Herzkämper Mulde

Im Süden von Sprockhövel liegt der Stadtteil Gennebreck und der besteht aus dem Kirchdorf Herzkamp mit der evangelischen Kirche aus dem Jahr 1862 und 28 Ortschaften, Höfen und Ackergebieten. Kleine Hausansammlungen, die bisweilen phantastische Namen wie Neu-Amerika oder Sankt Moritz pflegen, wenn sie sich nicht der eher heimatlichen Scholle nahe benannt haben, wie Kuxloh oder Lohbusch oder Alter Schee.

Die Herzkämper Mulde oder auch Herzkamper Mulde liegt zwischen Gennebreck und Obersprockhövel in einer Senke und wird heute überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Die Herzkämper Mulde zählte zu den ältesten Steinkohleabbaugebieten an der Ruhr. Durch die Mulde fließt der 13km lange Felderbach, der bei Wuppertal-Mollenkotten entspringt und in Velbert-Nierenhof in den Deilbach mündet. Die Kohleflöze der Herzkämper Mulde zogen sich bis an die Erdoberfläche, was den frühen Abbau förderte. Der lässt sich bis ins Jahr 1450 zurück verfolgen.

Wer die Herzkämper Mulde durchstreift wird unter anderem die Spuren der Zechen Buschbank und Sieper & Mühler zwischen Am Bischof und Neu-Amerika erahnen können, wobei die Pingen und Halden von der Natur zurückerobert worden sind. Das Bergwerk Hüttenbank lag bei Sankt Moritz. In der Herzkämper Mulde finden sich auch Stollenmundlöcher des Herzkämper Erbstollens (1773) oder des Kreßsieper Erbstollens (1731). Der Herzkämper-Mulde-Weg führt als Rundweg durch die Bergbauhistorie. Auf einer Länge von knapp zehn Kilometern macht er Halt an vielen Sehenswürdigkeiten, wie in der alten Zollortschaft Alter Schee, die ihre urkundlichen Ursprünge als Hofgut im Jahr 1130 hat.

In Alter Schee befand sich ein Zollkontor. Auf Waren, die zwischen der Grafschaft Mark und dem Herzogtum Berg grenzübschreitend gehandelt wurden, entfiel eine Abgabe. Alter Schee besaß einen Verladebahnhof an der Bahnstrecke Wuppertal-Wichlinghausen-Hattingen und der Bahnstrecke Schee-Silschede. Alter Schee liegt am östlichen Rand der Herzkämper Mulde. Es fällt auf, dass hier einiges Schee heißt. Schee leitet sich von Scheid ab und weist auf die Wasserscheide der Flusssysteme von Ruhr und Wupper hin.

Südlich des Ortes steht das Nordportal des 721m langen Scheetunnel. Er wurde 1884 zweiröhrig durch einen Höhenzug gegraben. Der Scheetunnel teilt seine Geschichte mit zahlreichen anderen unterirdischen Anlagen, denn er wurde auch als Untertage-Verlagerung im Zweiten Weltkrieg umfunktioniert, hier unter dem Decknamen Kauz. Teile des Turbinenjägers Messerschmidt Me 262 wurden 1944-45 im Scheetunnel montiert. Zum Zweck des Fledermausschutzes wurde eine Röhre zugemauert und ist nicht begehbar. Künftig soll die Nutzung des Tunnels dem Vergnügen dienen - als Rad- und Wanderweg.

Die Bahnstrecke Wuppertal-Wichlinghausen-Hattingen wurde 1884 als Kohlebahn eröffnet und bei Alter Schee 1979 stillgelegt. Hier befindet sich der ehemalige Bahnhof Schee nahe des Nordportals des Scheetunnels. Aus dem Jahr 1886 stammt das Empfangsgebäude. Ein Privatmann hat sich des Baudenkmals angenommen, es aufwändig saniert und mit Wohneinheiten bestückt.

Östlich von Herzkamp findet sich der Golfclub Juliana und auf dem Weg dorthin kann man sich in die Straße Großen Siepen begeben und kommt bei der Hausnummer 3 an der Hofanlage Großer Siepen vorbei. Der Hof am Hilgenpütt hatte bereits im Mittelalter Bedeutung und seine Wurzeln gehen bis ins Jahr 1501 zurück. Leider brannte das Hauptgebäude 1913 nieder. Einige Fachwerkzeugen blieben erhalten, wie das Speicherbackhaus. 1501 entstanden und Garnkasten genannt, erhielt es später einen Backofen.

Die quertennige Fachwerkscheune stammt aus dem Jahr 1507, der Kornkasten oder auch Haferkasten trägt das Datum 1597. Jünger ist das sogenannte Altenteiler-Fachwerkwohnhaus aus dem Jahr 1695. Altenteil kann man wörtlich nehmen, denn es fiel unter die Regelung der Altersversorgung. Die Baudenkmalliste führt zeitlich ins 19. Jahrhundert mit dem Bleicherhaus und einer Hofanlage, die vom Golfplatz Felderbach umschlossen ist. Ja, richtig, zwei Golfplätze gibt es im nordöstlichen Teil der Herzkämper Mulde und nördlich des Waldgebietes Hilgenpütt.

Das Waldgebiet Hilgenpütt liegt südlich von Sprockhövel und nördlich der Wasserscheide von Wupper und Ruhr. Der Name setzt sich vermutlich aus den Teilen Hilgen für heilig und Pütt für Lache, Tümpel oder Brunnen zusammen. Eine heilige Quelle ist hier allerdings nicht eingefasst, wobei einige Bächlein von hier dem Felderbach zufließen. Zwei Rundweg führen durch den Hilgenpütt, der Wuppertaler und der Gennebrecker Rundweg und einige Ortswanderwege durchziehen den Wald.