Köln-Dellbrück

Dellbrück ist ein Stadtteil von Köln und liegt im Stadtbezirk Mülheim auf der Schäl Sick. Die erste urkundliche Erwähnung war 1322 im Zusammenhang mit dem Ortsteil Thurn, damals Familiensitz der Ritter von Thurne. Die Ritter lebten auf dem Thurner Hof direkt an der Strunde, damals allerdings noch in Form einer sehr einfachen Turmhügelburg.

Als Herrenhaus im Fachwerkstil entstand der Thurner Hof im 16. Jahrhundert auf den Grundmauern älterer Gebäude. Die hohen Hauptgeschosse besitzen kreuzstockartige Fensteröffnungen, wie dies für bergische Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert typisch ist. Auf Kölner Stadtgebiet ist das aber wohl einzigartig. Im unteren Geschoss wurde im 18. Jahrhundert ein Saal mit größeren Fenstern und Stuckdekor eingefügt. 2010-13 erfolgt eine große Sanierung des Thurner Hofs.

Der Thurner Hof ist umgegeben von einer Gartenanlage, die als Lehrgarten der Volkshochschule Köln dient. Hier wachsen alte Pflanzenarten, wie es sie auch im Mittelalter gab. Die Pflege erfolgt auf ehrenamtlicher Basis. Der Thurner Garten besteht aus einem ehemaligen Wehrgraben, Bauerngarten und Streuobstwiese. Aus dem wieder gefluteten Wehrgraben ist ein Biotop entstanden, in dem geschützte Pflanzen wie Gelbe Teichrose und Weiße Seerose wachsen; auch Fischreiher und Eisvögel auf der Jagd nach Fischen kann man hier antreffen.

Hinter dem Thurner Hof liegt eine Kleingartenanlage auf der Iddelsfelder Hardt. Das hier entdeckte Gräberfeld auf der Iddelsfelder Hardt entstand in der Hallstattzeit im ersten Jahrtausend v.Chr. und gilt als größtes und am besten erhaltenes Gräberfeld zwischen den Flusstälern von Sieg und Wupper. Aus dieser Zeit stammen auch die ausgegrabenen Rennöfen, mit denen in der Hallstattzeit Eisen verhüttet wurde. Allzuviel sehen kann man allerdings nicht.

Mehr zu sehen gibt’s, wenn man den Ostfriedhof passiert hat und Gut Mielenforst erreicht. Gut Mielenforst ist eine vierseitige Hofanlage, die aus Remisenflügel im Westen, Stall- und Lagergebäuden im Norden, großem Rinder- nebst Schafstall im Osten und Pächter- und Gesindehäusern und Futtermühle im Süden besteht. An der Südwestecke liegt das Herrenhaus, das 1883-85 im Stile der Neorenaissance errichtet wurde. Der verputzte Bau mit Rotsandsteindetails besitzt einen Turm an der Südwestecke. Heute dient Gut Mielenforst als Wohnhaus und steht unter Denkmalschutz.

Geht man von Gut Mielenforst den Dellbrücker Mauspfad nach Norden, kommt man nach guten 2km ans Naturschutzgebiet Dellbrücker Heide. Auf dem 40ha großen Gelände unterhalb des Höhenfelder Sees befand sich einst ein Truppenübungsplatz, so dass die Heidelandschaft bei Dellbrück von den Aufforstungs-Maßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg verschont blieb. Dadurch entstand in der Dellbrücker Heide eine bemerkenswerte Artenvielfalt. Neben seltenen Pflanzen wie Heidekraut, Silbergras und Berg-Sandglöckchen sind hier gefährdete Tierarten wie Blauflügelige Zauneidechse, Schwalbenschwanz und Kreuzkröte anzutreffen.

Östlich der Dellbrücker Heide erstreckt sich im Übergang in die Paffrather Mulde das Naturschutzgebiet Thielenbruch mit dem Thurner Wald. Hier befindet sich das einzige Kalk-Niedermoor auf den Bergischen Heideterrassen, die sogenannte Katharinenkammer. Der seltene Lebensraum bietet einen wertvollen Zufluchtsort für bedrohte Arten. Unter anderem leben hier die Bauchige Windelschnecke und die Helm-Azurjungfer, eine von zwölf Libellenarten im Naturschutzgebiet Thielenbruch.

Thielenbruch heißt auch die Wohnlage, die direkt ans Naturschutzgebiet grenzt. Hier befindet sich das Straßenbahn-Museum Thielenbruch. Es wurde 1997 in einer ehemaligen Wagenhalle des Betriebshofes Thielenbruch aus dem 19. Jahrhundert eröffnet. Die Ausstellung veranschaulicht auf 2.500qm die Geschichte der Kölner Straßenbahnen. Zu den Exponaten gehören mehr als zwanzig historische Straßenbahnfahrzeuge, Modelle, Fotos, Pläne, Dokumente und mehr. Kinder dürfen einen Teil der Exponate sogar anfassen und ausprobieren, wie den Tram-Simulator oder die ausrangierten Stromabnehmer. Allerdings: Das Museum ist nur zwei Mal im Monat für wenige Stunden geöffnet.

Für musikalische Ausflügler lohnt sich übrigens ein Besuch in Dellbrück vor allem im Herbst: Dann wird auf der Hauptstraße die Dellbrücker Jazz-Meile eröffnet, die als eines der größten Straßenfeste von Köln gilt.