Ediger (Ediger-Eller)

Rund tausend Menschen leben an der hübschen Moselschleife in der Ortsgemeinde Ediger-Eller, das erstmalig urkundlich 636 erwähnt wurde. Auch aus keltischen und merowingischen Zeiten sind Spuren belegt. 2010 wurde Ediger-Eller als schönster Ort in Rheinland-Pfalz gekürt im Bundesentscheid des Wettbewerbs Unser Dorf hat Zukunft und mit einer von acht Goldmedaillen ausgezeichnet.

In Ediger überragt die katholische Pfarrkirche St. Martin das Panorama mit ihrem außergewöhnlich detailreich gestalteten achteckigen Helm auf dem Glockenturm. Die katholische Pfarrkirche ist eine spätgotische zweischiffige Halle aus der Entstehungszeit um 1506 mit romanischen Ursprüngen. Das romanische Taufbecken wird auf 1100 datiert.

Im Innern der Martinkirche ist ein Altar aus der Barockzeit zu bewundern, ebenso wie eine Stumm-Orgel. Liebhaber der religiösen Kunst lockt das bekannte restaurierte Steinrelief Christus in der Kelter.

Ein Umgang verbindet die Chorseite der Kirche mit der Kirchpforte aus dem Jahr 1363 in der Stadtmauer, die rechteckig mit Trockengräben angelegt war. Die Erlaubnis, eine Stadtbefestigung zu errichten, erhielt Ediger ein Jahr zuvor. Wer der Mauer aufmerksam folgt, sieht eine Schießscharte, Reste eines halbrunden Turmes und einen halbrunden Schalenturm an der Nordostecke. Einst besaß die an manchen Stellen bis zu einen Meter dicke Mauer zwölf Türme. Es ist schon ein besonderes Erlebnis, durch die Mauern Edigers zu wandern, mit einigen charakteristischen Rundbögen, die sich auch in Bauten wiederfinden lassen.

Bei einem Stadtbummel kann es passieren, dass man Genickstarre bekommt, denn es gibt kaum einen Ort an der Mosel, der so viele wunderhübsche alte Fachwerkbauten, Adel- und Klosterhöfe zu bieten hat. Rund sechzig schmucke und teilweise recht große und hohe Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind bewundernswert, die Ausführung der Holzkonstruktionen, die Reliefs, Tür- und Fensterstürze sowie Haustüren, die mehr als 200 Jahre auf der Schwelle haben.

Das Haus der Psalmen, wo heute kulturelle Veranstaltungen angeboten werden, beherbergte früher die Judenschule. Die ehemalige Synagoge wurde durch einen Verein erhalten und renoviert. Das Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert und erhielt seine ursprüngliche neogotische Gestaltung zurück. Bedeutender Dachbodenfund und Schatz ist die Genisa, die Ablage für gebrauchte sakrale Gegenstände, wie religiöse Bücher aus dem 18. Jahrhundert, Torawimpel und anderes.

Folgt man dem Moselfluss in Richtung Nehren, kommt man zum 16ha großen Naturschutzgebiet Ediger Laach, das sich rund um einen Moselaltarm erstreckt und Rückzugsraum für seltene Pflanzen und Tiere ist.

Weiter flussaufwärts trifft man auf den Wohnturm Hofgut Lehmen, der direkt an der Bundesstraße B 49 zwischen Straßen und Weinbergen liegt. In der Nähe befindet sich das Römergrab von Nehren. Der Wohnturm der Herren von Lehmen wird erstmalig Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnt. Heute hat er vier Geschosse, mit einem Zinnenkranz abgeschlossen und ist circa 16m hoch. Der aus dem örtlichen Schieferbruchstein hochgezogene Turm hat zudem einen Kamin, war also Wehr- und Wohnturm.

Ebenfalls in Richtung Nehren liegt die Maria Einsiedeln Kapelle aus dem Jahre 1666. Sie ist ein Zeugnis der wohl nördlichsten Nachbildung der Maria Einsiedeln aus der Schweiz. Die Kapelle verfügt über eine Empore und eine Glocke im Dachreiter, die die Gläubigen zum Gebet rief. Der erste Besucher 1667 musste seinen Namen nach altem Brauch einritzen.