Rönsahl

Neben der Kernstadt ist Rönsahl der größte der über hundert Ortsteile der Stadt Kierspe. Rönsahl liegt im äußersten Südwesten des Oberen Volmetals, beinahe schon im Bergischen Land, in einem offenen, landwirtschaftlich geprägten Talkessel. Nur nach Süden hin erhebt sich mit dem Wernscheid (400m) und seinen Nebengipfeln ein bewaldeter Bergkamm, jenseits dessen das Oberbergische beginnt. Die nördlichen Erhebungen wie der Frieberg (372m) sind größtenteils unbewaldet.

Im Zentrum von Rönsahl steht die evangelische Servatiuskirche. Das spätromanische Gebäude mit dem massiven Wehrturm war zu früheren Zeiten sogar eine Wallfahrtskirche. Der Turm stammt noch aus jener Zeit. Das Kirchenschiff allerdings ist jünger. Es musste neu gebaut werden, nachdem der Dorfbrand von 1766 das vorherige zerstört hatte. 1897 erhielt der Turm ein neues Dach. Aus einem schlichten Pyramidendach wurde eine Turmhaube mit barocken Anklängen nach Plänen von Heinrich Renard, einem Architekten aus Köln.

Sehenswerte Details der Innenausstattung der Servatiuskirche in Rönsahl sind vor allem die senkrecht angeordneten Prinzipalstücke Altar, Kanzel und Orgel. Ursprünglich war alles weiß gestaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings malte man das Interieur farbig aus. Die Orgel ist eine der wertvollsten der Gegend und geht im Kern auf das Jahr 1786 zurück. Sehenswert sind auch die Glasfenster und die historische Malerei an der Westwand.

Weithin bekannt ist die Servatiuskirche auch durch die Rönsahler Kirchenkonzerte, die hier stattfinden. Orchester und Chöre aus der Region sowie überregionale Interpreten verwandeln die Kirche regelmäßig in den Wintermonaten in einen Konzertsaal.

Beim Spaziergang durch den Ort fallen die Industriellenhäuser an der Hauptstraße ins Auge. Sie sind im späten klassizistischen Stil gehalten. Ein besonders schönes Exemplar ist das alte Amtshaus, das 1805 entstand. Das prachtvolle Krüppelwalmtraufenhaus ist zweigeschossig und fünfachsig angelegt. Es ist ein sehr schönes Beispiel für die Verbindung preußischer und bergischer Architekturmerkmale. Zusammen mit der Kirche und einigen weiteren Häusern prägt es maßgeblich den Charakter des Ortes.

Ebenfalls zu diesen sehenswerten Gebäuden gehört die Brennerei Krugmann. Der spätklassizistische Bau entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Landwirt Wilhelm Haase hatte es bauen lassen, um mit seiner Brennerei die Rönsahler Brennerei-Geschichte zu begründen. Den Namen Krugmann erhielt die Brennerei übrigens, als sie Ende der 1950er Jahre von der Meinerzhagener Kornbrennerei Krugmann aufgekauft wurde. Heute beherbergt das Gebäude auch eine Brauereiausstattung, und ein eigens gegründeter Verein möchte die Räumlichkeiten als Veranstaltungs- und Kulturzentrum ausbauen.

Außerhab Rönsahls, ein wenig weiter Richtung Südosten, ist noch eine interessante Anlage zu sehen, eine ehemalige Ölmühle. Sie geht auf das Jahr 1804 zurück, in dem sie erstmals erwähnt wird. 1900 wurde das Gebäude als Denkmal im bergischen Stil neu aufgebaut. Sieben Jahre später kam eine Teichanlage dazu, und 1982 erhielt das Denkmal ein originalgetreues neues Wasserrad. Das Wasserrad diente früher dem Antrieb der unterschiedlichsten Gerätschaften. Eine Dreschmaschine und eine Waschmaschine gehörten dazu. Aber auch eine Fleisch-Zerkleinerungsmaschine, in der man das Futter für die Forellen in den Fischteichen produzierte. Zudem wurde sie schon früh mit einer Turbine ausgestattet, die den Rönsahlern die erste Stromversorgung ermöglichte.