Drüggelter Kapelle

Dass historische Kirchen und Kapellen zu den Sehenswürdigkeiten im Sauerland zählen, ist nicht ungewöhnlich. Doch wenige sind so ungewöhnlich wie die Drüggelter Kapelle. Die Drüggelter Höfe, auf deren Gebiet die Kapelle steht, gehören zu Delecke und liegen nur einen kurzen Spaziergang vom nördlichen Ufer des Möhnesees entfernt. Zu finden ist der zwölfeckige Sakralbau aus dem 12. Jahrhundert also leicht. Ihn zu verstehen ist schwieriger.

14 schlanke Säulen und zwei gemauerte Pfeiler, angeordnet in zwei konzentrischen Kreisen, tragen das Gewölbe, eine Verbindung von Kreuz- und Tonnengewölbe. Die Eingangshalle und ein kleiner Chorraum stören die Symmetrie des Gebäudes. Diese Bauform ist im Sauerland sonst nirgendwo zu finden, und die Spekulationen um die Drüggelter Kapelle sprießen reichlich. Die einen halten sie für eine alte Taufkapelle, die anderen für ein heidnisches Gebäude oder zumindest eines, das anstelle eines heidnischen Kultplatzes erbaut wurde. Vielleicht war der Bau aber auch eine Versammlungsstätte für die Katharer? Wieder andere Historiker sehen in der Kapelle eine Nachbildung der Heiliggrabkirche in Jerusalem, entstanden zur Zeit der Kreuzzüge. Welche Deutung der Wahrheit entspricht, muss weiterhin unklar bleiben.

Nach wie vor finden in der Kapelle Gottesdienste statt sowie Konzertveranstaltungen. Zu Pfingsten etwa wird aus der Kapelle ein Saal für Musik und Kunst, wenn das kleinste Festival Westfalens stattfindet, die Drüggelter Kunst-Stückchen. Gar so klein ist das Festival mit dem ausgesuchten Kulturprogramm aber gar nicht, immerhin konnten im Jahr 2011, zur 22. Auflage der Veranstaltung, rund 10.000 Gäste begrüßt werden.

Übrigens sind auch die Drüggelter Höfe wirklich sehenswert. Unter den hundertjährigen Kastanien zwischen Backhaus und Scheune ist ein ganzer Skulpturenpark zu sehen, der von Künstlern der Region bestückt wurde. Und wer möchte, kann sich hier ganz romantisch das Ja-Wort geben!

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