Offenbach-Bieber

Der Stadtteil Bieber liegt östlich von Offenbach und besteht aus den Teilen Bieber mit dem alten Ortskern, Bieber-West und Bieber-Waldhof. Diese beiden Wohngebiete entstanden in den 1960er Jahren. Der Bieberer Berg mit dem Aussichtsturm steht eigentlich nicht auf dem Gebiet von Bieber sondern auf dem von Bürgel.

Durch Bieber fließt die Bieber, ein 17km langer Nebenfluss der Rodau. Die Bieber entspringt südwestlich bei Dreieich-Götzenhain und macht sich von dort auf in nordöstliche Richtung, um bei Markwald in die Rodau einzumünden.

Einst trieb die Bieber einige Mühlen an, wovon in Bieber noch zwei erhalten sind. Die Käsmühle liegt nördlich in Bieber und die Obermühle südlich. Beide bieten Gastronomie. Die Käsmühle wurde erstmalig 1560 genannt. Der Mühlenbetrieb wurde 1910 eingestellt. Die Käsmühle ist ein beliebtes Ausflugsziel und ein Wahrzeichen von Bieber.

Das historische Wahrzeichen von Bieber hat allerdings nichts mit Mühlen zu tun, wohl schon mit einer Art Fluss, den es zu überqueren galt – dem Lebensfluss. Das Bieberer Amulett ist ein sehr schmuckes und einzigartiges Wahrzeichen in Bieber. Das nur 4,5cm große aus Bronzedraht gebogene Amulett der Kelten wurde 1979 in einem Steinkistengrab in den Bieberer Struthäckern gefunden. Es stammt aus der Urnenfelderzeit (1.200 bis 750 Jahre vor Christus). Man geht davon aus, dass es ein Menschlein symbolisiert. In Bieber findet sich etliches, das diesen „Schlüssel“ ins Diesseits zeigt. Das Original ist im Haus der Stadtgeschichte in Offenbach zu sehen – und ganz groß vor der Sparkasse in Bieber.

Der historische Ortskern in Bieber schmiegt sich in einem Halbkreis an die Bieber. Man findet in der Straße Alt Bieber und Rathausgasse noch ein Stück Ortsbefestigung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Der alte Kern von Bieber zeigt einige denkmalgeschützte Wohnhäuser aus Fachwerk, die aus dem 18. Jahrhundert stammen, zum Teil heute mit Verputz oder Verschieferung. Die Höfe und Wohnhäuser in der Straße Alt Bieber, Rathausgasse und Oberhofstraße sind meist zweigeschossig unter einem Satteldach oder einem Krüppelwalmdach. Eines der ältesten Fachwerkhäuser ist in der Oberhofstraße 8 zu finden. Es zeigt sich mit sehr schmucker Fachwerkornamentik im Giebel und stammt aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.

In der Rathausstraße im Kern des Ortes steht die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus. Der Bau stammt aus dem Jahr 1936 und hat einen 38m hohen Turm. Die Kirche im basilikalen Stil ist mit dem 35m langen Schiff recht groß und auch die Innenraumwirkung unterstreicht das. Der Raum wird von einem eingezogenen Tonnengewölbe überspannt, das in Kassetten ausgemalt ist. Überdimensional groß ist der an der Chorwand zum Himmel empor steigenden Christus. Er stammt aus dem Jahr 1963 und von der Bildhauerin Gisela Bär (1920-1991).

Die evangelisch Gläubigen gehen in die Lutherkirche in der Aschaffenburger Straße. Sie stammt aus dem Jahr 1934 und ist mitsamt ihrer Ausstattung, inklusive der heroischen großen Malereinen von Geburt, Tod und Auferstehung Christi, eine der wenigen Beispiele von Sakralbauten aus der Zeit der Nationalsozialisten in Hessen. Das Pfarrhaus daneben ist ein kubischer Bau mit Walmdach von 1913-14.

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