Burg Rheinfels

Noch immer imposant und auch ein wenig bedrohlich scheint die Burg Rheinfels aus eben selbigen hinausgewachsen zu sein. Weithin sichtbar ragt das ruinöse Gemäuer über Sankt Goar hinaus. Graf Diether V. von Katzenelnbogen ließ 1245 Burg Rheinfels zum Zweck des Zollschutzes errichten.

Nachdem Burg Rheinfels zu einer ordentlichen Festung angewachsen war, war sie die größte Wehranlage im Mittelrheintal zwischen Koblenz und Bingen. Wer rheinaufwärts unterwegs war und was zu verzollen hatte, wurde zur Kasse gebeten. So eine Zollburg macht sich nicht zwangsläufig bei allen beliebt, was für Auseinandersetzungen mit Mainz sorgte. Doch die Burg Rheinfels war nicht zu bezwingen und brachte ihr schon früh den Ruf von Uneinnehmbarkeit ein.

Die Grafen von Katzenelnbogen agierten durch Politik und Heiraten sowie Finanzgeschäfte clever und das Adelsgeschlecht erlangte immer mehr Bedeutung am Mittelrhein. Ein geschickter Zug war auch im 14. Jahrhundert die Burg Katz (Burg Neukatzenelnbogen) gegenüber aufzustellen. Jetzt hatte man eine feine Rheinsperre. 1479 starb die Linie aus und Burg Rheinfels kam an die Landgrafen von Hessen. Die bauten Rheinfels zu einem Renaissanceschloss aus. 1794 übergab man die Festung kampflos der französischen Revolutionsarmee, die der stolzen Burg mit Sprengstoff zu Leibe rückte. Es folgte eine Versteigerung und das Ausschlachten zu Gunsten des Aufbaus der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz.

Selbst die Nutzung als Steinbruch konnte dem Eindruck von Größe und Wehrhaftigkeit wenig anhaben, denn als Besucher staunt man nach wie vor über die Ausmaße, die vielen Gänge und Wege. Durch den Torturm (um 1300) kann man eine Besichtigung des Inneren angehen. Man sieht die dreigeschossige Front des Palas, auch genannt Darmstädter Bau. Der war mal in Fachwerk ausgeführt. Vom Bergfried, der mit einem Butterfassturmaufsatz abschloss und 54m hoch war, ist nichts mehr übrig.

Staunend steht man irgendwann im größten freitragenden Gewölbekeller Europas mit 24m Länge und je 16m Breite und Höhe. 4m dicke Mauern und auch ganz schön in Sachen Vorratshaltung: ein gemauertes Weinfass, das 200.000 Liter aufnehmen konnte. Der Gewölbekeller dient heute als Veranstaltungsort für Konzerte und Kultur.

Durch ein weiteres Tor gelangt man zur Kernburg, worin sich heute das Burgmuseum (auch Heimatmuseum mit Rheinfelsapotheke und Buchbinderei beispielsweise) befindet. Das sollte nicht versäumt werden, denn dann lässt sich anhand der Rekonstruktionszeichnungen viel besser das Ausmaß der Burg nachempfinden.

Bei einem Rundgang der äußeren Burganlage zeigen sich die meist im 17. Jahrhundert angefügten Festungsbauten. Wehrgänge und Minengänge (Taschenlampe!) machen die Burgbesichtigung ebenfalls spannend. Auch die Infotafeln des Rheinfelspfades sind interessant. Sie beschreiben die geschichtlichen Hintergründe, das Leben auf der Burg und das Kämpfen.

Weitere Burgbewohner auf Zeit haben sich im Romantik Hotel Schloss Rheinfels eingebucht. Das 4-Sterne-Hotel bietet hier seit 1973 Gastlichkeit. Am ersten Wochenende im Juni findet auf Burg Rheinfels ein Burgmarkt und Ritterturnier statt.