Rückingen (Erlensee)

Das ist mal ein Kreisel! Wer aus Richtung Hanau nach Erlensee-Rückingen fährt, kommt nicht umhin, die Insel mit dem beachtlichen Limes-Denkmal zu umrunden. Der Limes verlief durch Erlensee mit den Stadtteilen Langendiebach und Rückingen. In beiden gab es auch befestigte Lager der Römer, wobei das Kastell Rückingen deutlich größer und wahrscheinlich für 500 Mann ausgelegt war.

Das Kastell Rückingen, auch Kastell Alteburg genannt, entstand zwischen 110 und 125 unserer Zeitrechnung. Am Kastellbad befindet sich eine Informationstafel über das Kastell, wovon Erhebungen und Fundamente zu entdecken sind. Im Limesverlauf schließt sich südöstlich sumpfiges Gebiet an, die Bulau, der Doppelbiersumpf und die Rote Lache. Nur 200m entfernt fließt die Kinzig vorbei, die wohl zur Römerzeit für kleinere Boote befahrbar war. Fundstücke aus dem Kastell sind im Heimatmuseum in der Wasserburg zu bewundern.

Vom Kastell selbst ist heute nichts mehr sichtbar. Nur das Römerbad am Südrand von Rückingen zur Kinzig ist in seinen Grundmauern rekonstruiert und in einen Kinderspielplatz integriert.

Namensgebend für die Stadt Erlensee ist der 13ha große Erlensee südlich von Rückingen, der nahe des Römerbades liegt. Der als Angelgewässer genutzte Erlensee markiert den nördlichen Teil des 196ha großen Naturschutzgebiets Erlensee, dessen Ziel die Erhaltung der großflächig naturnahen Auelandschaft des unteren Kinzigtals ist.

Ebenfalls direkt an der Kinzig steht die Wasserburg Rückingen, von der 1248 erstmals Notiz genommen wurde, seinerzeit als mainzisches Lehen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts hatten die Herren von Rückingen und Rüdigheim hier das Sagen. Die wurden allerdings einmal von König Ruprecht aus der Pfalz abgestraft, weil sie der Beschäftigung des Raubrittertums nachgingen. Es folgte Zerstörung, Krieg und Brandschatzungen im weiteren Verlauf der Geschichte der Burg. Im 19. Jahrhundert wurde die Burg als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt, dabei auch die Gräben verfüllt.

Die nahezu rechteckige Grundform der Burg und was man heute noch so sieht, stammt aus dem 15. Jahrhundert, der südliche Teil liegt unter einer Scheune. Nördlich ist der Eckrundturm und ein gutes Stück Ringmauer erhalten. Nachdem die Stadt die Wasserburg übernahm, eröffnete 1983 hier das Heimatmuseum. Im Heimatmuseum sind vornehmlich Gegenstände der Ortsgeschichte von Rückingen und Langendiebach zu bewundern.

Nachdem die Wasserburg im 16. Jahrhundert unbewohnbar gemacht worden war, durften die ehemaligen Hausherren einen Bauernhof errichten, ohne Befestigung, Graben, Brücken und alles, was eine Burg ausmacht. Sie bauten den späteren Herrenhof rund 200m von der Wasserburg entfernt. 1564 wurde der Hof um das Schlösschen erweitert. Von dem Haupthaus und einer Kapelle, die in neuerer Zeit als Kirche diente, ist leider nichts mehr zu sehen. Erhaltene Teile des Schlösschens wurden 2006-09 saniert und dienen heute als Aula einer Schule und Vereine nutzen Räumlichkeiten darin.

Wie Nachbar Langendiebach hat auch Rückingen einen Mühlenbetrieb zu bieten. Das stattliche Mühlengebäude steht nahe der alten Kinzigtalbrücke am Ortsausgang in Richtung Rodenbach. Die Rückinger Mühle wurde im 17. Jahrhundert erstmalig erwähnt. Nach einen Brand 1877 erfolgte die Neuerrichtung. Hier wurde wohl Getreide wie auch Tabak gemahlen, bis 1959 ein weiterer Brand wütete. Gemahlen wird nicht mehr, aber Strom erzeugt.