Walldorf (Mörfelden-Walldorf)

Mörfelden-Walldorf ist eine Doppelstadt mit 32.000 Einwohnern im Kreis Groß-Gerau und nach Rüsselheim die zweitgrößte im Kreisgebiet. Walldorf liegt nördlich von Mörfelden und zwischen beiden östlich ist der Oberwaldberg auf 145m mit dem benachbarten Oberwaldsee.

Am Oberwaldberg wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1957 Kies abgebaut. Danach wurde die Grube mit Müll verfüllt. Erst der aus der Kommune und dann der aus dem gesamten Kreis. So wuchs der Berg auf 145m. 1996 wurde der Müllberg stillgelegt und mit Tonschichten bedeckt. Die etwa 20ha wurden rekultiviert. 55.000 Bäume und Sträucher wurden gepflanzt. Die einstige Deponie ist teilweise öffentlich zugänglich und man genießt einen schönen Blick über die Rhein-Main-Ebene.

Der Kiessee Oberwaldsee misst 10ha und in seiner Nachbarschaft ist der kleine Schnepfensee. Beide zusammen sind in ein Naherholungsgebiet integriert. Hier gibt es auch den Natur- und Erlebnispfad „An den Eichen“. Auch findet sich in Mörfelden-Walldorf die „Allee der Bäume des Jahres“. Am Oberwaldsee führt auch ein 9km langer Teil des Kulturwanderwegs der Hugenotten und Waldenser vorbei, der insgesamt 1.800km beträgt. Am Oberwaldsee und am Schnepfensee wurde die Geschichte der Waldenser auf Schautafeln dargestellt. Glaube, Gesellschaft, Vertreibung und Armut sind einige Themen. Die aus dem Piemont vertriebenen Waldenser französischer Herkunft gründeten 1699 Walldorf. Übrigens gründeten die Hugenotten im gleichen Jahr nordöstlich von Walldorf Neu-Isenburg.

Nach Walldorf pilgern heute etliche Architekturstudenten, um sich ein besonderes Beispiel der Bauart der Nachkriegsmoderne anzusehen. Zwischen der B 44 und der Bahntrasse in Straßen mit Vogelnamen stehen über 40 Häuser von Richard Joseph Neutra (1892-1970) unter Denkmalschutz. Sie entstanden vor etwas mehr als 50 Jahren und erinnern an Villen im kleineren Format. Die Bungalows der Neutra-Siedlung fallen durch ihre raumhohen Fensterfassaden auf, wo das Wohnzimmer nur durch eine Scheibe vom umgebenden Grün abgetrennt ist. Viel Lichteinfall begeistert die Bewohner. Auch auffällig ist Neutras „spider leg“, das Spinnenbein ist eine Stütze für den weit auskragenden Dachüberstand.

Ist man auf dem Weg der Hugenotten und Waldenser unterwegs, kommt man in Walldorf auch zur Waldenserkirche (1803-1805 erbaut). Sie ist ein kleines barockes Kirchlein mit Dachreiter. Der nur dreiachsige Bau zeigt oben ein Stückchen Fachwerk. Im Inneren ist die Kirche hell und freundlich. An die Waldenser erinnert auch der Waldenserbrunnen von dem Bahnhof.

Nördlich von Walldorf liegt die Wüstung Guntheim. Von ihr ist der Gundhof erhalten, der ab 1770 als Wirtshaus Erwähnung fand. Das Land drumherum wurde ab 1816 von den Waldensern bewirtschaftet. Das Ausflugslokal am Hengstbach wird immer noch gerne besucht. Noch ein Stück weiter nördlich stößt man schon an die Grenze des KZ Außenlagers Walldorf, wo es heute einen Lehrpfad gibt, zum Gedenken an die dorthin verschleppten Jüdinnen aus Ungarn, die dort Zwangsarbeit verrichten mussten (KZ Natzweiler).

Nordöstlich in der Gemarkung von Walldorf ist der Walldorfer Badesee, der einstige Baggersee misst 28ha und hier können sich Schwimmer, Angler und Freunde der Freikörperkultur, in jeweils ausgewiesenen Bereichen, sommertags erfrischen. Da der See keine Flachwasserzone hat, ist er für Nichtschwimmer nicht geeignet.

In Walldorf erzählt das Heimatmuseum Walldorf die Geschichte des Ortes. In dem schmucken Fachwerkhäuschen erfährt man mehr zur den Landgrafen, den Waldensern, Heim und Handwerk der früheren Zeit. Im Ort selbst trifft man auch immer wieder auf gestaltete Tafeln, die Einblick in die Dorfgeschichte geben.

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