Darmstadt-Eberstadt

In Darmstadt-Eberstadt beginnt die Bergstraße, die entlang des Odenwalds durch Hessen nach Baden-Württemberg führt. Eberstadt, südlich der Kernstadt von Darmstadt gelegen, hat rund 23.000 Einwohner, einen historischen Teil und einen Teil mit der Großwohnsiedlung Eberstadt-Süd, der ins Programm „Soziale Stadt“ aufgenommen wurde, um positive Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Demgegenüber liegt in Eberstadts Norden das denkmalgeschützte Villenviertel mit herrschaftlichen Häusern und Anwesen aus der Gründerzeit. Eines ist das ehemalige Duncan-Schule Haupthaus auf der Marienhöhe, das Tanzschule der amerikanischen Tänzerin und Tanzpädagogin Elisabeth Duncan war und heute ein Schulzentrum beherbergt. Östlich der Marienhöhe ist der Prinzenberg mit 241m und einem großen zusammenhängenden Streuobstwiesengebiet sowie einem Naturlehrpfad.

Von historischer Bedeutung Eberstadts sind die Mühlen, beziehungsweise ihre Reste, denn von 11 Mühlen haben sich rund 9 erhalten können, sie prägen den Osten von Eberstadt mit dem Modautal. Bereits im Mittelalter gab es an der Modau einige Mühlenbetriebe. Beginnt man seine Mühlenwanderung nahe dem Zentrum in Eberstadt, liegt am Ende der Straße „An der Eschollmühle“ die Eschollmühle mit dem Baujahr 1563. Sie wurde 1972 stillgelegt und dient heute Wohnzwecken. Das Gebäudeensemble zeigt sich teilweise mit massiven Untergeschossen und Fachwerk mit großer Scheune und einem Mühlengraben.

Im Bereich Pfungstädter Straße/Heidelberger Landstraße zweigt gen Osten die Oberstraße ab. Man kommt zwar nicht zu einer Mühle, aber zu einem alten Handwerksbetrieb, der auch viel Wasser benötigte, nämlich die ehemalige Hofreite mit Gerberei. Ihr Baujahr ist 1594 und sie ist im Kern ein mittelalterlicher, fränkischer Bauernhof. Man sieht verputzte Fachwerk und ein Massivhaus jüngeren Datums, beide sind mit einem Torbau verbunden. Ein Eisensteg führt über die Modau. Heute ist hier eine Außenstelle der Stadtbibliothek und man gelangt von der alten Gerberei in den Bauerngarten Eberstadt.

Nördlich ist die ehemalige Ölmühle in der Heinrich-Delp-Straße 14 aus dem 16. Jahrhundert. An die Mühle wurde ein Zollhaus angebaut. Vermutlich ist die Ölmühle Eberstadts ältestes Fachwerkgebäude. Auch sieht man Sgraffito-Putz aus den 1950er Jahren. Die Ölmühle dient heute Wohnzwecken.

Die nächste Mühle liegt an der Mühlstraße und ist die Alte Dorfmühle aus dem Jahr 1565. Sie war vom Ortskern aus gesehen die nächstgelegene Getreidemühle. Von der Mühlstraße zweigt in Richtung Modau ein Sträßchen ab und das führt zur Wiesenmühle, deren Ursprünge im 14. Jahrhundert liegen. Vor 1490 wurde das Ensemble in eine obere und untere Wiesenmühle geteilt. Das massive Mühlenhauptgebäude der Oberen Wiesenmühle erstreckt sich über 5 Achsen und stammt aus dem Jahr 1725.

Zwischen der Wiesenmühle und der folgenden Kaisermühle findet sich das Judenbrünnchen. Die kleine Brunnenanlage nahe der Modau wurde 1837 erbaut, verrät ein Schild. Eine Natursteintreppe führt zum gemauerten Brunnenschacht. Der Name Judenbrünnchen rührt daher, dass es am Sabbat untersagt war, mehr als 1km zu Fuß zu gehen. Das Brünnchen lag an dieser „Sabbat-Grenze“.

Folgt man dem Lauf der Modau in östliche Richtung weiter, kommt man zur Neuen Kaisermühle und zur Alten Kaisermühle. Die Neue Kaisermühle entstand im historisierenden Stil im Jahr 1890. Die stattliche Industrie-Mühlenanlage ist ein dreigeschossiges Gebäude im Holz-Skelett-Bau mit Klinkern. Im Keller ist die Mühlentechnik noch vorhanden. Die Alte Kaisermühle an der Modau liegt nicht weit entfernt auf dem Areal einer älteren Pulvermühle und stammt aus dem Jahr 1716. Der breite zweigeschossige Bau hat eine Biberschwanz-Dacheindeckung und ist bis auf den Giebel verputzt. Darunter ist Fachwerk.

Ein Stück weiter entlang der Mühlstraße ist die Koppenmühle aus dem Jahr 1569. Auch hier wird heute nur noch gewohnt. Ebenfalls in der Engelsmühle aus dem Jahr 1707. Man sieht ein massives Untergeschoss, ein Fachwerkobergeschoss und eine Scheune aus Bruchstein, einen einstigen Stall und einen Mühlengarten sowie ein Brunnenhaus. Am Beerbach steht die Waldmühle (auch Walkmühle genannt) aus der Bauzeit um 1700, die ein Mühlengeviert bildet und bereits 1704 ein Waisenhaus beherbergte. Heute ist hier ein Therapiezentrum.

Am Kirchberg steht die evangelische Dreifaltigkeitskirche Eberstadt. So heißt sie erst seit 1960. Davor war sie die Eberstädter Kirche und bis 1911 war sie auch die einzige. Eine erste Kirchenerwähnung war bereits 1260. Der schon 26m hohe Kirchturm erhielt im 19. Jahrhundert noch eine Erhöhung. Die Herren von Frankenstein stifteten bereits im frühen 16. Jahrhundert Ausstattungen. Das Pfarrhaus anbei im historischen Stil entstand 1893.

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