Reichskammergerichtsmuseum Wetzlar

1495 in deutschen Landen: Wir befinden uns im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Im Heiligen Römischen Reich herrscht noch das alte Fehderecht, die Blutrache. König Maximilian I, der spätere Kaiser, ruft einen Reichstag in Worms ein und bespricht neben außenpolitischen Themen ein weiteres Anliegen: Die Aufhebung der Fehde zugunsten eines geordneten Rechtsverfahrens.

Dieser 1495 geschlossene Ewige Landfriede führte auch dazu, dass eine neue Gerichtsbarkeit installiert werden musste, die unabhängig vom König in der Lage war, höchstrichterlich Streitigkeiten zu klären. Dies war die Geburtsstunde des Reichskammergerichts, das 1495 in Frankfurt gegründet wurde. Immer wieder wurde der Sitz dieses höchsten Zivilgerichts verlegt, bis es 1689 in Wetzlar angesiedelt wurde, wo es bis zur Aufhebung des Heiligen Römischen Reichs in Folge der Koalitionskriege gegen Napoleon residierte.

An die Geschichte des Reichskammergerichts erinnert heute das Reichkammergerichtsmuseum in Wetzlar. Es wurde 1987 in einem dreistöckigen Palais eingerichtet, das Kammergerichtsassessor Johann Hermann Franz von Pape erbauen ließ.

Das Museum des Reichskammergerichts ist das einzige rechtsgeschichtliche Museum in Deutschland und deshalb ein Anziehungspunkt für Juristen und an der Geschichte des Rechts und der Justiz in Deutschland Interessierte. Es wird getragen von der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung und der Stadt Wetzlar.

Das Reichskammergerichtsmuseum wartet mit vielen Originaldokumenten, Mobiliar, Bildern, Drucken, Artefakten und geschichtlichen Erläuterungen auf. Man erfährt im Museum die komplette Geschichte des Reichskammergerichts - auch außerhalb seines Sitzes in Wetzlar -, taucht in die damalige und auch heutige Bedeutung der Rechtsprechung und dessen Auswirkung auf heutige, moderne Gerichtsbarkeit ein und kann die Arbeitsweise, Schwierigkeiten und das Zusammenwirken mit anderen stattlichen Organen studieren.

Dem Reichskammergerichtsmuseum Wetzlar ist eine Forschungsstelle des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte zugeordnet. Sie untersucht anhand der 80.000 Prozessakten die Grundlagen, Methoden und Wirkung der Rechtsprechung des Reichskammergerichts sowie die rechtlichen und sozialen Verhältnisse der Richter und Anwälte. Die Forschungsstelle begreift sich als Koordinierungsstelle aller Forschenden, die sich mit der Höchsten Gerichtsbarkeit im Zeitraum von 1500 bis 1800 befassen.