Burg Frankenstein (Mühltal)

Im Beritt der Gemeinde Mühltal liegt Nieder-Beerbach. Zwischen Nieder-Beerbach und dem Nachbarort Malchen der Gemeinde Seeheim-Jugenheim steht die Burg Frankenstein. Sie wurde berühmt durch den Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ von der englischen Schriftstellerin Mary Shelley (1797-1851).

Der Frankenstein-Roman handelt vom fiktiven Schweizer Viktor Frankenstein, der an einer Universität einen künstlichen Menschen erschafft. 1818 wurde die bekannte Geschichte zunächst anonym veröffentlicht. Eine Verbindung der Autorin zur Burg Frankenstein ist nicht zu belegen, sondern wohl nur Gerücht.

Das Gerücht wird genährt vom damals dort wohnenden Alchimisten Johann Conrad Dippel, der 1673 auf der Burg Frankenstein geboren wurde (1734 auf Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe gestorben). Der Mann war auch Theologe, Arzt und galt als radikaler Pietist. Aus seinem ätherischen Öl, „Dippels Tieröl“, das er als Universalmedizin anpries, entstand aus verunreinigter Pottasche als Zufallsprodukt das Berliner Blau. Eine weitere Sage dreht sich um einen Ritter, der im Steinbruch bei der Burg einen Lindwurm, der gerne junge Mädels gefressen hat, besiegt haben soll. Der Held war Ritter Georg von Frankenstein, der 1531 gestorben ist. Sein Grabstein gedenkt dem sagenhaften Kampf, bei dem der hinterlistige Wurm dem Tapferen ein Gift injizierte – am Ende: alle beide am Ende.

Ein solcher Ort, wie der auf 370m am Rand des Odenwalds mit Blick über die Rheinebene ist ein idealer Ausgangspunkt für Mythen, Sagen und Fantastereien. Burg Frankenstein wurde vermutlich 1240 gebaut. Hier residierten die Herren von und zu Frankenstein. Um 1400 fand ein erster und im 16. Jahrhundert ein weiterer Ausbau der Burg statt, die an Einfluss gewonnen hatte. Der Landgraf Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt erwarb im 17. Jahrhundert die Burg und Herrschaft, war aber mehr an den Ländereien interessiert, weshalb die Burg verfiel. Sie wurde als Invalidenhaus und Zufluchtsort während kriegerischer Auseinandersetzungen genutzt. Eine Goldgräberstimmung setzte im 18. Jahrhundert ein, als von Schätzen und Verbindungsgängen die Rede war.

Eine wilde Schatzsuche begann, wobei ohne Rücksicht auf die Substanz gebuddelt und geschachert wurde. Die Goldgräber selbst nahmen wohl auch kaum Rücksicht auf sich, denn es gab Tote. Später dann ließ ein Großherzog im Zuge der Burgenromantik einiges wieder aufbauen, aber auch nicht eben denkmalgerecht. Doch nach wie vor hat der Ort einen besonderen Zauber. Die ältesten Teile sind in der Kernburg zu finden. Mauern mit Zinnen und Wehrgängen schützen sie. Im Bereich der Vorburg ist die 1474 errichtete Kapelle erhalten. Man sieht Zwinger und den Torturm. Auf der Spornburg ist auch ein Restaurant mit einer Aussichtsterrasse.

In den 1970er Jahren brachten die in Darmstadt stationierten US-Amerikaner den Brauch des Halloween-Festes auf die Burg und das ist immer noch ein Spektakel dort. Seit 1902 findet im August/September ein Frankenstein-Bergturnfest statt. Es gibt in der Umgebung in der Natur auch noch einen Ort, der Altes Schloss heißt und einen der Alte Burg genannt wird. Von beiden aus dem vermuteten 10. und/oder 11. Jahrhundert ist im Grunde nichts mehr oberhalb der Grasnarbe zu sehen.

Die Frankenberger Mühle entstand 1707 an der Mordach. Die Mühle liegt nördlich des Ortes Nieder-Beerbach. Die Frankenbergsmühle ist heute ein Wohnstandort und auch Dienstleister haben sich angesiedelt. Eine weitere Mordach-Mühle ist die Engelsmühle, auch Wohnhaus, ebenso die Neue Bohlenmühle (1688), die Glashüttenmühle (1698) ist heute eine Therapieeinrichtung für Suchterkrankte, die Waldmühle (1686) widmete sich in den letzten Jahren auch der Gesundheit, die Zehenmühle (1703) ist eine Wohn- und Reitanlage. Einst klapperten 67 Wassermühlen im Bereich der Modau und im Mühltal. Zahlreiche von den Mühlen im Modautal liegen an Wanderwegen.

Vom Burgstall „Alte Burg“ blickt man übrigens über das Örtchen Nieder-Beerbach. Oberhalb der Alten Burg ist eine Quelle eingefasst. Dort haben sie einen Kerl festgebunden und es gibt Literatur von Goethe. Durch Nieder-Beerbach fließt der Beerbach und an dem liegen, dem Namen Mühltal Ehre machend, einige Mühlen. Nieder-Beerbach (rund 2.000 Einwohner) ist ein Ortsteil der Gemeinde Mühltal. Südlich von Nieder-Beerbach erhebt sich der 430m hohe Langenberg. Am Osthang des alten Burgbergs auf einem Friedhof steht die evangelische Kirche, deren Schiff 1862 erneuert wurde. Sie war Grabkirche der Herren von Frankenstein und beherbergt drei Sandsteingrabmäler aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Vgwort