Steeden

Landgasthof RudolphLandgasthof Rudolph

Die 1950er Jahre waren Jahre des wirtschaftlichen Aufbruchs. Diesem ökonomischen Streben sind zwei der wichtigsten archäologischen Stätten in Hessen zum Opfer gefallen: Die Steedener Höhlen Wildscheuer und Wildhaus. Sie lagen hinter Steeden unter einer steilen Felswand in einer Schlucht des Tiefenbachs und wurden im Zuge des Kalkabbaus vollständig vernichtet.

In den Steedener Höhlen Wildscheuer und Wildhaus wurden nicht nur Knochen von Mammut, Höhlenbär und Rentier entdeckt. Auch Überreste des in der Eiszeit lebenden Cro-Magnon-Menschen – den direkten Vorfahren der heutigen Europäer – konnten in den Steedener Höhlen geborgen werden. Seit 1870 werden diese Funde aus der frühesten Zeit der Altsteinzeit, des so genannten Aurignacien, im Hessischen Landesmuseum in Wiesbaden aufbewahrt.

Was ein Fluch für die Archäologen war, war auch ein Segen für die Bevölkerung: Die Steedener Kalkindustrie. Bereits 1850 wurde in Steeden ein industrieller Betrieb für den Abbau von Kalk gegründet. Bis heute wurden drei große Steinbrüche genutzt. 1924 kam das Unternehmen in den Besitz der Unternehmerfamilie Schaefer aus Diez, die es auch heute wieder betreibt. Zwischendurch gehörten die Steedener Kalkwerke der IG Farben, der BASF und den Rheinisch-Westfälischen Kalkwerken.

In Steeden fallen zwei Kirchbauten ins Auge. Die ältere Johannes-Kapelle wurde wahrscheinlich im 11. Jahrhundert erbaut. Ein Fenster auf der Nordseite des Chores besitzt noch die ursprüngliche romanische Fassung. Rund um das Gotteshaus lag früher der von mächtigen Kastanien beschattete Friedhof. Heute ist hier eine Grünfläche angelegt und eine der alten Kastanien hat die Wirrungen der Zeit überstanden.

Eine weitere Kirchengemeinde Steedens ist die 1846 gegründete Zionsgemeinde der Evangelisch-Lutherischen Kirche mit rund 350 Mitgliedern. Diese Kirchengemeinde verfügt seit 1849 über ein eigenes Gotteshaus.