Kyllburg

Wo eine Burg steht, ist meist ein Zank vorausgegangen. So auch in Kyllburg, dem Zentrum der Waldeifel. Die Zisterzienserinnen im Kloster St. Thomas wurden 1235 von Rudolph von Malberg bedrängt. Der war scharf auf die Besitzungen. Die Nonnen flüchteten zum Erzbischof nach Trier und baten um Hilfe. Jener war sich der Gefahr bewusst, denn hinter Rudolph steckte der Machthunger Luxemburgs. 1239 begann der Erzbischof mit dem Bau der Kyllburg, direkt gegenüber der Burg der Malberger, dem heutigen Schloss Malberg.

Von der Burg Kyllburg ist heute noch der stattliche Bergfried erhalten mit einer Höhe von 23m, verteilt auf fünf Geschosse und mit einer Aussichtsplattform obenauf. Ansonsten hat sich die Kyllburg im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Die einstigen Stallungen wurden um 1840 zu einer Schule umgebaut und der Erweiterung der Schule 1912 fiel der erst im 16. Jahrhundert gebaute Palas zum Opfer. Die Kyllburg ist heute in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Glasmaler, Kunst-, Architektur- und Kirchenfreunde bekommen dafür glänzende Augen beim Erkunden der gotischen Stiftskirche Kyllburg. Die im 13. Jahrhundert errichtete Stiftskirche gehört zum Kollegiatsstift St. Maria, das 1802 aufgehoben wurde. Heute „firmiert“ die Stiftskirche als katholische Pfarrkirche Unsrer Lieben Frau. Die 36m lange Hallenkirche ist lichtdurchflutet. Ein besonderer Kirchenschatz sind die Renaissancefenster im Chor. Die Bleiglasfenster wurden 1533-34 beauftragt und zeigen in herrlicher Farbenpracht die Anbetung des eben geborenen Jesus, Kreuzigung und Auferstehung.

Zur Ausstattung der einstigen Stiftskirche gehört ein aus Eiche geschnitztes Chorgestühl aus dem 14. Jahrhundert, das aus dem Kloster St. Thomas stammt. Das Kruzifix wird auf die Zeit um 1300 datiert. Eine steinerne Madonna wurde wohl in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gefertigt, mit dem Jesuskind, dem ein kleines Vögelchen in den Finger pickt. Die Krone, die das Marienhaupt ziert, ist aus dem 15. Jahrhundert. Es lohnt sich eine aufmerksame Besichtigung!

Fast so etwas wie eine mögliche Kulisse von Umberto Ecos „Im Namen der Rose“ liefert der Kreuzgang, der wie die Kirche selbst aus rotem Sandstein gebaut wurde. Durch eine unspektakuläre Pforte gelang man in das Quadrat des Kreuzgangs aus dem 14. Jahrhundert. An den Ostflügel ist das Kapitelhaus angebaut, in dem heute die Sakristei untergebracht ist. Im Kreuzgang befinden sich mehrere Grabsteine und Epitaphien.

Neben der ehemaligen Stiftskirche und der Burgruine gibt es ein drittes landschaftsprägendes Gebäude in Kyllburg: die evangelische Kirche. Die evangelische Kirche wurde 1900 nach Plänen des Trierer Architekten Reinhold Wirtz vor allem für Touristen erbaut, die in der katholisch geprägten Waldeifel Urlaub machten. Die evangelische Kirche in Kyllburg besitzt einen schlanken und im oberen Teil achteckigen Turm sowie ein flachgedecktes Kirchenschiff.

Oberhalb der evangelischen Kirche steht im Wald die Kyllburger Mariensäule. Die Mariensäule wurde 1886 als Aussichtsturm auf dem Rosenberg errichtet. Dine Kreuzweg mit sieben Stationen führt hinauf zur Mariensäule.