Schächerbachtal

Wen es nach einer Stadtbesichtigung Hombergs ins Umland zieht, dem sei das südlich des Stadtkerns sich anschließende Schächerbachtal empfohlen. Der 7km lange Schächerbach, der in der Gemarkung des Homberger Stadtteils Schadenbach entspringt, bildet ein romantisches Tal mit vielen kleinen Teichen und verträumten Plätzen aus. Das Schächerbachtal kann man übrigens am besten auf der zertifizierten Schächerbachtour erleben.

Nahe des Homberger Gartengebietes Freizeitgärtchen Hechteloh schlagen die Herzen der Eisenbahnfreunde sicher höher, denn hier fällt ihr Blick auf das Ohmviadukt der Ohmtalbahn, die bis 1980 im Personenverkehr in Betrieb war und von Kirchhain bis nach Nieder-Gemünden führte. Die Brücke über der Ohm, beliebtes Motiv auf älteren Postkarten, wurde 1900 erbaut. Züge fahren keine mehr darüber, aber als Motiv ist sie nach wie vor sehr gefragt.

Der ehemalige Steinbruch Hambelborn lieferte bis Anfang der 1960er Jahre Basalt. Jetzt ist es ruhig geworden und schützenswert, denn die Wappenblume des Vogelsberg, die Türkenbundlilie, blüht hier von Juli bis August und bevorzugt kalk- und stickstoffreichen Boden mit Humus und genügend Feuchtigkeit.

Schöne Aussichten lassen sich auch immer wieder genießen, mit Blick auf Ohm und Homberg, auf dem weiteren Weg zum Naherholungsgebiet Buchholzbrücke. Die dortige Freizeitanlage mit Waldspielplatz begeistert sicher die Kinder und damit auch die Eltern. Bekannter Aussichtspunkt ist auch der Dilich-Blick, nahe Hainmühle und Stadtzentrum. Wilhelm Dilich, dessen Federzeichnung dem Blick auf die Stadt gewidmet ist, war ein 1571 in Hessen geborener Baumeister, Zeichner, Topograf, der auch als Chronist bezeichnet wird.

Sagenhaft und mystisch geht es im weiteren Verlauf des Schächerbachtales zu. Im Grenzgebiet Dreimärker, wo die Grenze zwischen Schadenbach, Homberg und Deckenbach verläuft, und sich der Herrnteich von Nieder-Deckenbach befindet, wurde ein keltischer Vierknotenring gefunden, der im Heimatmuseum im alten Brauhaus in Homberg ausgestellt ist. Gleich an den Schauplätzen findet der interessierte Geschichtenleser die Sagen, die sich vor langer Zeit hier zugetragen haben sollen. Es gibt ein verbindendes Element in einem Teil der Geschichten, nämlich das Wasser.

Der Herrnteich wird wohl deshalb so genannt, weil hier in dem untergegangenen Dorf die Herren von Nieder-Deckenbach gelebt haben sollen. Die Sage vom Heiligen Born, wobei Born eine poetische oder historische Bezeichnung von Brunnen ist, findet sich am Dorotheabrunnen, einer Waldquelle. Ein betrunkener Herr soll im Brunnen mit seinem Esel verschwunden sein. Durst war womöglich nicht die Triebfeder des Herrn, womöglich aber die des Esels. Die Huftiere und Frauen scheinen in der seereichen Gegend des Schächerbachtals vom Pech verfolgt, glaubt man den Sagen.

Zwischen der Naturquelle Goldborn, dessen Wasser man bedenkenlos trinken kann, und dem am Waldrand gelegenen See Schwarzes Meer, befindet sich das Jungfernloch. Vor einigen hundert Jahren soll eine Jungfer des Homberger Schlosses mit ihrem Schimmel in dem Waldteich ertrunken sein. Einem Verbrechen zum Opfer fiel nur einige Kilometer weiter, am Zoberwiesenteich, die Margit. Erschlagen und auf einen Esel gebunden, soll sie in diesem Teich versenkt worden sein. Ob sich ein Esel zur Beschwerung eines Leichnams eignet, ist jedoch mit der Geschichte nicht hinreichend erklärt.

Besucher und Besucherinnen, die bis jetzt trockenen Leibes das Schächerbachtal durchwandert haben, erhalten eine sehr große Chance gesund und erfrischt den Bach nahe des Stadtgebietes zu queren. Ein Steinsteg und Naturkneipperlebnis erwartet sie. Es wird vermutet, dass der alte Steinsteg ein Übergang der vorneuzeitlichen Siedlung Ellersdorf gewesen sei. Knapp kniehoch ist das Wasser des Schächerbachs an dieser Stelle. Gut geeignet, um die Schuhe abzustreifen und die Hosenbeine hoch zu krempeln, um einer Empfehlung von Sebastian Anton Kneipp zu folgen und durch das Wasser zu waten.