Niederlützingen (Brohl-Lützing)

Umgeben von Streuobstwiesen etwas erhöht über dem Tal des Brohlbachs liegt der zu Brohl-Lützing zählende Ort Niederlützingen mit rund 1.000 Einwohnern und einer gut 1.000-jährigen Geschichte. Seit 1970 zählt die einst selbstständige Gemeinde zu Brohl-Lützing. Westlich des Ortskerns wurde auf dem Steinbergskopf bis 1928 Basalt abgebaut. Ein wenig von dem alten Steinbruch lässt sich noch erahnen. Von den Anhöhen Steinbergskopf und Leitenkopf genießt sich eine fantastische Aussicht auf die Rheinhöhen im Westerwald und den Höhenlagen der Eifel.

Eine andere Tradition im Brohltal war der Betrieb von Mühlen, die Getreide oder Ölfrüchte verarbeitet haben und als Besonderheit: Trass. Unter dem Gestein versteht man ein natürliches Puzzolan, das beispielsweise als Zusatz bestimmten Zementen beigegeben wird und aus Silicium-Aluminium-Verbindungen besteht. Er entstand hier durch den Ausbruch des Laacher Vulkans und bedeckte meterdick das Brohltal.

Am Brohlbach, direkt an der Bundesstraße B 412 nach Burgbrohl, liegt die Schweppenburger Mühle. Die Museumsbahn Vulkan-Express hat in der Nähe den Bedarfshalt Schweppenburg-Heilbrunnen. 1377 bekam der Andernacher Schöffe Arnold von Schweppenburg das Lehen mit einer Burg und der Mühle. Sie war eine Öl- und Getreidemühle, wobei ihr Ölmahlgang zu Anfang des 19. Jahrhunderts zur Trassmühle umgebaut wurde. Die Getreidemühle klappert nach wie vor und wird seit mehreren Generationen von der Familie Mosen betrieben.

Das wassergetriebene oberschlächtige, eiserne Mühlrad hat einen Durchmesser von 7m und die Schaufelbreite beträgt 1,6m. Damit schaufelt einer der 50 Becher circa 128 Liter Wasser. Das Rad erzeugt eine Kraft von 40 PS und dreht sich sieben bis acht Mal in der Minute. Im Mühlenladen kann man das hier gemahlene Weizen-, Roggen- und Dinkelmehl sowie dazu andere aus der Region kommende Produkte kaufen.

Mit der Schweppenburger Mühle verbunden ist die Schweppenburg, denn auch sie gehörte zum Lehen und Müller Mosen ist der Burgverwalter, wie bereits seine Vorfahren. Die Burg entstand um 1365. Was man heute südöstlich des Ortskerns sieht, ist das Renaissance-Schloss aus dem Jahre 1638, das auf Bertram von Metternich zurückgeht. Das Wehrhafte hat sie bei der Umgestaltung von der Burg zum Schloss verloren. Seit 1716 ist die Schweppenburg im Besitz der Adelsfamilie von Geyr zu Schweppenburg. Die Burg kann nur von außen betrachtet werden. Der hohe Putzbau mit hat zwei Ecktürmchen und ein Zwerchhaus sowie geschweifte Giebel.

In Niederlützingen steht die katholische Pfarrkirche St. Lambertus und Katharina mit Ursprung im späten 13. Jahrhundert. Die östlichen Joche im Mittelschiff, das als Beispiel bester Hochgotik gilt, stammen aus der frühen Bauzeit. Der ehemalige Saalbau mit Chor und Querhaus ist aus dem Jahr 1873 und die Kirche erhielt 1923 eine Erweiterung, indem zwei niedrigere Seitenschiffe angebaut wurden. Aus dem Jahr 1874 sind der Hochaltar und die Buntglasfenster, gestiftet von Niederlützingener Bürgern.

Nordöstlich von Niederlützingen steht das kleine Lammertaler Kapellchen. Was man heute sieht, geht auf das 18. oder 19. Jahrhundert zurück, wobei die Arkaden aus dem 20. Jahrhundert stammen sollen. Man weiß, dass es bereits im 16. Jahrhundert hier eine Marienkapelle gegeben hat. Im Laufe der Jahre wurde sie mehrmals neu errichtet. Mit der Kapelle verbunden ist eine wechselvolle Geschichte, mal diente sie den Katholiken mal den Protestanten als Versammlungsstätte. Heute gehört sie zur Pfarrgemeinde St. Lambertus und am 1. Mai ist sie Ziel einer Prozession.