Hillscheid


Im Süden von Höhr-Grenzhausen liegt das Limesdorf Hillscheid am Fuße der Montabaurer Höhe. Die Geschichte des Ortes ist eng mit dem Bau des römischen Grenzwalls Limes verbunden, der ab 84 n.Chr. unter Kaiser Domitian angelegt worden ist. Die Römer errichteten nicht nur Wall, Graben und Wachttürme, deren Spuren man teils noch gut erkennen kann, sondern auch ein Kleinkastell.

Das Kleinkastell Hillscheid wurde etwa 22m hinter dem eigentlichen Limes-Verlauf an der Kreuzung zweier Wege errichtet. Es handelte sich ursprünglich wahrscheinlich um eine Doppelanlage mit einem größeren Außenkastell und einem kleineren Innenkastell. Die größere Anlage hat immerhin eine Seitenlänge 43m bei einer Mauerstärke von 1,2m. Die ersten Befunde zum Kleinkastell wurden bereits 1833 erhoben, aber schon während der Arbeiten der Reichs-Limeskommission 1894 waren die Restbestände so gut wie komplett „Schatzsuchern“ und privaten Bauherren zum Opfer gefallen.

Es dauerte weitere hundert Jahre, bis die Gemeinde Hillscheid im Frühjahr 2003 die Grundmauern des Kastells und eines benachbarten Wachturms (WP 1/72) konservieren und teilrekonstruieren ließ. Bereits etwas früher – 1994 – wurde dagegen die Nachbildung eines Limes-Wachturms am Rande von Hillscheid errichtet. Mit einer Höhe von 15,80m und einer Grundfläche von 25qm ist der Hillscheider Limes-Turm ein beliebter Aussichtspunkt für Wanderer.

Der Limes-Turm in Hillscheid steht etwa 150m entfernt von dem Ort, wo der historische Wachposten 68 des ersten Limes-Teilabschnitts vom Rhein bis zur Lahn vermutet wird – daher der häufig zu lesende Name WP 1/68. Der Turmnachbau ist eine der wenigen einigermaßen authentischen Rekonstruktionen, der unter der fachlichen Anleitung des Saalburg-Museums bei Bad Homburg vor der Höhe entstanden ist. Von außen ist er mit dem für römische Wachtürme typischen weißen Anstrich mit aufgemalten roten Scheinfugen versehen.

Im Turm hat der örtliche Westerwaldverein 1996 ein kleines römisches Museum eingerichtet. Vom balkonartigen Turm-Umgang hat man guten Fernblick in den Hunsrück, die Eifel, in das Neuwieder Rheinbecken und auf die 4km entfernte Kannenbäckerstadt Höhr-Grenzhausen. Am Turm ist für die Besucher ein Info-Pavillon und ein römischer Garten angelegt worden. Ein Erlebnispfad verbindet den Limes-Turm und die rekonstruierten Mauern des Kleinkastells Hillscheid auf einem etwa 5km langen Rundweg.

Im weiteren Verlauf des Limes in Richtung Rhein schließt sich das Kleinkastell Ferbach an. Es liegt zu einem Teil bereits in der Gemarkung Vallendar-Weitersburg und ist heute nur noch als Bodendenkmal erhalten. Etwas zu sehen gibt es hier nicht wirklich. Wahrscheinlich dienten hier ein oder zwei Reiterzüge (Turmae) zu je dreißig Mann und beschickten die umliegenden Wachtürme mit Personal. Die Mannschaft unterstand dem Kastell Niederberg bei Koblenz, die wiederum unter Befehl der 22. Legion in Mainz stand. Diese Legion nannte sich selbst Legio XXII Primigenia Pia Fidelis: 22. Legion, die Beste, die Fromme, die Getreue.

Auf dem Weg von Hillscheid nach Neuhäusel erreicht man an der Gemarkungsgrenze den Kalterbacher See, einen ca. 0,8ha großen Stausee, der nicht nur Schauplatz eines jährlich stattfindenden Volkslaufs ist, sondern auch ein gern genutztes Naherholungsgebiet. Hier starten einige Rundwanderungen in die Wälder des Kalterbach- und des Plätzerbachtals.

In Hillscheid selbst sollte man einen Abstecher zur Friedhofskapelle einplanen. Sie wurde 1756 als katholische Pfarrkirche St. Josef erbaut. Erst seit der Errichtung der neuen Kirche 1959 dient sie nur noch als Friedhofskapelle. Hier findet sich eine wertvolle Orgel des Orgelbauers Johann Michael Stumm aus dem Jahre 1773. Von den 1.236 Pfeifen dieser Orgel stammen noch 394 aus den Händen von Johann Stumm.


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