Burg Maus

„Wie Katz und Maus“, so könnte man das Verhältnis der beiden einflussreichsten mittelalterlichen Grundbesitzer am Mittelrhein beschreiben, nämlich das der Erzbischöfe von Trier zu den Grafen von Katzenelnbogen. Im Machtkampf um die Vorherrschaft in der Region setzten sich die beiden Territorialherren gegenseitig Burg um Burg vor die Nase. So ließ Graf Wilhelm II. von Katzenelnbogen in Sankt Goarshausen die Burg Neu-Katzenelnbogen errichten, als Reaktion auf den Bau der kurfürstlichen Deuernburg in Wellmich. Prompt taufte der Volksmund beide Burgen um: Aus Neu-Katzenelnbogen wurde Burg Katz, aus der Deuernburg die Burg Maus.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie geschickt die damaligen Territorialfürsten ihre Machtpolitik betrieben: Am 20. Januar 1324 nahm König Ludwig der Bayer auf Bitten von Graf Wilhelm von Katzenelnbogen das Dorf Sankt Goarshausen in seinen Schutz und verlieh ihm Stadtrechte. Dadurch wurde der Ort gegenüber dem flussaufwärts liegenden kurtrierischen Wellmich aufgewertet. Anno 1358 erhielt Wilhelm II. von Katzenelnbogen durch Kaiser Karl IV. die Genehmigung, einen Rheinzoll einzurichten und baute sich zu dessen Sicherung die Burg Neu-Katzenelnbogen. Der Trierer Deuernburg in Wellmich blieb dadurch nur noch die Rolle einer „Maus“. Erst 1378 erreichte die Intervention des Erzbischofes ihr Ziel: Die Zollstelle Sankt Goarshausen wurde wieder aufgehoben.

Der Wettlauf des 14. Jahrhunderts beim Burgenbau am Mittelrhein begann mit der zunehmenden Bedeutung des Rheins als Verkehrs- und Handelsweg. Innerhalb kurzer Zeit entstand ein Dutzend Burganlagen zwischen Lahnstein und Kaub, um Besitzansprüche zu festigen und Zollrechte zu sichern.

Während Sankt Goarshausen und Burg Katz im Mittelalter zur Grafschaft Katzenelnbogen gehörten, so war der heutige Stadtteil Wellmich mit Burg Maus im Besitz der Erzbischöfe von Trier. Burg Maus wurde 1353-57 errichet und war zeitweise auch kurtrierische Residenz. Ursprünglich war geplant, eine zweite Burg auf der anderen Rheinseite zu errichten, als Gegenstück zum Katzenelnbogenschen Zollriegel flussaufwärts, aber es blieb dann doch bei der einen Burg.

Burg Maus wurde nie zerstört; erst während des 18. Jahrhunderts zerfiel sie allmählich. Obwohl sie 1806 als Steinbruch in private Hände veräußert wurde, wurde sie nicht abgetragen und später (1900-06) unter weitgehender Erhaltung des äußeren Erscheinungsbildes wieder bewohnbar gemacht.

Die denkmalgeschützte Burganlage besteht aus einer quadratischen Kernburg, die einen Innenhof und zwei Wohntürme umschließt. Auf Rheinseite schützte eine 10m hohe Schildmauer mit einem in den Fels geschlagenen Halsgraben und einem runden Bergfried die Burg vor Angriffen. Burg Maus ist nur zu Fuß zu erreichen; Parkmöglichkeiten gibt es am Rheinufer oder an der Tennisanlage von Wellmich.

Regionaler Bezug:

Loreley Rhein-Lahn-Kreis Rheinland-Pfalz Loreley-Burgen-Land Hintertaunus Taunus
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