Hagen-Vorhalle

Vorhalle ist seit 1929 ein Stadtteil von Hagen. Bekannt ist Vorhalle u.a. durch Schloss Werdringen mit dem Museum für Ur- und Frühgeschichte, die Ziegeleigrube Vorhalle, dem Freiherr-vom-Stein-Turm auf dem Kaisberg (185m) und natürlich dem großen Rangierbahnhof Vorhalle. Harfenseitengleich spannt sich hier am Fuße des Kaisberg ein Schienennetz ortsbildprägend in die Landschaft.

Der Rangierbahnhof Hagen-Vorhalle wurde 1849 unter dem Namen Bahnhof Herdecke eröffnet. Als Industriemotiv lockt der große Rangierbahnhof viele Bahnbegeisterte und Fotografen an, die die Eisenbahnschienen in Szene setzen. Um sich die Menge an Eisen vorzustellen, die sich durch die Landschaft zieht: der Bahnhof hat elf Einfuhrgleise, zwei Berggleise, die der Sortierung der zahlreichen Güterwagen dienen sowie vierzig Richtungsgleise, auf denen die Güterwagen zu Zügen in die gewünschte Fahrtrichtung gebildet werden.

Wer sich von diesen Verkehrsadern loseisen kann, macht einen Abstecher gen Osten zur Ziegeleigrube Vorhalle. Die Ziegeleigrube Vorhalle ist eines von 77 Nationalen Geotopen in Deutschland. Die Ziegeleigrube Vorhalle ist ein ehemaliger Steinbruch der Vorhaller Klinkerwerke und gilt als die reichhaltigste Fundstelle fossiler Pflanzen weltweit. Große Beachtung fanden die sehr gut erhaltenen Fossilien von Spinnentieren und Insekten. Da gab es vor Urzeiten so interessante Fluginsekten der Urnetzflügler und riesige Libellen, Einhornhaie und Quastenflosser.

Der Einhornhai durchpflügte die Urmeere vor rund 320 Millionen Jahren und er ist ein Vorgänger der heutigen Haie. Er zeichnete sich durch einen Stachel im Nackenbereich aus. Das Skelett des Einhornhai-Fossils aus der Ziegeleigrube, eines von weltweit nur zwei Exemplaren, misst 1,54m. Übrigens ist das Tier in Stein in Vorhalle ein Weibchen– was man nicht alles feststellen kann!

Nachdem die Ziegelproduktion 1989 eingestellt und haufenweise Bauschutt gelagert wurde, konnten die Schichten mit den Fossilien wieder freigelegt werden. 16.000 Funde konnten 1990-97 gesichert werden, deren Auswertung noch anhält. Zu finden sind die Zeitzeugen in Stein im LWL-Museum für Naturkunde in Münster und im Museum für Ur- und Frühgeschichte im Wasserschloss Werdringen ausgestellt.

Von der ehemaligen Ziegeleigrube Vorhalle aus in Richtung Süden, lädt das Naturschutzgebiet Funckenhauser Bachtal Wanderlustige ein, den Bacherlen-Eschenwald und die Feuchtwiesen zu erkunden. Eine Teilstrecke des Jakobswegs führt durch das idyllische Tal.

Im nahegelegenen Funckenhausen steht das sehr hübsche Gutshaus Funckenhausen, das einst Sporbeck genannt wurde und aus zwei Gütern bestand, die 1421 zusammengelegt wurden. Das Gutshaus ist der Stammsitz der Familie Funcke und wurde 1713 erbaut. Der Giebel wird als einer der schönsten Fachwerkgiebel der Renaissancezeit in der Region betrachtet. Auf dem Gutsgelände ist heute u.a. eine Kindertagesstätte untergebracht

Ein weiteres Relikt der Vergangenheit ist der Kornkasten oder Haferkasten auf Funckenhausen. Das „Hexenhäuschen“ wurde 1665 gebaut. Dass ein Kornkasten separat vom Gut stand, geschah aus weiser Voraussicht, denn im Falle eines Brandes des Haupthauses konnte der Getreideertrag verschont bleiben. 2002 erhielt das Häuschen auch wieder ein Steindach.

Zwei Kirchen prägen den Stadtteil Hagen-Vorhalle. Die katholische Liebfrauenkirche wurde 1912 eingeweiht. Sie entstand im neuromanischen Stil. Im Ort schon vorhanden war die evangelische Kreuzkirche aus dem Jahr 1903. Sie ist erkennbar an dem vorgelagerten Turm über dem Haupteingang und dem hohen, spitzen Helm.