Marburg-Marbach

Die Marbach ist Stadtteil von Marburg, der in einem engem Talkessel auf dem Marburger Rücken liegt. Früher nur ein kleines Dörfchen, versuchte man sich im 19. Jahrhundert als Kurort und konnte auch die Gebrüder Grimm als Gäste begrüßen. Doch richtig los in Sachen Gesundheit ging’s dann erst ab 1904. Damals nämlich kam Emil von Behring nach Marbach.

Emil von Behring wurde 1895 als Professor nach Marburg berufen. Vier Jahre zuvor hatte er die Serumtherapie entwickelt, die damals als Heilverfahren gegen Diphtherie zum Einsatz kam, was Behring im Volk den Beinamen „Retter der Kinder“ und in der Wissenschaftswelt 1901 den ersten vergebenen Nobelpreis für Medizin einbracht. Emil von Behring gründete 1904 in Marbach die Behringwerke, einem weltweit führenden Impfstoffhersteller. Die Behringswerke fielen 1952 an die Hoechst AG und wurden ab 1997 in Einzelfirmen aufgeteilt.

Nicht nur das alte Arbeitszimmer von Emil von Behring ist noch erhalten – allerdings nur bei offiziellen Führung zu besichtigen. Auch das nach seinem Tod 1917 errichtete Behring-Mausoleum befindet sich heute noch auf der Elsenhöhe im Marbacher Wald und kann von außen in Augenschein genommen werden. Die Entwürfe für seine letzte Ruhestätte hat Emil von Behring übrigens selbst angefertigt.

Ebenfalls an der Elsenhöhe befindet sich der 1902 ursprünglich angelegte Aussichtspunkt Annablick. Der Name Annablick ist auf Anna Bopp, einer bekannten Persönlichkeit aus der Marburger Bierbrauerfamilie Bopp, zurückzuführen. Vom Annablick hat man einen recht guten Ausblick auf das Marburger Landgrafenschloss – allerdings sollte man ein Fernglas mitnehmen.

Auch in Sachen Kultur ist die Marbach ein spannendes Stück Marburg. 2010 eröffnete der frühere Oberspielleiter des Marburger Landestheaters Peter Radestock in Marbach seine Kleine Komödie. Spielort ist der antike Pferdestall im Kulturgut Vino Nobile, der für knapp hundert Personen bestuhlt ist. Auf dem Spielplan steht gehobener Boulevard – man braucht also keine theaterwissenschaftliche Ausbildung, um einen Abend in Radestocks Kleiner Komödie zu goutieren.