Völklinger Hütte

Zwischen der Saar und den Gleisen liegt südwestlich von Völklingens Stadtkern das einzigartige UNESCO-Weltkulturerbe der Völklinger Hütte. Es zeigt in fantastischer Weise die Industriekultur Deutschlands, anhand über 7.000m angelegter Wege, die durch die Hütte führen, die von 1873 bis 1986 Roheisen herstellte.

Das 1873 gegründete Werk wurde 1881 an Carl Röchling (1827-1910, Abkömmling einer Unternehmerfamilie) verkauft, der es zum Erfolg brachte. Die Völklinger Hütte wird jährlich von rund 300.000 Besuchern angesteuert. Der Alte Bahnhof an den Gleisen ist so eine Art „Eingangstor“.

Der Alte Bahnhof wurde 1894 gebaut. Das dreigliedrige Gebäude aus Ziegelsichtmauerwerk beherbergt heute die Tourist-Information und Gastronomie. Die Völklinger Hütte ist nicht nur ein einmaliger musealer Schauplatz des Arbeitens in der Eisen- und Stahlindustrie des vergangenen Jahrhunderts, sondern lebhafter Ort für Kultur mit Ausstellungen, die in der Erzhalle stattfinden oder Konzerten.

Mit dem Ferrodrom wird eine multimediale Erlebniswelt um den Rohstoff  Stahl gezeigt und abends erstrahlt die Völklinger Hütte in einer spannenden Lichtinstallation. Vom Dach der Erzhalle hat man einen guten Blick und sieht das Stahlwerk der Saarstahl AG, die aus Fusionen, auch der mit Beteiligung der Familie Röchling, hervorging. Das Weltkulturerbe umfasst dabei nur eine Fläche von rund 7,5ha des insgesamt 260ha messenden Saarstahl-Areals.

Es ist sehr beeindruckend zu sehen, was sich die Menschen damals zusammengeschraubt, -genietet und geschweißt haben. Die Anlage der Völklinger Hütte kann in ihren einzelnen Abteilungen besichtigt werden. Dabei geht es tief hinunter in die dunklen Gänge der Möllerhalle. Dort waren Erze, Sinter, Schrott und Kalk gelagert. Daraus entstand das Gemisch – der Möller – für den weiteren Transport in Hängebahnwagen, das dann über die Gichtbühne gefahren und in die Hochöfen gekippt wurde. Ein Arbeitsgang ist das Sintern, das „Zusammenbacken“ des Gemischs auf dem Sinterband. In der Sinteranlage der Völklinger Hütte ist das Besucherzentrum.

Ein Gang über die 240m lange Gichtbühne auf 27m Höhe lässt den Besucher den Weg nachempfinden, den der Möller nahm. Noch höher sind die Winderhitzer mit ihren 30 bis 40m, die den Wind erhitzten, die von unten in die Hochöfen für die Verbrennung eingeblasen wurde.  Von der Aussichtplattform hat man einen guten Blick über die Gesamtanlage. Pro Hochofen waren drei Winderhitzer aktiv und pro Gruppe gab es einen rund 80m hohen Kamin. Zudem gab es eine Kokerei, in der die Kohle zu Koks wurde, das wiederum von den Hochöfen verbraucht wurde. Das Kokereigas war auch ein Bestandteil des Stadtgases.

Ein Picknickplatz ist bei der Granulieranlage zu finden. Mit Blick auf das idyllische Granulierbecken mit bunten Wasserpflanzen, die sich gegen den mächtigen Stahl absetzen, lässt sich kurz sammeln, um die zahlreichen Eindrücke zu verarbeiten. Ein Rundgang durch das Weltkulturerbe Völklinger Hütte braucht schon je nach Tempo zwischen zwei und drei Stunden.

Zwischen Kokerei und der Saar wartet das Paradies. Die Gartenanlage, lange Zeit im Dornröschenschlaf, wurde mit Hilfe der Landschaftsarchitektin Gräfin Bernadotte von der Insel Mainau entwickelt. Es vereint sich eine romantische Natur mit den Teilen der alten Kokerei, mit unter anderem einem Stahl-Kohleturm aus der Gründungszeit, Teilen der Koksbatterien und dem Wasserbecken. In 12 Gartenthemenfeldern auf rund 33.000qm zeigen sich unterschiedliche Varianten, wie sich Natur mit Industriekultur wieder vereint.

An der Saar steht das Ensemble Schleuse Völklingen unter Denkmalschutz mit dem Schleusenwärterhaus. Die Schleuse wurde 1875-79 erbaut und führte zum Hafen der Völklinger Hütte. Heute ist sie nicht mehr in Betrieb. Mit der Völklinger Hütte in Verbindung steht auch das denkmalgeschützte Ensemble in der Richardstraße im Stadtkernbereich von Völklingen. Dort sind das Direktorenwohnhaus, die Villa Röchling und einige Beamtenhäuser des damaligen preußischen Bergfiskus zu sehen. Sie wurden 1904/05 erbaut.

Die Völklinger Hütte, wo übrigens 1965 rund 17.000 Menschen arbeiteten, liegt auf der Europäischen Route der Industriekultur (European Route of Industrial Heritage, kurz: ERIH). Die Völklinger Hütte gehört zu den sogenannten Ankerpunkten dieses Netzwerks der wichtigsten Standorte des industriellen Erbes Europas.

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