Worms-Pfeddersheim

Pfeddersheim gehört neben Abenheim, wo ein Stück Jakobswerg verläuft, zum westlichen Außenbezirk 6 der Stadt Worms. Durch Pfeddersheim fließt die Pfrimm, ein 43km langer Rheinzufluss. Östlich trennt die A 61 den Stadtteil von Worms.

In Pfeddersheim lohnt sich ein Rundgang, denn der Ort hat noch Stadtmauerreste und 14 Türme, davon 9 Volltürme und 5 Halbtürme. Insgesamt zeigen sich davon 8 in einem sanierten Zustand und im Bürgerturm kann man sogar als Gast übernachten. Neben der mittelalterlichen Befestigung sind weitere interessante Ziele die Simultankirche, die Synagoge und die ebenfalls geschichtsträchtige Bluthohl, ein Hohlweg in Richtung Mörstadt.

Startet man den Turmrundgang südwestlich des Ortskerns in der Ringstraße 28 steht man gleich beim Bürgerturm aus dem Jahr 1611. Er ist der einzige Turm in der südlichen Stadtmauer. Das Haus zu seinen Füßen wird für Veranstaltungen angeboten. Weitere Halbtürme sind in der Ringstraße 44, 74 und gegenüber der 85, sie stammen aus der Zeit um 1500.

Die Ringstraße im Uhrzeigersinn gegangen, geht in die Straße Cästrich über und dort finden sich sechs weitere Türme. Der Sprenger oder auch Lenhardsturm fällt durch sein Fachwerkobergeschoss auf. Der Turm aus der Zeit um 1500 dient heute Wohnzwecken. Die Namen Sprenger und Lenhard beziehen sich auf die Leute, die mal drin gewohnt haben. Im weiteren Straßenverlauf bei den Nummern 14 und 22 sind Halbtürme der gleichen Zeit zu sehen und die Nummer 26 ist der Hohe Turm, ein viergeschossiger Rechteckturm, der bewohnt ist. Die Nummern 30 und 38 sind wieder Halbtürme.

Am Ende der Straße Cästrich biegt man auf der Turmspur in die Sankt-Georgen-Straße ein. Man könnte jetzt erstmal einen Abstecher in die Johann-Klepper-Straße machen und zur Simultankirche gehen. Der Saalbau aus dem frühen 18. Jahrhundert steht auf mittelalterlichen Grundmauern und der wehrhafte Turm stammt aus der Zeit um 1600. Man trifft auf einige Architekturstile, sieht gotische und klassizistische Elemente. Aus der Zeit zwischen 1708 und 1721 ist der evangelische Teil, der katholische mit dem Fünfachtelschluss wurde 1789 fertig. Benachbart in der Karlstraße steht das katholische Pfarrhaus, welches eines der hübschesten Rokokogebäude im Raum Worms ist.

Imposant ist der Johannisturm in der St.-Georgen-Straße im nördlichen Teil der Stadtbefestigung. Ihm kam eine wichtige Rolle während dem Bauernkrieg zu. Die rundbogige Tür, führte auf den Wehrgang. Überquert man die Leiselheimer Straße und biegt in die Aulstraße ein, kommt man zum Türturm und ein Stück weiter gelangt man zum Aulturm an der nordöstlichen Ecke der Stadtbefestigung.

Der Aulturm dient Wohnzwecken. Zwischen Aulstraße und Burgstraße ist die ehemalige Synagoge in der Kleinen Amthofstraße. Sie stammt aus dem Jahr 1843, ist hübsch restauriert und bietet heute Weinproben an.

In der Kleinen Burgstraße ist der Pulverturm aus der Zeit um 1500. Über dem Spitzbogenportal ist die Jahreszahl 1554 festgehalten. In südlicher Richtung, in der Johann-Braun-Straße, steht der Rote Turm, der die Ostseite der Stadt schützte und den Mühlbachausfluss. In der Straße Allee bei der Nummer 33 ist der südöstliche Eckturm zu sehen, der sich in einem ruinösen Zustand befindet. Ebenfalls in der Straße steht noch ein Halbturm.

Südlich von Pfeddersheim, außerhalb der Stadtmauer und entfernt der Ortsbebauung, ist das Heppenheimer Kreuz aus dem Mittelalter eine Landmarke. Das Rotsandsteinkreuz stammt aus dem Jahr 1557. Das Kreuz misst mit dem Sockel zusammen 3m und von dem Ort aus hat man einen erhabenen Blick über Pfeddersheim und die Landschaft.

Nordwestlich in Pfeddersheim ist die Bergschule in der Straße Zur Stahlgasse zu finden. Der historisierende Sandstein- und Ziegelbau aus dem Jahr 1893 beherbergt das Schulmuseum. Es war das erste seiner Art in Rheinhessen. In der Volksschule saßen einst die Pennäler und heute kann man sich die Utensilien ansehen und vielleicht fühlt man den Geist der Autorität, dem die 60 bis 70 Heranwachsenden in den Bänken ausgesetzt waren.

Ein Stück Geschichte atmet auch die Bluthohl, die man vom Museum aus über die Georg-Scheu-Straße in Richtung Mörstadt erreicht. Der Hohlweg heißt so, weil hier eine unheimlich grausame Schlacht im Bauernkrieg tobte. Die Bauern damals hatten sich aufgemacht, dem Klerus und dem Adel mit Sensen und Steinen zu Leibe zu rücken. Die Pfeddersheimer solidarisierten sich mit den Bauern. Im Juni 1525 wurden die Aufständischen in der Bluthohl von einem kämpferisch und waffentechnisch überlegenen Heer besiegt. Es heißt über 4.800 Männer sollen getötet worden sein, so schlimm, dass ihr Blut den Hohlweg hinunterfloss. Eine Stele auf dem Kirchenvorplatz der Simultankirche erinnert an das grausame Morden und die Hinrichtung von 24 Anführern an dieser Stelle.

Auf der anderen Seite der A 61 liegt auf dem Weg ins Zentrum nach Worms der westliche Vorort Leiselheim ziemlich Mittig im Gebiet der Stadt. Rund 780 Menschen leben hier. Zwei Kirchen finden sich in dem Örtchen: Am östlichen Ortseingang steht die evangelische Kirche als ein schlichter barocker Saalbau mit einem Dachreiter. Sie ist von 1716. Ein Straßeneck weiter ist die katholische Kirche St. Laurentius im Heimatschutzstil mit einem Turmaufbau und dem Baujahr 1933. Südlich des Ortskerns verläuft die Pfrimm.