Dreieich-Park (Offenbach)

In Offenbach am Main liegt zwischen dem Dreieichring, der Park- und der Frankfurter Straße, der rund 4,3ha große Landschaftsgarten Dreieich-Park. Er ist mit seinen kleinen historischen Bauten und den Wegen, Teichen und Brücken ein beliebtes Naherholungsgebiet im Offenbacher Westend.

Der Dreieich-Park entstand im Rahmen der 2. Hessischen Landesgewerbeausstellung im Jahr 1879. Man pflanzte zahlreiche heimische und exotische Bäume und legte die Wege an. Auf dem damaligen unbebauten Areal stellten 800 Firmen aus, davon waren 238 aus Offenbach. Die große Schau schloss mit einem Einnahmeüberschuss ab und von dem wurde dann die Kunstgewerbeschule am Mathildenplatz gebaut, die heute „Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main“ heißt. Nach der Ausstellung wurden die Hallen wieder entfernt. Geblieben sind die bemerkenswerten Betonbauten als Zeugnis der Ingenieurskunst seiner Zeit.

Die „Cement-Arbeiten“ dienten dazu, die Möglichkeiten des damals neuen Baustoffs zu zeigen, die ohne Stahlbewehrung auskamen. Die Offenbacher Firma „Portland-Cementfabrik Feege und Gotthard“ hatte sie errichtet. Man sieht einen 16m langen Brückenbogen und einen Pavillon mit einem Kuppeldach, der wie ein kleiner Tempel wirkt sowie eine Treppe im Grün des Parks. Der Baustoff war erst 1824 patentiert worden. Da die Bauteile eigentlich nur für 3 Monaten Standzeit geplant waren, hatte man auch ohne Fundament gebaut. Spendengelder und die Stadtkasse machten den Erhalt bis heute möglich.

Auch ein Musikpavillon wurde erhalten, der allerdings zu Beginn des 20. Jahrhunderts erneuert worden ist. Ein weiteres sehr interessantes kleines Häuschen steht im Park am Rande zur Frankfurter Straße. Es ist ein Toilettenhaus, das um 1900 gebaut wurde. Das kleine damals öffentliche Örtchen ist ein eingeschossiger Massivbau mit einem rustikalen Sockel und Eckquaderungen. Sehr schmuck und auffällig ist das hohe Dach, ein sogenanntes Schiffskehldach. Das hat zusätzlich eine Entlüftungshaube und eine Fledermausgaube.

Nordöstlich im Park steht die Villa Jäger aus dem Jahr 1873 und ist damit älter als der Park. Erst mit der Anlage des Dreieich-Parks wurde sie integriert. Der zweigeschossige Backsteinbau mit Stilelementen des Neoklassizismus war eine kurze Zeit lang das Rosenheim-Museum, benannt nach dem 1931 in Offenbach geborenen Künstler Bernd Rosenheim. Aktuelle und zeitgenössische Kunst gehörten neben dem Werk Rosenheims zum Konzept und ein Künstlerpreis, der von der Rosenheim-Stiftung vergeben wird. Den gibt es immer noch.

Der Dreieich-Park war und ist ein hübsches Aushängeschild für das Leben und Wohnen der Oberschicht im Westend. Das rund 27ha große Viertel Westend entstand zwischen 1870 und 1914 und war die westliche Stadterweiterung in Richtung Ballungsraum Frankfurt. Nördlich bildet die Löwenstraße die Begrenzung, östlich die Ludwigstraße, im Süden und Westen wird das Gebiet von der Bismarckstraße und dem Dreieichring sowie der Frankfurter Straße und dem August-Bebel-Ring umschlossen. Im Westend finden sich einige gut erhaltene Bauten der Gründerzeit, Wohnhäuser und Villen, beispielsweise von Fabrikanten. Man sieht den Stil des Historismus mit neobarocken Elementen und Jugendstil.

Im Westend ist auch die Kaiser-Friedrich-Quelle in der Ludwigstraße zu finden. Sie war 1888 eine staatlich anerkannte Heilquelle. Es kam als therapeutisches Heilwasser zum Einsatz und mit Fruchtsäften gemixt als Limonade mit dem Namen Frischa. Die Quelle wurde 1990 aufgrund zu hoher Salzwerte geschlossen. Die Markennamen Kaiser-Friedrich-Quelle und Frischa gehören heute der Hassia-Gruppe.

Der Dreieich-Park gehört zum Offenbacher Anlagenring und der steht komplett unter Denkmalschutz. Zum Ring zählen die Straßen August-Bebel-Ring, Dreieichring, Isenburgring, Starkenburgring, Friedrichsring, Hessenring und Landgrafenring. Sie ziehen sich einmal um die Innenstadt herum. Die Initiative zu dem baumbestandenen Anlagenring für Spaziergänge geht auf das Jahr 1842 zurück. Insgesamt wurde der Ring zwischen den 1870er Jahren und 1938 umgesetzt. Ein Teil davon ab 1906 unter Leonhard Eißnert, nach dem östlich von Offenbach der Leonhard Eißnert-Park benannt wurde.

In der Nähe des südlichen Dreieichweihers und des Dreieichrings steht als ein sehenswertes Gebäude die Leibnitzschule. Das altsprachliche Gymnasium mit Latein als erster Fremdsprache entstand im Stil einer Schlossarchitektur. Der neobarocke Bau wurde 1909 errichtet mit zwei kurzen Seitenflügeln, dreigeschossig mit einem Uhrentürmchen und einem herrschaftlichen Portal sowie einer großen Freitreppe.