Kloster Flechtdorf

Schon im Jahr 830 wird Fliathorpe erwähnt, der Ort, der heute als Flechtdorf zur Gemeinde Diemelsee gehört. Flechtdorf liegt im Südosten des Gemeindegebiets im Tal des Aarbachs, einem 9km langen Flüsschen, das über die Itter in die Diemel mündet. Rundum erheben sich teils bewaldete Gipfel um die 500m ü. NN, darunter Eichenlied (532m), Hangelied (516m) und Westerhardt (501m).

Bekannt ist Flechtdorf insbesondere durch seine Kirche, die zum 1598 aufgehobenen Kloster Flechtdorf gehörte. Die Klosterkirche St. Maria wurde vermutlich ab 1130 gebaut. Sie fällt vor allem wegen ihrer zwei wuchtigen Türme auf. Doppeltürme sind im Waldecker Land eher unüblich. Die Kirche entstand in mehreren Abschnitten. Zunächst als romanische Basilika, im 13. Jahrhundert eher im Übergangsstil, erkennbar etwa am südlichen Seitenschiff. Mitte des 17. Jahrhunderts bekam die Klosterkirche St. Maria ein neues Gesicht, als sie nach einem Brand stark verändert wieder aufgebaut wurde. Damals erhielt sie unter anderem die Abschlusswand statt des Chores, das einheitliche Satteldach, und ein ursprünglich vorhandener Ostturm wurde abgerissen.

Zu den interessanteren Details im Inneren der heute evangelischen Klosterkirche in Flechtdorf gehören ein Flachrelief mit der Darstellung eines Drachens an der südlichen Wand des Querschiffs und der Taufstein aus dem 16. Jahrhundert. Das Chorgestühl stammt aus dem ehemaligen Kloster in Volkhardinghausen bei Bad Arolsen, das im 17. Jahrhundert abgebrochen worden war.

Nach Auflösung des Klosters Flechtdorf, nutzten die Grafen von Waldeck die Anlagen zunächst als Landwirtschaftsdomäne. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts kam zog dann ein Hospital in die Klostergebäude ein. Heute befindet im ehemaligen Kloster Flechtdorf ein Alten- und Pflegeheim. Allerdings sind auch noch große Teile der Gebäude ungenutzt. Ein Förderverein ersteigerte 2007 mehrere Gebäude und Grundstücke und setzt sich nun dafür ein, dass die historischen Flächen für kulturelle Veranstaltungen und ähnliches nutzbar gemacht werden.

Es gibt in Flechtdorf aber noch andere sehenswerte Gebäude. Ein Beispiel ist das Haus Schwalenstöcker, ein Fachwerkbau aus dem Jahr 1860, benannt nach dem Bauherrn. Das Gebäude wurde in seiner langen Geschichte auf unterschiedlichste Art genutzt: als landwirtschaftliches Anwesen, als Schule oder als Gasthaus. Heute ist es ein Wohnhaus.