Kestert

Kestert am Mittelrhein hält für den Wanderer nicht nur schöne Aussichten ins Mittelrheintal, sondern auch ein gut ausgebautes Wegenetz bereit. Der Rheinsteig führt hier vorbei, und eine Reihe attraktiver örtlicher Rundwanderwege, von 6km bis 13km Länge, verbindet die Naturschönheiten des Ortes, wie die Pulsbachklamm mit dem sagenumwobenen Willweibsches-Loch. Einen steilen Aufstieg über 250 bis 300 Höhenmeter haben hier alle Wanderwege gemeinsam; dafür wird der Wanderer oben an den Aussichtspunkten, wie auf der Hindenburghöhe (345m) nördlich von Kestert, mit einem atemberaubenden Blick hinab auf der Rhein mit seinen steilen Hängen belohnt - und hinter ihm erheben sich die Höhenzüge des Blauen Ländchens.

Die Pulsbachklamm ist eine bemoost und mit Farnen bewachsenen Schlucht, die man auf schmalen Pfaden und Stegen parallel zum kleinen Pulsbach durchwandern kann. Einstiegspunkt ist die Mündung des Pulsbach in den Rhein bei Rhein-Kilometer 561. Der Weg durch die Klamm führt hinauf zum Rheinsteig, der einen rheinabwärts nach Kestert und rheinaufwärts nach Wellmich bringt.

In Kestert fällt die katholische St. Georg Kirche ins Auge. Das ursprüngliche Gotteshaus soll aus den Steinen eines heidnischen Tempels errichtet worden sein. 1437 brach in Kestert ein Brand aus; die alte Kirche sowie einige Wohnhäuser brannten ab. Um den Neubau zu finanzieren, griff Erzbischof Rabanus zu einer bewährten kirchlichen Finanzierungsmethode des Mittelalters: Er gewährte einen vierzigtägigen Ablass. Dadurch konnte 1498 eine neue Kirche errichtet werden, der 1778-79 ein weiterer Neubau – die heute noch bestehende Barockkirche – folgte. 1955 wurde das Kirchgebäude um ein Seitenschiff erweitert und modernisiert.

Kestert verfügt außerdem über eine Anzahl von Fachwerkhäusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Um diese Gebäude zu schützen, wurde eine Denkmalzone eingerichtet, die in der Borngasse, der Kirchstraße und der Schülergasse verläuft.

Kestert ist wie manch anderer Ort am Rhein heute kein klassischer Weinort mehr, sondern hat sich dem Obstanbau verschrieben. Insbesondere wurden Kirschen angebaut; es gab sogar eine bekannte Aprikosensorte mit dem Namen Kesterter Schafsnas. Das Obst wurde mit der Bahn bis nach Norddeutschland transportiert. Heute spielt die Landwirtschaft in Kestert allerdings kaum noch eine Rolle.