Küstelberg

1983 konnte Küstelberg, ein Ortsteil der Stadt Medebach, im Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden eine Goldmedaille auf Landesebene erringen. Und heute ist das schmucke Fachwerkdorf nicht weniger sehenswert als damals. Küstelberg wird umstanden von zahlreichen Bergen, darunter Schlossberg (790m), Noltenköpfchen (580m), Halle (693m), Hillekopf (805m) und Jürgensköpken (758m).

Nahezu sternförmig fließen von hier aus mehrere Bäche davon. Nach Südwesten ist es die junge Orke, deren Quelle nur ein paar Schritte vom Ortskern am Nordhand des Reetsbergs (791m) entfernt zu finden ist. Sie ist insgesamt 38km lang und mündet bei Ederbringhausen in die Eder. Gewissermaßen ein Orke-Zufluss um zwei Ecken ist der Dittelsbach, der zunächst Richtung Nordosten davonfließt. Der 6km lange Bach mündet bei Referinghausen in die Wilde Aa, und diese wiederum beim hessischen Münden in die Orke. Nach Nordwesten dagegen fließt die Hille, auch sie entspringt nahe Küstelberg. Sie ist 8km lang und mündet bei Niedersfeld in die Ruhr.

Im oberen Orketal stehen rund 268ha Fläche unter Naturschutz. Das Tal selbst sowie die mit überdurchschnittlich hohem Anteil von Laubwald bewachsenen Berghänge, die Gehölzstreifen und viele unterschiedliche Arten von Grünlandtypen bilden einen schützenswerten Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Hier findet man zum Beispiel noch Schwarzspecht und Neuntöter. Ein wenig entfernt vom Ort im Norden liegt das Naturschutzgebiet Itter-Quellen zwischen Hopperkopf (832m) und Krutenberg (785m). Um das Quellgebiet der Itter herum stehen zwar hauptsächlich Fichten, doch es gibt auch ausgedehnte Sumpfzonen rund um die Sickerquellen.

Sagenumwoben ist der Schlossberg, der von Südosten her den Ort überschaut. Mehrere alte Sagen von Goldschätzen und verschwundenen Kindern ranken sich um die Überreste einer alten Burg. Ein mächtiger Innengraben mit Ringwall, am Fuß 12m breit, ist allerdings alles, was heute von der Wallburg am Schlossberg übrig ist. Sie war oval angelegt, rund 60x35m groß. Mitten in der Anlage sind Spuren eines alten Turmes zu finden. Die aber sind deutlich jünger als die Wallburg und gehörten nicht zu einem Wachtturm, sondern nur zu einem Aussichtsturm aus dem 19. Jahrhundert. Über die Geschichte der Burg weiß man heute recht wenig, außer dass die Burgherren vermutlich Schlechtrime oder Schlagrime hießen. Möglicherweise sollte die Burg die am Fuß des Berges vorüberziehende Heidenstraße sichern, eine mittelalterliche Pilger- und Handelsroute.

In dem ausgedehnten Waldgebiet südlich von Küstelberg lässt es sich ganz allgemein hervorragend wandern. Besonders schön aber ist der Abschnitt am Osthang von Reetsberg und Junger Grimme (782m). Dort ist nämlich die 24ha große Naturwaldzelle Brandhagen zu finden. Ein Stück Buchenwald, vereinzelt mit anderen Laubbäumen wie Eichen, Eschen und Ahorn durchsetzt, das ganz sich selbst überlassen wird. Seit 1976 darf sich der Wald hier so entwickeln, wie er das möchte. Die ältesten Bäume sind heute rund 140 Jahre alt.

Die katholische Pfarrkirche St. Laurentius in Küstelberg bietet einen unverwechselbaren Anblick. Grund dafür ist der zeltartige Anbau, der 1973 den Kirchenraum erweiterte. Der ältere, westliche Teil des Backsteinbaus entstand 1885 und ersetzte einen Vorgängerbau. Aus diesem stammen auch noch mehrere Teile der Inneneinrichtung. Altar, Kanzel, Tabernakel und der Taufstein der alten Kirche wurden geschickt in den moderneren Bau integriert.

Direkt gegenüber der Kirche findet man eines der schönsten Fachwerkhäuser im Sauerland. Das Haus Ewers wurde im Jahr 1749 erbaut und ist ein klassischer sächsischer Längsdielenbau. Das zweistöckige Gebäude ist gekrönt durch ein gewaltiges Satteldach, die Balken sind dekorativ verziert.

Eine Küstelberger Anekdote soll nicht unerwähnt bleiben. „Man nehme...“ – dieser klassische Anfang fast jeden Kochrezepts geht zurück auf das erste deutsche Kochbuch, das zum Volksgebrauch verfasst wurde. Bis 1844 waren Kochbücher den Köchen der Adeligen vorbehalten. Erst als 1844 Henriette Davidis ihr Werk herausbrachte, zog auch in die Küchen der einfacheren Leuten Abwechslung ein. Ihr „Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feine Küche - unter besonderer Berücksichtigung der Anfängerinnen und angehenden Hausfrauen“ wurde von Anfang an ein Bestseller.

Was das nun mit Küstelberg zu tun hat? Nun, Henriette Davidis war mit der Küstelberger Wirtstochter Katharina Ewers befreundet, die sie des Öfteren besuchte - in besagtem Haus Ewers übrigens. Und so landete auch das eine oder andere typisch Sauerländische Rezept in der Sammlung, zum Beispiel das Kalbfleisch in Gelee nach Küstelberg oder die Küstelberger Teufelssauce. Na dann, guten Appetit!

Unter dem Label Aktiv im Sauerland vermarktet sich der Hochseilgarten am Fuß des Schlossbergs in Küstelberg, der neben der Kletterei noch eine ganze Reihe weiterer Attraktionen zu bieten hat. Im Hochseilgarten selbst geht es bis zu 10m hoch über die unterschiedlichsten Hindernisse. Beim Team des Hochseilgartens kann man aber auch andere Kletterabenteuer buchen, die vor allem für geschlossene Gruppen attraktiv sind. Dazu gehören das Klettern am Naturfelsen im Steinbruch Steinschab bei Liesen oder ein Houserunning-Event am Turm auf dem Kahlen Asten (842m) bei Winterberg. Daneben gibt es Angebote in Sachen Wandern, Radfahren, Quad-Fahren und vielem mehr.