Einhard-Basilika Seligenstadt

Die Geschichte Seligenstadts geht auf Einhard und das Jahr 815 zurück. Einhard war ein Vertrauter und der spätere Biograph von Karl dem Großen. Einhard begann im damals noch so genannten Obermulinheim mit dem Bau der heute ortsbildprägenden Einhard-Basilika als Wallfahrtskirche mit den Reliquien der frühchristlichen Märtyrer Marcellinus und Petrus.

Im Kern stammt die Wallfahrtskirche St. Marcellinus und Petrus aus dem 9. Jahrhundert, wurde im Lauf der Zeit aber mehrfach verändert. Die Westtürme kamen 1050 hinzu. Auch im 13. Jahrhundert wurde Hand angelegt und die Vierung erhielt ihr großzügiges Aussehen. Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts erfolgten maßgebliche Aus- und Umbauten, nicht zuletzt ausgelöst durch Schäden des Dreißigjährigen Kriegs. Damit hielt die barocke Gestaltung Einzug.

Bei Renovierungen im vergangenen Jahrhundert wurde darauf geachtet, dass sich das Innere der Basilika in der Formensprache des 9. und 13. Jahrhunderts vermehrt bemerkbar macht. Man sieht Bausubstanz der Karolingerzeit, romanische Bögen, aber auch Kreuzrippengewölbe und die Orgel zeigt Spanische Trompeten. In einem Marmorsarkophag ruhen Einhard und seine Frau Emma. Als Wallfahrtfolge soll die Stadt Seligenstadt, die heil- und trostbringende Stadt, ihren Namen erhalten haben.

Eine Legende erzählt etwas anderes dazu und das steht auf dem Erker des Einhardhauses am Marktplatz: „Selig sei die Stadt genannt, da ich meine Tochter Emma wiederfand.“ Einhard sei mit Emma, der Tochter von Karl dem Großen, geflüchtet. Die beiden lebten in Obermulinheim und Emma arbeitete in dem Gasthaus. Sie machte herrliche Pfannkuchen. Die kamen dem Vater Karl auf die Zunge, der dort zum Essen war. Er erkannte den unvergessenen Geschmack der Pfannkuchen und soll diesen Ausspruch getan haben.

Die Einhard-Basilika steht auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Seligenstadt. Die ältesten Teile der Klosteranlage datieren im 11. Jahrhundert. Davon konnte sich einiges erhalten, wie der Kreuzgang mit zwei Flügeln, der Kreuzgarten mit einem Ziehbrunnen, der aus der Zeit um 1700 stammt. Ein besonderer Augenschmaus ist das Sommerrefektorium mit den wunderbaren Malereien, die die Gewölbe zieren. Es stammt aus der Zeit um 1730 und hat integriert Bauteile aus dem 11. Jahrhundert.

Der Krankenbau ist aus dem 16. Jahrhundert mit Fundamenten aus dem 11. Der Konventbau ist aus dem Jahr 1685 und bekam 1730 Stuckdecken. Es gibt eine Alte Abtei aus dem Jahr 1686 und eine Neue Abtei, die 13 Jahre später hinzukam. Bis 1803 wirkten die Benediktinermönche hier.

Erhalten haben sich zudem eine zweigeschossige Klosterküche, die einstige Klostermühle aus dem Jahr 1547 und die Klostermauern. Alles zusammen ist ein wundervolles Beispiel barocker Klosterarchitektur und man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt. In Seligenstadt wird das Kleinod gepflegt. Man rekonstruierte das Mahlwerk der Mühle. Ein Taubenschlag, Bienenstock und ein Schafspferch geben Beispiele des Wirtschaftens der Mönche. Auch Weinkeller fehlten nicht bei der damaligen Lebensart.

Das bauliche Ensemble ist als Museum ehemalige Benediktinerabtei Seligenstadt sehr besuchenswert. Wer durch die Klostermauern wandert, erlebt durch die Raumwirkung und mittels einer Führung den Alltag der Mönche und kann sich hier recht geschützt vorkommen. Der Stadtlärm bleibt draußen und die Ruhe kann Einkehr halten. Das erwähnte Sommerrefektorium ist ein Ort, an dem die Esskultur nähergebracht wird und man etwas zu den Malereien erfährt, in einer ansonsten medienarmen Zeit, wo dazu nicht jeder des Lesens und Schreibens mächtig war. Benediktinische Regeln werden vermittelt und Kräutergarten sowie Apotheke schließen den Kreis des Selbstversorgungsengagements der Mönche.

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