Gevelsberg

Gevelsberg ist eine Stadt im Ennepe-Ruhr-Tal und liegt etwa auf halber Strecke zwischen Wuppertal und Hagen. Die Ursprünge von Gevelsberg reichen zurück bis in die Steinzeit. Am Engelberttunnel erzählen Bronzetafeln mit Wappen und Daten die Kurzgeschichte von Gevelsberg.

Wirtschaftlich betrachtet ist das ehemalige Dorf Gevelsberg eine Industriestadt, in der entlang der Ennepe vorwiegend Kleineisenindustrie am Werke war. Heute findet sich am Flusslauf der Ennepestrand, auch genannt Ennepebogen. Eine ehemalige innerstädtische Industriebrache wurde für Erholungssuchende in einer Biegung der Ennepe grundsätzlich aufgepäppelt, mit Wegen, Wiesen und Bäumen sowie Sitzmöglichkeiten und einer Skateranlage.

Die Einkaufsader in Gevelsberg ist die Mittelstraße. An ihr liegt auch das Bürgerzentrum, worin die Volkshochschule ihre Aus- und Weiterbildungen anbietet, zudem ist das Bürgerzentrum Sitz zahlreicher Vereine. Das Bürgerzentrum war früher eine Schule. Der stattliche Bau mit drei Geschossen plus Dachgeschoss hat neun Achsen und wird durch sein Mittelrisalit und die Rundbogenfenster geprägt.

Auffällig in Gevelsberg ist das Stadtlogo, aufgrund seiner Gestaltung auch Stadtharfe genannt. Das harfenähnliche begehbare Kunstwerk steht auf der Ennepebrücke und im Dialog mit dem zweiten Kunstwerk: „Zeitschichten“ im Stadtgarten.

Die ehemalige Brennerei Saure in der Elberfelder Straße 39 ist ein Ensemble aus dem Jahre 1888 mit Produktionshallen, Pferdestall und dem Wohnhaus der Brennerei. Die Gebäude zeigen sich in Backstein- und Schieferoptik. Dabei fällt die Brennerei durch die sehr schön gegliederte Fassade auf. Das Schieferhaus, als Wohn- und Wirtsgebäude der Kornbrennerei, stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1843.

Das Stiftamtmannshaus stammt aus der Zeit um 1780. Das geschieferte Haus mit den grünen Schlagläden und dem geschweiften Giebel repräsentiert den bergischen Barock und liegt am Hang über der früher so genannten Stiftsfreiheit und markiert den historischen Kern von Gevelsberg. Die Entstehung des Stifts ist mit dem ungeklärten Totschlag oder Mord an Erzbischof Engelbert von Köln verbunden, der sich im November des Jahres 1225 nahe Gevelsberg ereignete. 1230 gründeten Zisterzienserinnen in der unmittelbaren Umgebung ein Sühnekloster, das 1577-1812 ein Damenstift war.

Dem toten Erzbischof Engelbert begegnet man häufiger in Gevelsberg, als Tunnel wie erwähnt und als Denkmal in der Elberfelder Straße/Ecke Im Stift. Das Engelbertdenkmal ist ein großes Sandsteinmonument, das 1925 im Stil der Neuen Sachlichkeit entstand.

Im Stift 6 befindet sich das neue Äbtissinnenhaus. Das zweigeschossige geschieferte Haus mit dem Sockel aus Bruchstein entstand 1805 im Stil des Klassizismus. Nur drei Hausnummern weiter steht das alte Äbtissinnenhaus. Es ist das ehemalige Konventhaus des Klosters der Zisterzienserinnen und des bereits beschriebenen späteren Damenstifts. Das Fachwerkhaus mit zwei Geschossen birgt ein älteres Hinterhaus und ein jüngeres Vorderhaus. Die Bauzeiten werden mit 16. und 17. Jahrhundert angegeben.

Bleiben wir spirituell und wenden uns vom Im Stift wieder in die Elberfelder Straße 16. Hier entstand 1826-30 nach Abriss der Stiftskirche die evangelische Erlöserkirche. Der fünfachsige klassizistische Saalbau mit östlichem Turm war in der Folgezeit Veränderungen unterworfen, wie beispielsweise das Vermauern der Rundbogenarkaden um den Hauteingang herum und einer Innenraumgestaltung im Zeitgeist von 1950.

Apropos Geist und Rundbögen – das führt den Stadtwanderer vielleicht zur ehemaligen Kornbrennerei Niedernberg und Krüner in der Hagener Straße, in den Nordosten von Gevelsberg, nahe der Ennepe. Das stattliche Fabrikgebäude aus Backstein mit dem hohen Schornstein, den zahlreichen Rundbogenfenstern und Gestaltungselementen stammt aus dem Jahr 1888. Die Anlage besteht aus der ehemaligen Brennerei, dem Abfüllbetrieb und dem Verwaltungsgebäude. Zeitweilig wurde hier auch Hefe produziert. Bis 1990 wurde im Familienbetrieb die Brennerei geführt. Heute sind hier Seniorenwohnungen und ein öffentliches Café.

Die Villa Niedernberg aus dem Jahr 1904 liegt gegenüber in einem Park. Im Stil der Deutschen Renaissance wurde das verputzte und hübsch gestaltete Haus errichtet, mit Fachwerkelementen, einem Eckturm mit welscher Haube, Loggien und Giebel, neugotischen und dekorativen Elementen. Eine schmucke Bleibe!

Geht man nun von dort aus auf der Hagener Straße in südlicher Richtung, gelangt man zum Kruiner Tunnel. Der Tunnel misst 89m und hindurch führt die Ennepetalbahn sowie die Bundesstraße 7. Der Kruiner Tunnel wurde 1846 begonnen und 1882 in Betrieb genommen. Die Ennepetalbahn verband ursprünglich Hagen und Gevelsberg-Haufe, wurde dann aber bis nach Voerde ausgebaut. Die dort fahrenden Züge, vor allen Dingen die Schienenbusse des ÖPNV, wurden Teckel genannt. Teckel meint in der Jägersprache den Dachshund (Dackel). Der Teckel war das Verkehrsmittel für Schüler, Arbeiter und Stadtreisende, denn die Linie führte ähnlich wie eine S-Bahn durch die Zentren. Die Ruhrtalbahn betreibt die Linie Teckel jeweils am ersten Sonntag im Monat von April bis Oktober nostalgisch zwischen Herdecke, über Hagen und Gevelsberg nach Ennepetal.

Liebhaber der historischen Eisenbahn- und Verkehrsarchitektur bekommen westlich des Gevelsberger Ortskerns ein weiteres Mal Nostalgie zu sehen. Im Stefansbachtal, wobei der Bach Stefansbecke heißt, liegt das Eisenbahnviadukt Stefansbach im gleichnamigen Erholungspark-Gelände. Das Viadukt gehört zur stillgelegten Strecke Witten-Schwelm. Die fünfbogige Brücke über den Bach wurde 1911 als Quadermauerwerk errichtet. Neben einen Schwimmbad und einem Stadion bietet das Stefansbachtal Rad- und Wanderwege durch die Täler des Bergisch-Märkischen Hügellands. Eine Streckenführung des Jakobsweges führt ebenfalls durch Gevelsberg.