieles über die Vergangenheit. Die unterschiedlich geformten Säulen etwa: die beiden westlichen Säulen sind rund, die vier östlichen achteckig. Diese Unterscheidung zeigt an, welche Teile der Kirche den Mönchen vorbehalten waren und welche der Gemeinde zur Verfügung standen. Ursprünglich waren die Bereiche sogar durch ein Gitter getrennt. Besonders ziehen aber einige Teile der Ausstattung die Blicke auf sich. Der Aufsatz des Hochaltars zum Beispiel, aus Alabaster und schwarzem Marmor in frühbarockem Stil gestaltet, ist eigentlich ein Epitaph für den Landdrosten Kaspar von Fürstenberg.

Sehenswert auch die ehemalige Taufkapelle, die nun das Hochgrab des Grafen Heinrich II. und seiner Frau beherbergt. Der Sarkophag mit gotischen Giebeln entstand um 1330. Unübersehbar auch das gewaltige, aus Sandstein gehauene Epitaph Friedrichs von Fürstenberg, der 1646 verstarb.

Die ungewöhnliche Mondsichelmadonna im Nordaltar stammt vom Anfang des 16. Jahrhunderts, der Benediktaschrein aus dem Jahr 1687, das romanische Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert. Mit dieser Aufzählung könnte man noch eine ganze Weile fortfahren, aber es gibt ja noch mehr zu sehen.

Den Eingang zur Klosteranlage bildet das Hirschberger Tor. Es war ursprünglich für das Jagdschloss Hirschberg gestaltet worden. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dieses Schloss abgebrochen, doch das Tor blieb erhalten. Der Schinkel-Schüler Friedrich August Ritter sorgte dafür, dass es 1827 an seinen heutigen Standort versetzt wurde. So erklären sich die abgebildeten Jagdszenen auf dem Tor, die so gar nicht zu klösterlich friedlichem Leben zu passen scheinen.

Das Hirschberger Tor bildet heute den Einlass zum Gelände des städtischen Gymnasiums Laurentianum, das bereits 1643 als Klosterschule des Klosters Wedinghausen gegründet wurde. Die vom Kloster aufgebaute Bibliothek fiel mit der Säkularisation an die Schule und bildete den Grundstock der Schulbibliothek. Während des 19. und der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts kamen zahlreiche Werke für Unterrichtszwecke hinzu, die inzwischen erheblichen antiquarischen Wert besitzen. Insgesamt umfasst die Sammlung heute 10.000 Bände auf 240 Regalmetern. Damit gehört die historische Schulbibliothek Arnsberg zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in Nordrhein-Westfalen. Seit 2006 ist die historische Bibliothek im alten Bibliotheksgebäude des Kloster für die Öffentlichkeit zugängig.

Ein wenig erhöht und mit schönem Blick auf die Ruhrschleife liegt hinter dem früheren Kloster Wedinghausen ein kleiner, weißer Aussichtstempel. Es ist ein Denkmal, das dem Forstrat Ehmsen gewidmet ist. Ernst Ehmsen war es, der 1890 in Arnsberg den Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) gründete, der heute jedem Wanderer ein Begriff ist. Der Verein ist mit knapp 40.000 Mitgliedern der drittgrößte Wanderverein in Deutschland. Er unterhält ein umfassendes Wegenetz, das sich weit über die Grenzen des Sauerlands bis an die Lippe und den Rhein ausdehnt. Der Weg hinauf zum Ehmsendenkmal, das von Einheimischen auch Flüsterhäuschen genannt wird, lohnt sich auch für den Ausblick über Alt- und Neustadt, den man von dort oben hat.

Hinter dem Ehmsendenkmal schließt sich das Eichholz an, der Stadtpark von Alt-Arnsberg. Dieses heute so idyllische Naherholungsgebiet war 1185-1803 im Besitz des Klosters Wedinghausen und diente als Hude zur Schweinemast. 1816 kamen die Preußen und bauten Erholungswege und Parkanlagen. Am Ende des Eichholz liegt der Kinderteich und erinnert an die einstigen Teichanlagen des Klosters Wedinghausen. Der Name rührt von der Sage her, dass sich ein Kinderwunsch dann erfüllt, wenn man, mit dem Rücken zum Teich stehend, eine Münze über die rechte Schulter hineinwirft. Der Teich ist ein wertvolles Feuchtbiotop, Lebensraum vieler Wasserpflanzen, Insekten, Fische und Lurche.