Schloss Heiligenberg (Jugenheim)

Rund 12km südlich von Darmstadt steht in Jugenheim das Schloss am Heiligenberg. Seit 1769 wurde der 209m hohe Heiligenberg landwirtschaftlich genutzt. Er kam 1811 an einen hessischen Hofkammerherrn, der dort einen Gutshof einrichten ließ und zwar zwischen 1814 und 1816.

Nur 11 Jahre später diente der Gutshof als Sommerresidenz der Wilhelmine von Hessen und bei Rhein. Deren Familie kam zu Geld und so ließ sie ab 1831 den Gutshof etappenweise zum Schloss Heiligenberg ausbauen. Auch deren Kinder legten Hand an und ließen in weiteren Jahrzehnten immer mal wieder was aus- und umbauen. Südöstlich des Schlosses ist bei 331m übrigens der höchste Punkt des Marienbergs markiert.

Schloss Heiligenberg zeigt sich im historisierenden Stil mit verschiedenen Elementen, mal sieht man Rundbogenfenster, mal mehr Klassizismus, verschiedene Dachkonstruktionen und Gauben. Auffallend ist auch der Turmaufsatz mit Uhr. Das Schloss ist eine Vierseiteranlage mit langgestreckten Fronten, die sich um einen Innenhof legen. Ein Zuweg findet sich in einer Ecke des Baus.

1920 musste die adelige Familie, in Geldnot geraten, Schloss Heiligenberg verkaufen. Danach nutzten es die Nazis als Schule für Mädels des BDM (Bund Deutscher Mädchen). Es wurde Ersatzlazarett und später zogen erneut diverse Fachschulen ein. Bis 2011 war Schloss Heiligenberg Sitz des Amts für Lehrerbildung. Seit 2012 dient das illustre Schloss mit Gartensaal und Innenhof Kunstausstellungen und es gibt ein Zimmer für wesentliche Lebenserfahrungen: das Standesamt bietet hier Trauungen an. Seit einigen Jahren kümmert sich eine gegründete Stiftung auch darum, die umgebende Parkanlage wieder zu gestalten und versucht den Flair der einstigen Zeit wieder herzustellen, was man an einigen Anpflanzungen schon erkennen kann.

Auf dem Heiligenberg ist im sogenannten Russenhaus ein Informations- und Dokumentationszentrum zur Historie des Heiligenbergs untergebracht. Das Russenhaus wurde um 1870 gebaut und hat seinen Namen daher, weil Zar Alexander II. mit Gattin gerne deren Bruder, Alexander Prinz von Hessen und bei Rhein, auf dem Heiligenberg besuchte und im dem Haus die russischen Diener untergebracht waren. Das Russenhaus in Sichtfachwerkbauweise wurde restauriert und bietet nun auch einen Museumsshop an.

Von der Rheinebene glänzend zu sehen ist das Wahrzeichen von Jugenheim, das Goldene Kreuz. Es wurde 1866 zum Gedenken an Wilhelmine errichtet. Das 7m hohe Kreuz mit Blattvergoldung steht auf einem schwarzen Sockel.

Beim Goldenen Kreuz ist das 1894 gebaute Mausoleum der Familie von Battenberg, das für Alexander und Julia errichtet wurde. Alexander verstarb 1888 und seine Gattin 1895. Das Paar wurde in eine Gruft unter dem Mausoleum gebettet und es wurde 1902 zur Gedächtniskapelle des Hauses Battenberg umgewidmet. Hier ist auch ein Gedenkstein für den Enkel Louis Mountbatten, der von der IRA 1979 ermordet wurde.

Rund 240m westlich des Schlosses Heiligenberg ist eine weitere Sehenswürdigkeit zu finden mit der Ruine des Klosters Heiligenberg. Das Kloster wurde erstmalig 1264 erwähnt. Es war vermutlich zunächst ein Nonnenkloster, kam dann zum Kloster Lorsch und dann wurden auch Mönche genannt. Mit der Reformation und dem späteren Dreißigjährigen Krieg verfiel das Kloster. Wilhelmine ließ 1831 auf den Fundamenten des Chors der Klosterkirche eine künstliche Ruine im romanischen Stil erbauen. In der Nähe findet sich die Zentlinde, die jüngeren Schätzungen nach rund 800 Jahre alt ist. Das Zentgericht tagte bei der Linde vom 13. bis 16. Jahrhundert.

Noch nicht genug der Ruinen und Burgenromantik – etwas nordöstlich von Schloss Heiligenberg stehen die Reste der Höhenburg Burg Tannenberg, auch Burg Seeheim genannt. Sie stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und bestand aus Wall und Gräben, einem Bergfried und offenen Zwinger, einer Vorburg, Reste einer Kapelle und Torbauten sowie einer Zugbrücke. Bei Ausgrabungen fand man in der Zisterne die Tannenbergbüchse, die älteste Handfeuerwaffe in Deutschland, die auf eine Zeit vor 1399 datiert wurde.

Südwestlich von Schloss Heiligenberg sind Wälle und Fundamente der Burg Jossa auf 290m Höhe zu finden. Südöstlich davon erhebt sich der 373m hohe Darsberg. Die Burg wurde um 1300 erbaut. Mit dem Tod der Bauherren von Jossa verfiel die etwa 25 x 40m große Anlage nach 1360.

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