Dechenhöhle

Eine der schönsten Tropfsteinhöhlen Deutschlands wurde 1868 im Tal des Grüner Bachs entdeckt. Man baute damals eine Eisenbahnstrecke, die Iserlohn mit der Ruhr-Sieg-Bahn im Lennetal verbinden sollte. Zu Füßen des Sonderhorst (222m) verloren zwei Arbeiter einen Hammer im Felsgewirr. Auf der Suche danach entdeckten sie den Eingang in die Höhle. Mit Grubenlampen ausgerüstet betraten die ersten Erkunder die Höhle und waren sofort überwältigt vom Ausmaß und der Schönheit der Höhle: „Überall Neues und Seltenes, bald in überaus großartigen, bald in lieblichen Gestalten.“

Nicht nur zu den schönsten, auch zu den größten Schauhöhlen Deutschlands gehört die Dechenhöhle. In den Berichten der ersten Höhlenforscher war von rund 300m Länge die Rede. Inzwischen ist bekannt, dass die Dechehnhöhle deutlich größer ist. 360m von insgesamt 870m Länge sind für Besucher zugänglich gemacht worden. Bizarre Tropfsteinformationen und reiche kristalline Ablagerungen machen das Innere der Höhle so sehenswert. Da gibt es eine Orgelgrotte und eine Kapelle, eine Kaiserhalle und eine Wolfsschlucht und zahlreiche weitere Räume. Eines der Prachtstücke ist die 2,80m hohe Palmensäule, die tatsächlich wie der Stamm einer Palme aussieht und frei im Raum steht.

Benannt ist die Dechenhöhle nach dem Bonner Geologen und Oberberghauptmann Dr. Heinrich von Dechen, der einen wichtigen Beitrag zur geologischen Erforschung Nordrhein-Westfalens geleistet hatte. Direkt nach der Entdeckung war klar, dass diese Höhle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte. Und so baute man einen Weg in die Höhle, der auch für die Damen gangbar war. Bis heute gehört die Dechenhöhle mit gut 60.000 Gästen jährlich zu den meistbesuchten Höhlen Deutschlands.

Neben der Höhle selbst ist auch das direkt angegliederte Deutsche Höhlenmuseum Iserlohn lohnenswert. Es ist das größte Museum seiner Art in Deutschland. Die Entstehung von Höhlen wird hier genauso thematisiert wie die aktuellen und ehemaligen Höhlenbewohner. Höhlenbären und andere Tiere nutzten die Höhlen gern. Eine Attraktion ist der Schädel eines Waldnashorns, der in den 1990er Jahren in der Dechenhöhle entdeckt wurde.

Als Veranstaltungsort dient die Dechenhöhle auch immer wieder. Zum Beispiel jährlich zur Weihnachtszeit, wenn die Höhlenweihnacht stattfindet. Weihnachtliche Live-Musik, Gedichte und Geschichten zaubern eine ganz eigene, geheimnisvolle Stimmung in die Unterwelt. Ein wenig früher im Jahr feiern große und kleine Kinder das Laternenfest, wenn die Geschichte vom Heiligen Martin und der Mantelteilung in der Tropfsteinkulisse aufgeführt wird. Ein Laternenumzug durch die Höhle ist schon etwas ganz Besonderes, vor allem, wenn einem dabei sogar (fast) echte Höhlenbären begegnen.

Die Dechenhöhle wurde vom Wasser in das Massenkalkgebirge gegraben und ist beileibe nicht die einzige Höhle in der Region. Viele andere Höhlen sind allerdings nicht als Schauhöhlen ausgebaut, sondern dienen als Naturschutzgebiet vor allem seltenen Fledermausarten und anderen Tieren als Winterquartier. Ganz in der Nähe, ebenfalls am Sonderhorst, gibt es zum Beispiel die Hüttenbläserschachthöhle, eine Großhöhle mit rund 4.800m Länge, die noch vollkommen naturbelassen und touristisch nicht erschlossen ist. Weitere bekannte, aber für Nicht-Höhlenkundler unzugängliche Höhlen sind beispielsweise die Knitterhöhle, der Kleine Schacht, die B7-Höhle oder die Bunkerhöhle.