Trittenheim

Man nennt es auch herzlich ein Moselinselchen, doch eine Insel ist sie nicht, die Landschaft um Trittenheim, das von der Mosel in einer engen Schleife umarmt wird. Umgeben ist der Weinort von Weinanbauflächen mit Lagen die da heißen Altärchen oder Trittenheimer Apotheke (mit schöner Aussichtskanzel).

Trittenheims Panorama ist geprägt von den Reben und teilweise sieht man auf der anderen Moselseite schroffe Schieferfelsen. Kein Wunder, dass es auch die Römer hier schon fantastisch fanden und Trittenheim noch heute oft von Naturliebhabern, Urlaubern und Wanderern aufgesucht wird.

Etwas ganz besonderes erwartet die Reisenden: das einzig erhaltene Fährturmpärchen an der Mosel zwischen Perl und Koblenz steht sich immer noch gegenüber. Die beiden Fährtürme auf quadratischem Grundriss mit spitzen Schieferdächern bezeugen den Fährbetrieb einer Pontenfähre, die in Trittenheim zwischen 1829 und 1908 verkehrte. In den Fährtürmen wohnte der Fährmann und der jeweilige Turm diente als Verankerung des Seils für die Pontenfähre. Der Begriff Pons aus dem Lateinischen wird mit Brücke übersetzt.

Der höhere der beiden Türme liegt auf der Ortsseite und hat vier Geschosse. Von seinem Dachgeschoss kann man zum alten Brückenhäuschen gelangen, wo zeitweilen Brückenzoll entrichtet werden musste. 1994 wurde dieser Turm als Fährturmgalerie eingeweiht. Der liebe Partner-Fährturm auf der gegenüberliegenden Seite hat zwei Geschosse und würde womöglich gerne mal übersetzten zur großen Freundin, kann aber nicht. Auf der rechten Moselseite, rund 100m flussabwärts ist der Trittenheimer Fährfels zu bewundern. Das Schieferfelsmassiv bietet auf seinem Plateau und von Schieferbänken herab betrachtet, Panoramablicke nach Trittenheim und ins Moseltal.

Wer aufmerksam durch Trittenheim spaziert, in dem rund 1.000 Menschen leben, wird die Pestkreuze bemerken. In und um Trittenheim sind einige Wegekreuze und Bildstöcke zu finden, die 1643-83 errichtet wurden und Bildnisse des Leidenswegs Christi zeigen. Man sagt, einige dieser Kreuze seien von Familien aufgestellt worden, die von der Pest verschont geblieben waren. Sieben dieser Trittenheimer Pestkreuze wurden in der Vergangenheit sachkundig restauriert und markieren einige dramatische Stationen im Leben Jesu.

Trittenheim wird überragt von der spätbarocken katholischen Pfarrkirche St. Clemens, die an Stelle eines Vorgängerbaus 1790 mit frühklassizistischen Elementen errichtet wurde. In der Hallenkirche steht noch ein Taufbecken aus dem Jahr 1626.

Ein weiterer Sakralbau fällt westlich oberhalb Trittenheims ins Auge. Die Laurentiuskapelle malerisch in den Weingärten gelegen, deren Chor auf das Jahr 1583 verweist und die 1920 einen Turm erhielt. Laurentius ist der Schutzpatron der Reben und am zweiten Wochenende im August ist die Kapelle Ziel einer feierlichen Prozession, wo um Segen für die Ernte gebeten wird. Ein Kreuzweg führt zur Kapelle. Ganz früher siedelten die Trittenheimer noch nahe der Laurentiuskapelle, erst später bauten sie am Moselufer.

In Trittenheim sind einige hübsche Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu sehen, darunter oft Wohnhäuser von Weingütern. Ein auffallendes Gebäude ist das sogenannte Moselkloster aus der Zeit um 1700 in der Moselweinstraße. Der langgestreckte Krüppelwalmdachbau hat ein großes Rundbogentor und strahlt auch „Kloster“ aus.

Auf dem alten Brückenkopf steht das Denkmal des Benediktinerabtes und Humanisten Johannes Trithemius (1462-1516). Der berühmte Sohn Trittenheims befasste sich auch gerne mit Sprachen und Geheimsprachen und auf ihn geht eine der ersten Bibliografien zurück. Darüber hinaus war er ein gern frequentierter Zeitgenosse in intellektuellen und höfischen Kreisen, obwohl er nie eine Uni besucht hatte.

An der Gemarkungsgrenze von Trittenheim, Köwerich und Klüsserath am alten Pilgerweg nach Klausen steht ein Menhir, der etwa 3500 Jahre auf dem steinigen Buckel hat. Der Stein wird im Volksmund Eselstratt genannt, da er eine runde Vertiefung aufweist. Und um die spinnt sich die Geschichte einer christlichen Jungfrau flüchtend auf eines Grautiers Rücken vor einem heidnischen Ritter. Das Eselchen setzte zu einem waghalsigen Talsprung an, trat in den Stein und der Ritter war beeindruckt, derart, dass er zum Christentum konvertierte. Die Geschichte passt nun auch wieder zum Ortsnamen: Trittenheim - tritt ein!

Auf dem Weg zum Eselstratt passiert man hoch oben in den Weinbergen den jüdischen Friedhof Trittenheim. Er wurde in den 1890er Jahren angelegt. Heute sind noch 19 Grabsteine erhalten.

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