Schlüchtern

Ganz im Südosten des Vogelsbergs im Übergang zum Spessart im Süden und der Rhön im Osten liegt die Kleinstadt Schlüchtern, deren Name vermutlich übersetzt Hüter der Schlacht heißt. Gut 16.500 Hüter leben in Schlüchtern und seinen zwölf Stadtteilen, von denen die meisten südlich der Kinzig – also im Spessart liegen. Die Kernstadt aber befindet sich nördlich der Kinzig und wird im Wanderatlas daher zum Wandergebiet Vogelsberg gezählt.

Der Luftkurort Schlüchtern entdeckt sich am besten bei einem kleinen Stadtrundgang, der nahe des ehemaligen Klosters Schlüchtern am Kinzigufer begonnen werden kann. Hier sind Reste der Klostermauer zu sehen, darauf ein kleines Fachwerktürmchen, dass in Erinnerung an die Übernachtung eines sehr bekannten Schlachtenführers im Oktober 1813 auch Napoleonstürmchen genannt wird.

Im ehemaligen Benediktinerkloster, das im 8. Jahrhundert gegründet wurde, ist heute auch das Ulrich-von-Hutten-Gymnasium untergebracht. Richtung Rathaus kommt der Stadtwanderer an einem hübschen Fachwerkbau vorbei, das zum Rasten einlädt, das Gasthaus Eckebäcker, welches 1144 bereits Erwähnung fand.

Einige Meter und rund 400 Jahre weiter, begegnet man dem 1570 im Renaissancestil erbauten Rathaus, das 1815 von Goethe gezeichnet worden ist. Die Straße Unter den Linden verlassend und in die Schlossstraße einbiegend fällt der Blick auf ein ebenfalls beeindruckendes Gebäude, das Lautersche Schlösschen, in dem seit 1958 das Bergwinkelmuseum beheimatet ist.

Durch malerisch hübsche Gässchen gelangt man zur Lutherischen Schule, einem Fachwerkgebäude im barocken Gewand, gebaut 1698 und das einzige in Schlüchtern in diesem Stil. In Richtung Mauerwiese steht die evangelische Stadtkirche St. Michael, deren Geschichte bis ins Jahr 1100 zurückreicht. Der schlichte klassizistische Saalbau mit gotischem Turm hat sein Aussehen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Zehn Prozent der früheren Bevölkerung Schlüchtern gehörten dem Jüdischen Glauben an. Vielerorts im Vogelsberg sind zwar noch Spuren jüdischer Besiedelung zu sehen. Man sollte schon genau hinschauen und sich zuvor schlau machen, denn einige Synagogen sind heute Wohnhäuser, vielleicht mit einer Gedenktafel ausgestattet, aber oft aus dem Stadtbild verschwunden. Nicht so in Schlüchtern. In der Grabenstraße steht ein außergewöhnliches Bauwerk, die Synagoge im neoromanischen Stil.

Der amerikanischen Militärverwaltung ist es zu verdanken, dass die Schlüchterner Synagoge heute noch in der Form besteht, denn sie ließ den Bau und zwei jüdische Friedhöfe wieder herrichten. Nachdem die Synagoge 1955-69 als Kleiderfabrik für Damenblusen zweckentfremdet wurde, stand sie bis in die jüngste Vergangenheit als Kulturhaus im Mittelpunkt des kulturellen Lebens von Schlüchtern. Diese Rolle hat jedoch mittlerweile das KUKI-Zelt auf der Mauerwiese übernommen.

Jedes Jahr am ersten Novemberwochenende findet in Schlüchtern der Kalte Markt statt, der seit dem 12. Jahrhundert existiert. Der Helle Markt findet seit 1996 jährlich am letzten Aprilwochenende statt. Das Weitzelfest wird am ersten Augustwochenende und der Weihnachtsmarkt am zweiten Adventwochenende gefeiert. Außerdem findet jeden Dienstag ein Wochenmarkt auf dem Stadtplatz statt.

Regionaler Bezug:

Schlüchtern Main-Kinzig-Kreis Hessen Unterer Vogelsberg Vogelsberg Oberhessen