Ratingen

Ratingen liegt zwischen Düsseldorf und Essen im Niederbergischen Land. In Ratingen hat sich im Zentrum ein historischer Kern erhalten, der etliche Denkmäler zeigt, insbesondere rund um den Marktplatz. Ratingen hat zudem schöne Parks wie den Poensgenpark am LVR Industriemuseum Textilfabrik Cromford am Angerbach nördlich des Zentrums und den Erholungspark Volkardey südwestlich vom Zentrum mit dem Grünen See und dem benachbarten Silbersee.

Bereits im Dezember 1276 erhielt Ratingen das Stadtrecht und damit verbunden auch das Recht Markt zu halten. Der Ratinger Marktplatz ist auch heute noch ein attraktiver Standort, an dem drei Mal die Woche ein Markt mit Frischeprodukten gehalten wird und auf dem Flohmärkte und Feste stattfinden. Vier Ratinger Hauptstraßen treffen auf dem erstmalig 1362 erwähnten Marktplatz zusammen, auf dem auch der Marktbrunnen steht. Der ziert mit einem Löwen obenauf den Platz seit 1976. Rundherum sind die Wappen der einst selbstständigen Gemeinden Breitscheid, Eggerscheidt, Homberg, Hösel und Lintorf angebracht.

An den kopfsteingepflasterten Markplatz grenzen einige sehenswerte, restaurierte historische Gebäude an. Zu nennen ist das Bürgerhaus am Markt aus dem 14. Jahrhundert mit den prägenden geschweiften Giebeln. Es war bereits im Mittelalter ein Zentrum des politischen und kulturellen Austauschs.

Vom Marktplatz zu erreichen ist auch die leicht erhöht liegende Ratinger Kirche, die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul. Sie zählt zu den frühen Hallenkirchen im Rheinland. Mitte des 12. Jahrhunderts entstand sie als romanische Kirche mit einem viergeschossigen Westturm und zwei Chorflankentürmen. Ende des 13. Jahrhunderts wurde aus diesem Bau eine dreischiffige Hallenkirche im Stil der Gotik. Erweiterungen kamen im ausgehenden 19. Jahrhundert hinzu mit einem neugotischen Querhaus und einer Verlängerung des alten Langhauses. Der Turm erhielt einen spitzen Helm.

Der Dumeklemmerbrunnen mit den Kindern vor der Kirche erinnert an eine Sage, wonach dem heiligen Suitbertus am Stadttor der Daumen eingeklemmt worden sei von den wilden Ratingern, was den Heiligen dazu veranlasste die Ratinger mit dem Fluch zu belegen, dass fortan alle in Ratingen geborenen mit einem platten Daumen zur Welt kommen sollten. Da Suitbertus lange vor der Ernennung Ratingens als Stadt lebte, gilt als wahrscheinlicher, dass aufgrund der Gerichtsbarkeit und der Foltermethode der Daumenschrauben die Ratinger den Beinamen Dumeklemmer erhalten haben.

Zum religiösen Leben in Ratingen zählten auch die Minoriten, die bereits seit dem Mittelalter dort waren. Ein Kloster bezogen sie Mitte des 17. Jahrhunderts. Das einstige Minoritenkloster steht an der Ecke Marktplatz/Minoritenstraße. Hier sind heute ein Kino, die Volkshochschule und das Standesamt. Gegenüber befand sich früher die Lateinschule und dort ist heute das Ratsstübchen – da darf man gerne ein wenig nachsitzen.

Aspirin gibt es, falls nötig, am Marktplatz 2 in der Apotheke, die im Haus Zu den vier Winden ihre Dienste anbietet. Das Haus Zu den vier Winden wurde bereits im ersten Stadtbuch von 1362 genannt. Das Haus ist dreigeschossig und seine Fenster sind mit grünen Schlagläden geziert. Gegenüber steht übrigens ein ähnliches Haus, genannt „In den drei Königen“. Die Geschosse werden nach oben immer niedriger und obenauf schließt ein Walmdach mit Gauben ab.

Neben dem verputzten Haus Zu den vier Winden steht das Fachwerkhaus Zum roten Löwen. Nach einem Stadtbrand 1578 wurde es wieder aufgebaut. Es wird heute zu Geschäfts- und Wohnzwecken genutzt, wie wahrscheinlich auch schon damals, als ein Scherenschmied hier tätig war oder ein Weinhändler.

Auch aus Fachwerk ist das älteste erhaltene Privathaus in der Oberstraße 23. Das Haus Der rote Hahn wurde vermutlich um 1500 gebaut, wobei die hier einst wohnende Familie Bruyl bereits 1425 im Stadtbuch auftaucht. Das Haus mit spätgotischen Zügen fällt durch das stark hervorkragende Obergeschoss ins Auge. Der rote Hahn beherbergt heute die Suitbertusstuben.

Ganz in der Nähe an der Bechemer Straße 10 ist das Steinhaus, das bereits als Steingaden im Mittelalter genannt wurde. Erst in den 1980er Jahren wurde das historische Schätzchen entdeckt, da es rings herum eingebaut war. Vermutlich wurde das Steinhaus im 15. Jahrhundert errichtet. Das Steinhaus bietet heute Gastronomie.

Durch eine Gasse beim Haus Zum roten Löwen kommt man in den Martin-Luther-Hof und zur einstigen Lutherkirche, die aus einem Privathaus entstand und wieder zu einem Wohnhaus wurde. Man sieht nur noch die halbrunde Apsis.

Geht man vom Marktplatz vorbei am einstigen Minoritenkloster und folgt der Lintorfer Straße, gelangt man zur evangelischen Stadtkirche, des eines der ältesten reformierten Kirchengebäude im Rheinland ist. Reformiertes Gedankengut in Ratingen fußt in der Mitte es 16. Jahrhunderts und der Kirchenbau begann 1668. Man brauchte fast zwanzig Jahre bis zur Einweihung und damals hatte die barocke Kirche noch keinen Turm, der kam erst 1856 dazu.

Geht man von hier aus weiter in nördliche Richtung, kommt man auf die Turmstraße und man kann sich entlang der Wehrtürme weiter um das historische Zentrum bewegen. Wendet man sich hier nach links in Richtung Wehrgang kommt man zum Trinsenturm. Er wurde um 1480 errichtet und diente wohl als Waffenkammer. Der rechteckige Schalenturm, der zur Stadtseite hin offen war, beherbergt seit 2014 ein Puppen- und Spielzeugmuseum.

Wendet man sich gen Osten und folgt der Turmstraße, kommt man zum Dicken Turm, der seinem Namen die Ehre erweist, der mächtigste Wehrtum Ratingens zu sein, der im Zuge der Stadtbefestigung um 1460 gebaut wurde. 3,5m Mauerstärke und einen Durchmesser von 11,7m zeichnen ihn aus. Glück für den Turm und die heutigen Nutzer des Heimatvereins Ratinger Jonges ist, dass man einem beantragten Abriss des „Verkehrshindernisses“ 1901 nicht zustimmte.

Östlich des Zentrums findet sich als dritter in Teilen erhaltener Turm von einst 15 Wachtürmen der Stadtbefestigung der Kornsturm mit einem Stückchen Stadtmauer in der Ecke Wallstraße/Brunostraße. Der runde Kornsturm hat einen Durchmesser von 8m. Der Turm wird heute von der Karnevalsgesellschaft Rote Funken genutzt.

Näheres zur Stadtgeschichte erfährt der geneigte Besucher im Museum Ratingen, das sich außerhalb der Stadtmauer befindet und zwar am Peter-Brüning-Platz 1 mit dem Eingang von der Grabenstraße aus. Das Museum Ratingen zeigt die städtische Sammlung moderner Kunst und bietet einen Überblick zur Geschichte und Entwicklung der Stadt Ratingen.