Evangelisch-reformierte Kirche Wölfersheim

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Boah! Den etwas undifferenzierten Ausruf hört der Wölfersheimer sicher öfter aus Kehlen von Menschen, die unvermittelt vor der Südfassade der evangelischen Pfarrkirche in der Kirchgasse stehen. Es schaut aus, als wolle dieses Prachtgebäude ein Schloss oder einen königlichen Amtssitz darstellen. Umrundet der Wanderer das Monument, gelangt er zu den offenen Maueransichten und dem alten dicken 37m hohen Turm auf der Nordseite, der das Gebäude als Gotteshaus ausweist, wobei der untere Teil des Turms eines Teil einer Stadtbefestigung war. Zuvor soll hier eine Burg gestanden haben. Unterirdische Wehrgänge und ein Brunnen wurden zugemauert. Die Vorgängerkirche hieß Antoniuskapelle.

Die evangelische Pfarrkirche im kleinen Wölfersheim ist eine der größten barocken Saalkirchen Deutschlands. Hier zeigt sich die protestantische Raumaufteilung und Ordnung eines Predigtortes, wo das Wort Gottes im Mittelpunkt steht und der Pastor von der Kanzel oder vom freistehenden Altartisch aus, auf dem heute noch die Lutherbibel aus dem Jahre 1739 liegt, die gesamte Gemeinde im Blick hat. Die spätbarocke querschiffige Saalkirche entstand in zwei Bauphasen ab 1717.

Ein Hängewerk trägt über 14m Spannweite, die gesamte Decke, die ohne Stützen auskommt! Die Südfassade, mit einem fantastisch ausgeschmückten Hauptportal, das durch vier Säulen gerahmt und worauf ein Spitzbogenfeld gesetzt ist, fällt optisch ins Auge, auch durch die zweiarmige Treppe, die hinauf führt. Die Dreigliederung der Fassade mit den Seitenportalen gibt dem Gebäude etwas monumentales. Die Säulen und Einfassungen sind aus Rockenberger Sandstein. Sandstein bedeckte auch einst den Kirchenboden im Inneren. Der wurde bei einer Renovierung 19979-81 gegen weinroten Marmor ersetzt.

Die zweigeschossige Kanzelwand aus Holz trennt im Innern den Gemeinderaum vom Sakristeianbau. Gegenüber der Kanzel saß die Prominenz. Hier war die Fürstenloge, heute erklingt von dort die Orgel. Es ist die zweite Orgel der Kirche. Die erste befand sich zuvor an der Kanzelwand, doch in sie fuhr über den Turm der Blitz 1875. An den beiden kurzen Seiten des Saals sind Bank-Emporen.

Auf diesen saßen früher die Männer, denn es hat eine feste Sitzordnung gegeben damals, nach ständischer Vorstellung - jeder an seinen von Gott zugeteilten Platz. Die Gerichtsschöffen und Kirchenältesten saßen in den langen Bänken an den kurzen Seiten des Saals. Fürsten in die Loge, die Männer nach oben, die Frauen ins Parterre. Die nächste Einteilung war die Reihenfolge nach Alter. Wie das wohl heute an einem ganz normalen Sonntagvormittag aussehen würde?