Binger Mäuseturm

Diese Sage ist bekannt: Während einer Hungersnot ließ der Mainzer Erzbischof Hatto (956-968) die bettelnde Bevölkerung in eine Scheune einsperren und diese anzünden. Die Schreie der Sterbenden kommentierte er mit den Worten, hört ihr, wie die Kornmäuslein pfeifen? Mit diesen Worten kamen auf einmal Tausende von Mäuse aus allen Löchern herbei und fingen an, am Erzbischof zu knabbern. Der floh auf seine Burg mitten im Rhein – doch die Mäuse folgten und fraßen ihn auf.

Die Burg, die Schauplatz dieser Sage sein soll, ist der Mäuseturm bei Bingen. Der verdankt seinen Namen allerdings gar nicht der Sage, sondern wahrscheinlich dem mittehochdeutschen Wort musen, was soviel wie lauern heißt. Der Mäuseturm wurde nämlich im 14. Jahrhundert als Zollwachturm für Burg Ehrenfels (rechtsrheinisch im Rheingau) und Burg Klopp (linksrheinisch in Bingen) erbaut und diente zugleich als Signalturm, um eine Kollision von Schiffen am Binger Loch zu verhindern.

Das Binger Loch war die schwierigste Engstelle für die Schifffahrt im Oberen Mittelrheintal. Lastschiffe konnten die Stelle gar nicht passieren und wurden entladen, die Waren dann auf dem Landweg durch den Niederwald weiter transportiert. Erst 1830-41 gelang es den Preußen, das hinderliche Riff nach und nach weg zu sprengen und die Rheindurchfahrt auf 14m zu verbreitern. Es entstand das Binger Loch, das später mehrfach erweitert und auch wieder rückgebaut wurde. Heute ist davon nicht mehr allzuviel zu sehen und der Rhein fließt auf majestätischer Breite durchs Binger Loch.

Der Mäuseturm wurde sowohl im Dreißigjährigen Krieg als auch im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört. Der heutige Bau stammt aus dem 19. Jahrhundert und besteht aus einem Erdgeschoss und drei Stockwerken, worüber sich eine Plattform befindet, die durch Zinnen gekrönt wird. Mit einer umfassenden Sanierung 2012-15 verlor der Binger Mäuseturm seine farbliche Gestaltung und sieht jetzt wieder so aus, wie zu Zeiten der Rheinromantik, als er erbaut wurde.

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