Kamp-Bornhofen

„Heirate keinen Flößer, da hast du deine liebe Not - im Sommer keinen Mann und im Winter kein Brot.“ Diesen Ratschlag gab einst der Pfarrer von Kamp-Bornhofen den jungen Frauen in der Flößer- und Schiffergemeinde an der Mittelrheinschleife. Zu Recht: Der Ort verfügte über zahlreiche Flößer; anno 1900 ernährte die Flößerei mehr als hundert Familien in Camp, wie Kamp-Bornhofen damals noch hieß. Aber in eisigen Wintern ruhte das Gewerbe, und es gab für die Flößer weder Arbeit noch Schlechtwettergeld.

Die Flößerei hat eine lange Tradition in Kamp-Bornhofen: Schon um 50 v.Chr. wurden hier Güter und Personen auf Flößen transportiert. Die Blütezeit der Flößerei auf dem Rhein begann allerdings im 17. Jahrhundert mit den sogenannten Holländerflößen, die auf einer Länge von bis zu 400m (!) und einer Breite von über 70m bis zu fünf Lagen Holz transportierten. Um diese schwimmenden Inseln zu bändigen, waren 500 Männer erforderlich, die während der Fahrt in Hütten auf dem Floß wohnten. Hauptabnehmer von Floßholz war Holland, das riesige Mengen Stammholz für Schiffs- und Städtebau benötigte.

Alles Wissenswerte zur Geschichte der Flößer und Schiffer in Kamp-Bornhofen wurde im Flößer- und Schiffer-Museum zusammengetragen, das gegenüber vom Schiffermast bei Rheinkilometer 568,6 liegt. An gleicher Stelle, nämlich in den Räumlichkeiten des Rathauses in der Rheinuferstraße, befindet sich auch das Heimatmuseum der Stadt. Beide Museen werden ehrenamtlich betrieben und haben daher begrenzte Öffnungszeiten.

Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Kamp-Bornhofen liegen südlich außerhalb des Ortskerns: die Burgen Liebenstein und Sterrenberg mit der Streitmauer sowie das Wallfahrtskloster Bornhofen.

Im Ort selbst wurden aufgrund vieler historischer Gebäude gleich drei Denkmalzonen eingerichtet, deren Wohngebäude und Adelshöfe teilweise bis ins 15. Jahrhundert zurückdatiert werden können: In der Kreuzstraße, der Rheingasse und der Rheinuferstraße. Denkmalgeschützt ist außerdem der Bahnhof von Kamp-Bornhofen, ein spätklassizistisches Gebäude aus 1865.

Auch die Kirchen von Kamp-Bornhofen sind einen Besuch wert: In der Rheinuferstraße finden sich Reste der ehemaligen Kloster- und Pfarrkirche. Ihr West-Turm stammt aus 1870, der doppelgeschossige Anbau aus dem 15. Jahrhundert. Gleich daneben finden sich ehemalige Klostergebäude aus dem 18. Jahrhundert. In der Erzbischof-Roos-Straße steht die heutige katholische Pfarrkirche St. Nikolaus, eine Pfeilerbasilika im neuromanischen Stil, die 1902-04 erbaut wurde. In ihrer Inneneinrichtung sind frühgotische und spätgotische Elemente sowie zahlreiche Kunstgegenstände zu finden, wie eine Kreuzigungsgruppe von 1716 und eine Nikolausstatue von ca. 1700.

Auf einer Anhöhe nördlich von Kamp-Bornhofen liegt auf 236m ü. NN die ehemalige Domäne Marienberg, ein denkmalgeschütztes, teilmassives Fachwerkhaus aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Als Domäne bezeichnet man eine im Eigentum des Staates stehende größere ländliche Besitzung.

Sehenswert ist der Kamp-Bornhofener Rheinhang, der sich rechtsrheinisch auf einer Länge von 4km vom Bornhofener Bachtal bei Kloster Bornhofen bis zur Filsener Lei erstreckt. Der Rheinhang fällt nach Süd und Südwest hin ab, wodurch die Sonne in einem günstigen Winkel auf diesen Bereich scheint und Voraussetzung für die Ansiedlung wärmeliebender Tier- und Pflanzenarten schafft. Am Hang wechseln sich natürlich gewachsene Strukturen wie Felsen und Trockenrasen mit Weinbergen und Obstgärten ab und schaffen ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Der Naturlehrpfad Mittelrhein führt von Kamp-Bornhofen aus über den Rheinhang und die Filsener Lei (241m) nach Filsen.

Einen herrlichen Ausblick hat man von der Allee der Bäume des Jahres aus, die vor einigen Jahren angelegt wurde. Auch hier sind wie am Naturlehrpfad Mittelrhein Lehrtafeln angebracht, die über die jeweilige Baumart informieren. Die Allee ist über den Fuhrweg zu erreichen. Und wer schon hier am Rhein entlang schlendert, besucht gleich noch die neu gestaltete Rheinanlagen mit dem Grenzsteinlehrpfad.

Östlich von Kamp-Bornhofen steigt das Gelände vom Rheintal aus an. Hier erheben sich im Kamper Wald der Pfählsberg (292m) und noch weiter in Richtung der Dreispitz (378m). Einen Panoramablick über die Landschaft bei Kamp-Bornhofen bietet die Wilhelmshöhe südöstlich von Kamp: Im Westen setzt der Mittelrhein zu seiner größten Schleife an, im Süden liegen das Wallfahrtskloster Bornhofen sowie die Feindlichen Brüder, Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein, und im Osten erhebt sich der Hintertaunus zum Blauen Ländchen.