Stiftskirche Münstermaifeld

Hin und her reißt einen der Anblick der ehemaligen Stiftskirche und jetzigen Pfarrkirche St. Martin und St. Severus in Münstermaifeld. Bei Sonnenschein und strahlend blauem Himmel wirkt das Westwerk wie geschaffen für ein orientalisches Märchen, ist es dunstig und etwas neblig zu Herbstbeginn und man schaut von weitem auf das Wahrzeichen der Stadt, das aus 40km Entfernung sichtbar wird und sich über die in den Hang gekuschelten Häuser erhebt, kommen Visionen von Mittelalter ins Kopfkino.

Die ehemalige Stiftskirche ist von einem ganz besonderen Wert. Von außen natürlich architektonisch einmalig und im Inneren ebenfalls kunsthistorisch bedeutsam. Das auch so genannte Maifeldmünster geht auf das 12. und 13. Jahrhundert zurück. Älteste Bauteile sind die romanischen Türme, es folgten unter anderem gotische An- und Ausbauten. Der Bau der Kirche, so Historiker, begann bereits im 6. Jahrhundert auf dem Fundament einer römischen Wachturmanlage.

Das beeindruckende Westwerk mit der 34m hohen Doppelturmfassade steht auf Resten des romanischen Vorgängerbaus. Insgesamt zählt das Maifeldmünster zu den wichtigsten Werken im Übergang von der Romanik zur Gotik.

Der Bau des monumentalen Chors wurde 1225 begonnen und verbindet spätromanische Wandgliederung mit den aufkeimenden Formen der Gotik. Die Apsis ist nicht halbrund, sondern fünfeckig mit bekrönenden Dachgiebeln. Die Horizontale wird durch Bogenfriese betont, gleichzeitig wird durch gotische Spitzbogenfenster die Vertikale unterstrichen. Den Übergangsstil kann auch ein „Nichtfachmann“ erkennen, denn runde (romanisch) und spitze Blendarkaden stehen im Obergeschoss quasi nebeneinander.

Die Doppeltürme der Treppenaufgänge waren einst höher als der Mittelbau, der erst im 14. Jahrhundert durch ein viertes Geschoss aufgestockt und mit einem umlaufenden Zinnenkranz bekrönt wurde – das macht den wehrhaften Charakter aus. Zur gleichen Zeit wurde auch das Langhaus fertiggestellt.

Auch im Innenraum ist der Übergangsstil zu erkennen, doch hier beeindruckt zunächst das Raumgefühl, die Weite einserseits und die Details andererseits. Besonders eindrucksvoll sind die zahlreichen Pfeilerbemalungen. Krieg, Brand und Franzosen setzten dem ehemaligen Reichtum des Stifts schon zu, doch einige Schätze sind erhalten geblieben, konnten beispielsweise nicht versteigert werden, wie das über 8m hohe Fresko des Christopherus im orientalischen Prunkgewand.

Richtig „schatzig“ zeigt sich der Goldaltar mit dem hohen Mittelschrein und den ausladenden Flügeln aus Antwerpener Werkstätten um circa 1520. Vollständig zeigt dieser wunderschön gearbeitete Altar den Zyklus der Heilsgeschichte. Allein 92 einzelne Relieffiguren finden sich im Mittelschrein. Die Schnitzkunst ist beachtlich und meisterlich sind auch die Flügelgemälde, ausdrucksstark die Gesten und niederländisch die Hintergründe.

Eine weitere Besonderheit geht farblich fast unter, weil eben aus Stein. Die um 1320 entstandene Madonna, mit lieblichem und mädchenhaftem Ausdruck, hält vielleicht als Geschenk der Eifel, eine zu Rose aus vulkanischem Tuffstein in ihrer rechten Hand.

Einmalig ist auch das reich mit barocker Schnitzkunst verzierte Erstlingswerk des Johann Michael Stumm, dem Gründer der bekannten Orgelbauerwerkstatt (18. Jahrhundert), die bis 1906 über sieben Generationen hinweg, rund 370 Orgeln hergestellt haben, wovon etwa 140 noch erhalten sind.