Darmstadt

Das hessische Innenministerium gab Darmstadt 1997 den Untertitel Wissenschaftsstadt, den sie heute werbeträchtig trägt. Dabei bezog es sich auf die Technische Universität Darmstadt, die beiden Fachhochschulen und über 30 weitere Forschungseinrichtungen. 1877 wurde die TU gegründet, mit dem weltweit ersten Studiengang für Elektrotechnik.

Darmstadt pflegt seine Kleinode mit den Plätzen, Grünanlagen und der bekannten Mathildenhöhe, die für ihren Jugendstil und die Künstlerkolonie bekannt ist. Es finden sich zahlreiche Museen in Darmstadt, auf dem „Museumshügel“. Ein Wahrzeichen ist der Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe. Ein Schloss fehlt auch nicht. Das Residenzschloss Darmstadt steht nahe dem Marktplatz, hat ein Schlossmuseum und bietet das Spektakel Schlossgrabenfest.

Eine Stadterkundung lässt sich sehr gut am Luisenplatz beginnen. Er war mal das politische Zentrum und ist heute nach wie vor ein zentraler Ort, da sich hier die Straßenbahnlinien kreuzen. Rundherum ist Fußgängerzone und man kann den Platz verkehrsberuhigt erleben. Auf dem Luisenplatz steht das Ludwigsmonument. Die 33m hohe Säule wird von Ludwig I. beansprucht und man kann den „langen Lui“ auch etwas näherkommen, wenn man im Inneren der Säule die 172 Stufen zur Aussichtsplattform erklimmt.

Nördlich wird der Luisenplatz vom stattlichen Kollegienhaus begrenzt, das 1780 seinen Dienst als Ministeriensitz antrat. Es erstreckt sich über drei Geschosse und 15 Fensterachsen, hat einen betonten Mittelrisalit und ein hohes Mansarddach. Das Kollegienhaus erfreut sich einer hübschen Symmetrie. Im 19. Jahrhundert kamen der Ost- und der Westflügel hinzu und verbinden es mit dem Kanzleigebäude am Mathildenplatz. In der Darmstädter Brandnacht 1944, wo sehr viel historische Bausubstanz zu Asche wurde, wurde das Kollegienhaus auch nicht verschont. Es zählte aber zu jenen, die in ihrem alten Stil wieder hergerichtet wurden. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat hier seinen Sitz.

Dreht man sich von hier aus um, sieht man am Ende der Wilhelminenstraße den Alice-Obelisken in den Himmel ragen. Er steht vor dem Eingang der St. Ludwigs Kirche, die durch ihre Kuppel ins Auge fällt. Alice (1843-1878) kam aus Großbritannien und war dort und in Irland Prinzessin. Sie ehelichte 1862 den Großherzog Ludwig IV. (1837-1892). Ihre Idee war die Gründung einer Künstlerkolonie, die ihr Sohn Ernst Ludwig, der letzte Großherzog von Hessen und bei Rhein, aufgegriffen und mit der Mathildenhöhe umgesetzt hat. Der Alice-Obelisk mit Jugendstil-Ornamenten gedenkt der einstigen Prinzessin.

Die St. Ludwigs Kirche mit der prägnanten Kuppel ist die katholische Kirche von Darmstadt und wird auch manchmal Käseglocke genannt. Georg Moller, auf den in Darmstadt mehrere Bauten zurückgehen, plante die Kirche. Sie wurde im Stil des Klassizismus 1827 fertiggestellt. Die Kuppel hat eine Höhe von 35m und einen Durchmesser von 33m. Sie gilt als ein Meisterwerk dieser Zeit. Würde man sich von der Kirche in westliche Richtung auf machen, käme man zum Staatstheater, einem modernen Bau von 1972.

Geht man aber eher wieder stadteinwärts und gen Osten, kommt man zum Alten Pädagog. In dieser Schule wurde besonders begabter Nachwuchs auf die Landesuniversität vorbereitet. Ludwig V. und Sohnemann Georg III. gründeten sie als lutherische Oberschule 1629. Das Gebäude im Stil der Renaissance zeigt sich mit Volutengiebeln und einem Turm.

Will man jetzt einen weiteren Turm in Augenschein nehmen, ist die Stadtkirche als nächstes dran und von dort aus ist man schon auf dem Marktplatz und kommt in den Bereich des Residenzschlosses. Die evangelische Stadtkirche hat Grundmauern aus der Stadternennungszeit: 1330. Der gotische Chor ist 100 Jahre später entstanden und noch erhalten. Aus der einstigen Kapelle hat sich der heutige Bau entwickelt, dessen Turm 63m in die Höhe ragt. Er ist auch ein trigonometrischer Punkt, zu und von dem aus Entfernungsberechnungen vorgenommen werden.

Geht man jetzt von der Stadtkirche aus in östliche Richtung, gelangt man durch die Altstadtanlage und kommt am Altstadtmuseum Hinkelsturm vorbei, der ein Rest der historischen Stadtbefestigung ist.

Ziel ist das Jugendstilbad. Darmstadt wird nicht nur Wissenschaftsstadt genannt, sondern war bereits vorher eine Jugendstilstadt. Das Jugendstilbad ist in einem eindrücklichen Gebäude mit Rundbogenfenstern unten und eckigen Fenstern in der zweiten Etage und es hat einen Turm zu bieten. Das Gebäude entstand 1907-09 im Stil des Neoklassizismus mit Jugendstilelementen, das heißt etwas vereinfacht gesagt, die Elemente, die geschwungen, floral und naturalistisch erscheinen, sind dem Jugendstil zu verdanken, der in der Zeit der Industrialisierung versucht hat, die natürlichen Linien und Formensprachen in die Städtearchitektur zu bringen.

Darmstadt ist auch eine grüne Stadt, nicht nur durch die fast 30% der Grünwähler in 2016, sondern auch von oben betrachtet. Fragt man die Darmstädter nach ihren Lieblingsplätzen, wird natürlich die Mathildenhöhe genannt sowie der Schlossgraben. Auch genannt und beliebt sind die anderen Darmstädter Parkanlagen. Im Hochschulviertel ist der Herrngarten mit einem Gewässer, genannt wurde auch schon die kleine Altstadtanlage, östlich vom Jugendstilbad ist die Rudolph-Müller-Anlage, die an den Großen Woog und den Landgraben grenzt. Hier ist auch das Naturfreibad Großer Woog, der vom Landgraben gespeist wird.

Der Landgraben führt in den Botanischen Garten und ins Gebiet der TU „An den Lichtwiesen“. In südöstlicher Richtung geht es dann ins Randgebiet mit der Darmbachaue von Darmstadt. Eine große Parkanlage liegt zwischen dem Zentrum von Darmstadt und Kranichstein mit dem Bürgerpark Nord. Hier gibt es Sportanlagen, den Müllersteich und andere kleinere Teiche, ein Biergarten fehlt auch nicht.

Macht man sich vom Zentrum aus auf den Weg zum Bürgerpark Nord, kann man noch was erleben. Man überquere den Rhönring und gehe in die Friedberger Straße, an der Ecke Büdinger Straße sieht man es wahrscheinlich schon: Hundertwasser war da! Er hat eine Waldspirale im Bürgerparkviertel gelegt, deren Fertigstellung er allerdings nicht mehr beiwohnen konnte, da er im Eröffnungsjahr 2000 im Februar verstorben war. Zwiebeltürmchen, Gold, Farbenpracht und Wellen sowie über 1.000 Fenster sind zu bestaunen.

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