Bacharach

Zu Bacharach am Rheine, wohnt eine Zauberin. Mit diesen Zeilen führte Clemens Brentano 1801 die sagenhafte Loreley ins kollektive Gedächtnis deutscher Kultur ein. Und was u.a. daraufhin startete, war eine sagenhafte Zeit des Rheintourismus. Mitte des 19. Jahrhunderts – Urlaub war eigentlich noch gar nicht recht erfunden – kamen bereits 1 Million Besucher zu einer Schifffahrt an den Rhein.

Heute ist Bacharach zusammen mit Rüdesheim das Zentrum der Rheinromantik, und das mit guten Gründen. Bacharach, das ist eine historische Fachwerkaltstadt umgeben von einer nahezu vollständig erhaltenen Stadtmauer (14. Jahrhundert) mit vielen Türmen und Toren (besonders hübsch: Markttor mit Wichhäuschen und schmuckem Fachwerk), malerische Winkel, Wehrgänge, Burg und Kirche und überall Wein, Wein, Wein.

Der Inbegriff der Rheinromantik in Bacharach ist aber weder Kirche, noch Burg oder Stadtmauer, sondern die Ruine der gotischen Wernerkapelle. Die Wernerkapelle gilt unter Kennern als einer der klarsten Bauten der rheinischen Gotik. Die Wernerkapelle wurde im ausgehenden 12. Jahrhundert auf einem kleeblattähnlichen Grundriss errichtet. Die Spitzbogenfenster mit Maßwerk haben eine Höhe von bis zu 12,20m. In der Ruine der Wernerkapelle steht eine Gedenktafel zu Ehren aller Opfer des jüdischen Volkes.

Quasi zu Füßen der Wernerkapelle steht die evangelische St. Peter Kirche. Die im 13. Jahrhundert erbaute St. Peter Kirche repräsentiert die rheinische Spätromanik. Dominiert wird das Kirchenbauwerk von dem in das Langhaus einspringenden Westturm, dessen spätgotisches Obergeschoss aus dem Jahre 1478 stammt. Die heutige Innenausmalung erhielt die Pfarrkirche St. Peter bei Renovierungen im 20. Jahrhundert.

An schmucken Häusern ist Bacharach reich gesegnet. Einige Beispiele: das Hotel Altkölnischer Hof aus dem Jahr 1905, das Alte Haus mit Giebeln und Türmchen (Kern aus dem 14. Jahrhundert, Renaissancefachwerk aus der Zeit um 1569), der Posthof aus dem 15. Jahrhundert mit schmucker Remise und dem Winand-Turm, das Gasthaus Kurpfälzische Münze (1596) und das kleine Haus Utsch, wo der Jäger aus Kurpfalz wohnte, wenn er nicht gerade im Soonwald unterwegs war.

Direkt am Rhein entlang erstrecken sich die Rheinanlagen, die ab 1902 teilweise als englischer Landschaftsgarten angelegt wurden. In den Rheinanlagen finden im Jahresablauf verschiedene Festlichkeiten statt, u.a. die kulinarische Sommernacht am vierten Wochenende im August und der Vierthälermarkt, ein Mittelalterspektakel, das immer am zweiten Wochenende im Mai in ungeraden Jahren abgehalten wird. Ebenfalls in den Rheinanlagen befinden sich die Ableger für die Fähren nach Lorch und Kaub auf der anderen Rheinseite im Rheingau.

Am unteren, südlichen Ende der Rheinanlagen steht die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus. Sie entstand 1688 teilweise auf einer mittelalterlichen Stützmauer. Direkt benachbart befindet sich die Zollbastion aus dem 15. Jahrhundert.

Oberhalb des Altstadtkerns verläuft die Stadtmauer, die vom Hutturm hinauf zur Burg Stahleck führt und weiter über den Liebesturm zum Postenturm verläuft. Der Postenturm ist heute als Aussichtsturm zugängig und bietet einen schönen Blick auf Bacharach.

Neben dem Postenturm sollte man als Wanderer natürlich auch den Heinrich-Heine-Blick ansteuern. Der Heinrich-Heine-Blick gilt als schönster Aussichtspunkt in Bacharach (und darf seit 2011 diesen schönen Namen tragen. Davor hieß der Punkt bis 1945 noch Hitlerhöhe und war dann erstmal ein paar Jahrzehnte namenlos!). Neben dem Heinrich-Heine-Blick gibt es in Bacharach noch zwei weitere literatisch Reminiszenzen nämlich das Victor-Hugo-Fenster und die Skulptur Lore Lay am Rheinufer.