Frankfurt-Ostend


Die früher so genannte östliche Außenstadt entwickelte sich im 19. Jahrhundert. Zwei Frankfurter Einrichtungen sind heute unverwüstlich mit dem Stadtteil Ostend verbunden, der Frankfurter Zoo und der Frankfurter Osthafen. Unverrückbar auch der Ostendpark im Norden und als pulsierende Ader mitten durch Frankfurt-Ostend führt die Hanauer Landstraße. Links und rechts von ihr ist der Wandel des einstigen Arbeiterquartiers zur hippen Zeile deutlich abzulesen. Stylische Läden, Fabriklofts, Clubs, gemixt mit Bauten, die jedem Wandel mit mehr oder weniger Charme trotzen.

Die einstige Großmarkthalle nahe des Osthafens gelegen hat Einschnitte und einen hohen Zuwachs erhalten, durch Turm und Nutzung seitens der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Großmarkthalle war von 1928 bis 2004 ein Frischeumschlagplatz für Obst und Gemüse. Architekt Martin Elsaesser entwarf den damals größten Gebäudekomplex in Frankfurt. 220m lang, 50m breit, zwischen 17 und 23m hoch, 13.000qm Fläche, 130 Verkaufsstände.

Seit 2010 rumpeln hier die Baumaschinen und schwenken die Kräne für das neue Hauptquartier der Europäischen Zentralbank, bestehend aus einem Teil der Großmarkthalle, einem 185m hohen Nord- und einem 165m hohen Südturm. Die Bauzeit des im Stil des Dekonstruktivismus (Aufbrechen von Struktur und Form, gefolgt von neuer Konstruktion) geplanten Hochhauses ist bis Ende 2013 geplant. 2014 können dann rund 2.300 Menschen Büros beziehen.

Der Osthafen, 1912 eingeweiht, ist ein Umschlagplatz für Massen- und Stückgut. In vier Becken werden jährlich rund 11 Mio. Tonnen in 40.000 Containern verladen und durch den Hafen führt eine eigene Hafenbahn. In einem nicht erschlossenen Hafenbecken findet sich der Schwedlersee, der von einem Schwimmverein genutzt wird, mit karibischem Barflair am Ufer. Klein, quadratisch, ein wenig versteckt und nett.

Wer auf der Suche nach dem See hungrig geworden ist, muss zwingend (Vegetarierer eher nicht) in die Hanauer Landstraße 132. Hier gibt es die Frankfurter Rindswurst, nach dem Rezept aus dem 19. Jahrhundert, mit 100% Rind. Die Traditionsmetzgerei Gref-Völsings, seit 1913 genau an dieser Stelle, wird heute von den Ururenkelinnen mit Erfolg geleitet.

Einige Häuser weiter, an der Hanauer Landstraße 137-145, ist noch etwas Findenswertes: das Dialogmuseum. Da kann man dann gucken wie es ist, nichts gucken zu können und sich auf die verbliebenen Sinne und einen blinden Museumsführer zu verlassen. Das Museum stellt den Alltag Nichtsehender dar. Ein Abenteuer auf das es sich einzulassen lohnt.

An der Friedberger Anlage 5-6, hat sich ein Klotz von weißem Hochbunker niedergelassen, der damals auf den Fundamenten der Synagoge gebaut worden ist. Der Bunker Initiative 9. November zeigt im Inneren in Bildern und Texten das Leben und die Deportation der Ostend-Juden.

Ein wichtiges Naherholungsgebiet im Frankfurter Ostend ist der Ostpark mit dem 4ha großen Ostparkweiher. Östlich des Röderberges wurde ein Sumpfgebiet zu einer Parklandschaft angelegt, in dem sich die Industriearbeiter erholen und Schüler Sport treiben sollten. 1983 entstand aus dem Zentralschulgarten ein Bürgergarten mit vegetationsreicher Anpflanzung. Es gibt Hartplätze für Fußballer und es darf gegrillt werden, ein Kiosk sorgt für die nötigen Erfrischungen. Ein künstlerisch gestalteter Elfmeterpunkt auf einer Erdachse erfreut sicher nicht nur Hobbyfußballer. Der Ostpark ist Teil des Frankfurter Grüngürtels und nach dem Volkspark Niddatal die zweitgrößte Parklandschaft in Frankfurt.

Auch kulturell ist einiges los im Frankfurter Ostend. Die ehemalige Naxoshalle in der Waldschmidtstraße bietet Die Käs, das steht für Kabarett-Änderungsschneiderei. Das Fritz-Rémond-Theater unterhält sein Publikum im spätklassizistischen Zoo-Gesellschaftshaus. Das Literaturforum trifft sich im Künstlerhaus Mousounturm, einem Klinkerbau einer ehemaliger Seifenfabrik. Bekannt wurde diese Bühne durch William Forsythes Tanzcompagnie. Am Osthafen steht der Kulturbunker.


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