Hornau (Kelkheim)

Der Kelkheimer Stadtteil Hornau liegt nördlich des Zentrums. Durch den Ort fließt der Liederbach, der bei Königstein entsteht und bei Höchst in den Main mündet. Oberhalb von Hornau wurde bei der Liederbacher Fuchshöhle (Gagernhöhl) ein Steg über den Liederbach gebaut. In der Fuchshöhle, so die Sage, habe sich der geschlagene Minnesänger Heinrich von Ofterdingen nach dem Sängerkrieg auf der Wartburg (1206) aufgehalten und seine traurigen Lieder hätten dem Bach den Namen gegeben.

Es war aber wohl so, dass Friedrich von Gagern (1794-1848) die Liederbacher Fuchshöhle aus dem Fels klopfen ließ, um einen Ort der Meditation zu haben. Friedrich war ein General und fiel seinem Beruf zum Opfer. Den Gagerns begegnet man in Hornau fast auf Schritt und Tritt, insbesondere auf dem 2km langen Gagern-Rundweg, der durch Hornau führt und an Stationen die Familiengeschichte und die Geschichte Hornaus erzählt.

Bruder von Friedrich war Heinrich von Gagern (1799-1880), der einen Teil der frühen deutschen Geschichte mitschrieb, da er 1848 der erste Präsident der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche war, das erste frei gewählte Parlament auf deutschem Boden. Heinrich von Gagern gehörte der Casino-Fraktion an, die sich gemäßigt liberal bis nationalliberal positionierte.

Im Ortskern von Hornau wird die Erinnerung an die Familie an der Gagernanlage wach gehalten, dem Gagernhaus und den Gräbern auf dem Friedhof. Das Gagernhaus wurde vor 1830 im klassizistischen Stil erbaut und ist das ehemalige Gesindehaus des früheren Hofgutes der Freiherrn. Es steht südlich der alten Martinskirche, die Teil des Gebäudekomplexes war.

Die alte Martinskirche ist das älteste Gotteshaus der Stadt Kelkheim und entstand 1725. Der schlichte Saalbau wurde 1952 profaniert (entweiht), nachdem die neue Martinskirche, auf der anderen Seite des Baches, von den Gläubigen bezogen werden konnte. Heute wird die alte Martinskirche als Saal für Veranstaltungen, wie Ausstellungen oder Lesungen genutzt.

Die Neue Martinskirche entstand als runder Zentralbau mit rechteckigem Eingangsbereich und einem gestreckten Chor. Der Bau hat ein 16seitiges Zeltdach und besteht aus unverputztem Mammolshainer Bruchstein. Der schmucke Kirchbau wurde zu großen Teilen von den Bürgern realisiert. Gegenüber erinnern die Gagernsteine an den Freiherrn von Gagern und an seine Frau Charlotte und deren zehn (!) Kinder.

Das älteste Gebäude in Hornau steht im alten Kern mit dem Kopfsteinpflaster in der Hornauer Straße 134. Das hübsche Fachwerkhaus stammt aus dem Jahr 1568 und befindet sich in Privatbesitz.

In Privatbesitz ist auch das Technikum29, Am Flachsland. Das einmalige Technikmuseum im Rhein-Main-Gebiet bietet einen Überblick von lochstreifengesteuerten Musikautomaten über Telegrafie, TV und Fax, Schreibautomaten bis zum tonnenschweren Rechenzentrum. Für einen Besuch muss man einen Termin machen, am besten als Gruppe, Eintritt für Erwachsene sei eine Flasche Rotwein im unteren Preissegment, heißt es.