Burg Wildenburg (Eifel)

Südöstlich von Hellenthal liegt der Ortsteil Wildenburg: ein kleines Burgdorf mit der gleichnamigen Burg Wildenburg auf einem steil abfallenden, schmalen Höhenrücken. Die Wildenburg wurde 1202-35 erbaut und man freut sich, dass sie weder durch Kriege noch Brand oder Schleifung Schaden gelitten hat.

Ihre Lage auf dem Bergsporn und ihre schlechte Erreichbarkeit – auch heute führt nur eine Straße ins Dorf – schützte Burg Wildenburg einerseits, verhinderte aber andererseits, dass sich eine größere Siedlung ausbreitete. Die Geschichte der Wildenburg ist mit dem Geschlecht der Reifferscheider verknüpft. Verschiedene Familienzweige des Namens hatten im Mittelalter hier das Sagen. Die Brüder Gerhard und Philipp teilten im ausgehenden 12. Jahrhundert ihren Herrschaftsbezirk, wobei Gerhard Reifferscheid behielt und Philipp die Wildenburg bekam.

1335 wurde die Wildenburg an die Jülicher verkauft, weil die expandierten, und an die Herren von Pallandt (auch Palandt geschrieben) geliehen. Die machten aus der Wildenburg eine der wenigen Wehranlagen, die gar Artilleriebeschuss standhalten konnte. Sie rüsteten die Burg mit Bastionen und einem Batterieturm auf.

1715 kaufte die Abtei Steinfeld die Wildenburg und baute aus dem damaligen Palas eine Kirche. An die Hexenverfolgungszeit erinnert der Bastionsturm, der auch Hexenturm genannt wird, da hinter den 4,4m dicken Mauern die Frauen auf ihr grausiges Ende gewartet hatten. Durch das sogenannte Angstloch gelangt man in ein 5m tiefes Verlies.

Malerisch unschuldig steht heutzutage die Höhenburg aus Bruchstein zwischen Manderscheider Bach und Leiderbach. Gen Osten ist eine Vorburg zu finden mit einem Haus an der Pforte aus dem 16. Jahrhundert oder früher. Es war davor ein Burgmannenhaus. An das Gebäude schließt sich die einstige Pallandtsche Scheune an, die Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem Wohnhaus ausgebaut wurde.

Das ehemalige Haus Pallandt gegenüber ist ein langgestrecktes Gebäude mit einem Viertelturm. Hier war einst eine Wehrmauer und das Weinhaus sowie die Kirche von 1562. Der Umbau geht auf die 18. Jahrhundertwende zurück.

Den ehemaligen Palas erkennt man daran, dass im Süden ein Treppenturm und im Norden ein Wohnturm abschließt. Im Obergeschoss sind Reste der 1263 hier befindlichen Burgkapelle. Man beachte die Bauspuren der Wandlung vom Palas zur Kirche, zu sehen am Glockenturm mit Schießscharten und der Sakristei im einstigen Wohnturm (18m), der nach dem Schutzpatron benannt wurde: Johannesturm. Pfarrhaus und Pfarrgarten finden sich gegenüber dem Glockenturm.

Dort wo einst der Bergfried stand, wurde durch die Mönche ein prächtiger Bau in Stile des Landbarock errichtet, die abteiliche Kellnerei. Sie war nach der Säkularisation Pfarrhaus, Volksschule und Bildungshaus des Bistums Aachen. Heute findet sich hier eine Begegnungs-, Bildungs- und Erholungsstätte. Vor dem Gebäude steht ein Brunnen.

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