Liebfrauenkirche Schotten

Im Stadtzentrum Schottens, in der Kirchstraße, recken sich die Türme der evangelischen Liebfrauenkirche empor. Die Ursprünge der gotischen Kirche liegen um 1330. Es heißt, an dem Ort der früheren Marienkapelle haben sich Wunder ereignet und die Kapelle wurde Wallfahrtsort. Zwischen 1350 und 1485 wurde die Glaubensstätte zu einer Hallenkirche massiv erweitert.

Baulich betrachtet ist die Kirche spannend und interessant. Die dreischiffige Hallenkirche von vier Jochen hat kein Querschiff. Der Westbau war zweitürmig geplant, erhielt diese Türme aber nicht. Der ältere Ostteil wird von einem hohen Vierungsturm beherrscht. Der Westteil weist den schlichten gotischen Stil auf, wohingegen der Ostteil eher gewaltig wirkt.

Noch mehr fasziniert die Liebfrauenkirche im Inneren. Hier ist einer der wichtigsten Kulturschätze des Vogelsbergs zu finden, der 16 Szenen darstellende Marienaltar. Gemalt wurde der Marienaltar um 1385 von einem namentlich nicht bekannten Künstler, der aufgrund dieses ausdruckstarken Werkes Schotten-Meister genannt wird und künstlerisch der spätgotischen Malerei des Mittelrheins zugeordnet wird.

Die 16 Bildtafeln des Marienaltars zeigen jeweils zwei Szenen, die intensiv und individuell angelegt sind. Die acht Bildtafeln auf der Innenseite des Altars beschäftigen sich mit der Kindheitsgeschichte Jesu, umgeben von der seiner Mutter Maria. Während der Passionszeit bleibt der Flügelaltar geschlossen und der Blick richtet sich auf die äußeren Tafeln, die die Passion Jesu zeigen. Die Mitte des Altars schmückt ein Schrein. Dort scheint die Muttergottes, eine um 1350 gearbeitete Schnitzfigur, mit freundlichem Blick und Krone zu wachen.

Ein weiteres Schmuckstück, nicht nur für die Augen, sondern auch für die Ohren, ist die Wegmann-Orgel aus dem Jahre 1782-83, die auf der Empore eines Lettners (lat. Ableitung von Lesepult) stand, der zur Abgrenzung des Chorraumes diente. Sie wanderte von der Süd- auf die Westempore. Die Wegmann-Orgel tönt aus 2.002 Pfeifen auf 31 Registern, davon sind noch sechs original. Ebenso original sind die Posaunenengel, die es auf den stilvoll mit wenig Gold verzierten Korpus bequemt haben.

Aus dem 14. Jahrhundert ist das Taufbecken, das auf romanischen Löwenfüßen ruht, eine Pieta und eine Madonna. Eine Kreuzigungsgruppe stammt aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, ebenso der Sakristeischrank.