Bergwinkelmuseum

Schlüchtern liegt im Kinzigtal, eingefasst von den Mittelgebirgsregionen Rhön (Osten), Vogelsberg (Nordwesten) und Spessart (Süden). Aus diesem Grund nennt man das Gebiet rund um Schlüchtern auch Bergwinkel: Ein Winkel, eingerahmt von Bergen. Und deshalb trifft man in Schlüchtern häufig auf Angebote, die den Namen Bergwinkel im Namen tragen.

So geht es auch dem städtischen Heimatmuseum, das unter der Bezeichnung Bergwinkelmuseum im ältesten Profanbau Schlüchterns residiert, dem Lauterschen Schlösschen. 1440 wurde das Lautersche Schlösschen als Adelssitz erbaut, umgeben von einen Wassergraben. Seinerzeit war es das größte Wohnhaus am Ort und hatte drei Geschosse.

1958 wurde im Lauterschen Schlössen das Bergwinkelmuseum eingerichtet und 2007 grundlegend renoviert. Zu den behandelten Themen im Bergwinkelmuseum gehört natürlich Schlüchterns bekanntester Sohn, der erste deutsche Reichsritter und Humanist Ulrich von Hutten. Ulrich von Hutten wurde 1488 auf Burg Steckelberg geboren. Im Alter von 26 Jahren verfasste er einen Teil der Dunkelmännerbriefe, die satirisch die wissenschaftliche Denkweise der Scholastik ins Lächerliche zogen. Hutten prangerte zudem die römische Kirche an.

Berühmten Söhne der benachbarten Stadt Steinau an der Straße, den Brüder Grimm, wird ebenfalls gedacht. Im Museum sind Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen von Ludwig Emil Grimm ausgestellt, neben Erinnerungstücken aus dem Familienbesitz der Grimms.

Das Thema Liebe und Ehe wird mit dem Trauzimmer, biedermeierlichen Liebesbriefen und Aussteuergegenständen veranschaulicht. Ausgrabungsfunde und Fotos erzählen über das Benediktinerkloster in Schlüchtern. Das Leben einer religiös-sozialistischen Siedlung bei Elm wird per Filmbeitrag dokumentiert.

Das jüdische Leben wird anhand des Portraits des Seifenfabrikanten Victor Meier Wolf gezeigt. 1825 gründete dieser eine der ältesten Seifenfabriken in Deutschland. Seine Familie führte das Geschäft fort und Urenkel Max Wolf ließ 1930 in Steinau die Dreiturm-Werke als moderne Fabrik nach Bauhausideen errichten.

In der Museums-Galerie sind Werke des Malers Felix Muche-Ramholz zu entdecken. Eigentlich war er Rentmeister auf Schloss Ramholz. Sein Sohn Georg, der am Bauhaus in Weimar und Dessau unterrichtete, inspirierte ihn, naive Bilder zu malen. Da war der Künstler bereits 57 Jahre alt. Sein erstes Bild, welches ihm zuzuordnen ist, trägt den Titel Der Sonntagsmaler und zeigt ihn selbst mit Staffelei auf einer Wiese bei Ramholz. Bekannt wurde er durch seine sich selbst persiflierenden Darstellungen als Spießer.

Unterm Dach des Bergwinkelmuseums gehen dem Modelleisenbahnliebhaber das Herz auf und die Augen über. Die Modellbahn-Anlage lässt bis zu 15 Züge gleichzeitig auf der Strecke Kassel-Frankfurt am Main laufen. Hier wird der Zugbetrieb in Miniatur vom Bahnhof Schlüchtern bis zum Distelrasentunnel und die Nebenstrecke mit der Abzweigung am Ziegenberg nach Elm demonstriert.